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Mittwoch, 12. Juni 2019 Drucken

Eisenberg

Was braucht es für die #Traumhochzeit?

Von Bettina Bostan

Andrea Dannenfelser-Tenten aus Grünstadt mit Armin Barwich, einem der Inhaber der Villa.

Andrea Dannenfelser-Tenten aus Grünstadt mit Armin Barwich, einem der Inhaber der Villa. ( Foto: Bettina Bostan)

Anne Salber zeigt verrückte Brillen, mit denen sich die Gäste von der Fotobox fotografieren lassen können.

Anne Salber zeigt verrückte Brillen, mit denen sich die Gäste von der Fotobox fotografieren lassen können. ( Foto: bostan)

Eisenberg: Größer, besser, prunkvoller – der Trend bei Hochzeiten geht mittlerweile Richtung social-media-tauglich. Die Inhaber der Villa Barwich in Eisenberg hatten am Pfingstmontag 20 Aussteller zur Messe rund um das Thema Hochzeit eingeladen. DIE RHEINPFALZ hat sich auf der Messe umgeschaut.

Früher war alles anders - heiraten auch. Da gab es den Polterabend, gefolgt von der oft eher nüchternen Trauung im Standesamt und als Abschluss die kirchliche Zeremonie. Begleitet wurde das Fest von einem Alleinunterhalter oder Musik vom Band, feucht fröhlich, danach die Hochzeitsreise.

Heute ist läuft das eher so: Man heiratet, wie man lebt. Traditionen sind out, in sind vielmehr Individualität und Einzigartigkeit. Schließlich will das moderne Paar nichts mehr dem Zufall überlassen – weder den Humor des Standesbeamten, noch das Wetter und auch nicht, ob sich die beiden Verwandtschaften am Ende des Abends sektselig in den Armen liegen oder in misstrauisch sich beäugenden Lagern verharren. Heute soll alles perfekt sein und wird deshalb bis ins kleinste Detail geplant. Und klar: Das ist mittlerweile ein Markt. 2017 etwa fragte das Statistik-Portal „Statista“ (2017), was Umfrageteilnehmer maximal bereit wären, für ihre Hochzeitsfeier auszugeben. Das Ergebnis: Für 38 Prozent der Befragten gingen Ausgaben bis zu 5000 klar, 26 Prozent würden bis zu 10.000 Euro ausgeben. Neun Prozent wäre ihr Fest der Liebe sogar bis zu 25.000 wert.

„Nur bei einer Nudisten-Hochzeit würde ich streiken“

In der Eisenberger Villa Barwich haben am Pfingstmontag nun zahlreiche Dienstleister und Anbieter von Hochzeitszubehör gezeigt, was das moderne Paar heute so alles haben kann. Da ist beispielsweise die freie Traurednerin Michaela Wenzel aus Flörsheim-Dalsheim, die durch ihre individuellen Reden überzeugen will. „Ich mache fast alles, springe auch aus einem Flugzeug, wenn das Brautpaar sich das wünscht, nur bei einer Nudisten-Hochzeit würde ich streiken“, sagt sie lachend. Außergewöhnliche Floristik und Dekorationen bietet Andrea Dannenfelser-Tenten aus Grünstadt an, die mit ihren Arbeiten ihre kreative Ader auslebe. „Ich dekoriere mal mit Silberfolie, mal mit Rollrasen oder einem halben Getreidefeld auf dem Tisch, je nachdem, was der Kunde will“, erzählt sie. Der Juwelier Michel Reichardt aus Viernheim weiß, dass sich die Gepflogenheiten in den letzten fünf bis sechs Jahren massiv verändert haben. „Vieles wird auf Instagram gepostet, dabei spielt der Antragsring eine große Rolle“, sagt der Juwelier. Dieser sei entweder klassisch mit Brillant oder neuerdings in geflochtener Form. „Dieser Trend kommt aus den USA zu uns, ist dort schon weit verbreitet“, sagt er. Von dort käme auch der Wunsch nach immer größeren und auffälligeren Steinen, da diese sich besser posten ließen. „In den nächsten Jahren werden die Steine in den Antrags- und Trauringen auch immer größer werden, weil die im Internet einfach mehr her machen.“

Bei Torten, Macarons und Petit Four gehe der Trend eher in Richtung zurück zur Natur. „Wir machen Torten mit essbarer Bronze, Geoden aus Zucker, die aussehen wie Edelstein-Drusen und handbemalte Macarons mit Zuckerblüten“, erzählt Sabine Kobus, die Inhaberin von Petticakes in Grünstadt. Auch Torten im Vintage- oder Jugendstil, in Marmor- oder Schieferoptik seien derzeit angesagt. „Üblich sind Hochzeitstorten mit drei bis vier Etagen, mehr werden nicht angefragt“, so die Konditorin.

Austern, Alpakas und Fotoboxen

Bemalte Austern als Platzkärtchen oder Brautgeschenk bietet Gitta Kronenberg aus Mannheim an. „Ich recycle die Austern“, sagt sie. „If you use Instagram, please tag #flotteslieschen“, steht auf einem umgebauten Piaggio Ape, einem dreirädrigen Gefährt, das man sonst aus Italien kennt. „Auf der einen Seite des Fahrzeugs bieten wir neben flotter Musik auch Prosecco aus dem Zapfhahn an, die andere Seite ist individuell bestückbar“, beschreibt der Inhaber Patrick Salber. Angesagt sei derzeit Gin, das Lieblingsgetränk der Queen. Der Clou ist am hinteren Ende des Gefährtes eingebaut: die Fotobox. Zahlreiche Accessoires, wie Hüte und verrückte Brillen, stehen zum Verkleiden bereit. „Die Fotobox macht dann ein Foto der Gäste und druckt es nach wenigen Sekunden aus“, erklärt er. Das Ergebnis kann dann gleich gepostet werden, der entsprechende Hinweis findet sich auf dem Gefährt. Julia Klein und Jorge Schlüter aus Kirchheimbolanden wollen ihren Hochzeitstag, der noch nicht feststeht, eher im kleinen Kreis mit Familie und Freunden feiern. „Eine freie Trauung im Freien wäre sicherlich schön, aber ohne Alpakas und ohne posten, das würde uns gut gefallen“, sagt Klein.

Seit einem Jahr kann man in der Villa Barwich nicht nur essen, sondern auch diverse Feierlichkeiten veranstalten, so auch Hochzeiten. „Was kann perfekter sein, als die Braut im weißen Kleid und Pauli nebendran, wenn er ein Rad schlägt?“, fragt Armin Barwich, einer der Inhaber. Pauli ist einer der sechs zahmen weißen Pfauen, die auf dem Gelände anzutreffen sind. Der Inhaber gibt aber zu bedenken: „Bis Oktober sind wir bereits ausgebucht.“

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