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Mittwoch, 09. Januar 2019 Drucken

Grünstadt: Kultur Regional

„Singen ist ein körperliches Bedürfnis“

Interview: Anne Haigis hat in mehreren Bands gesungen und mit ihrem Deutschrock vor allem in den 1980er-Jahren Erfolge erzielt. Seit einiger Zeit ist sie auch in Duos unterwegs. Ins Mannheimer Capitol kommt sie am Samstag mit einem neuen Pianisten und neuen Songs. Gereon Hoffmann sprach mit ihr über ihr Programm, die Politik – und die Frage, warum Jazz für sie nicht interessant ist.

„Ich finde, ich habe mich echt entwickelt“: Anne Haigis.

„Ich finde, ich habe mich echt entwickelt“: Anne Haigis. ( Foto: Hans-Peter Wild/Frei)

Frau Haigis, Sie kommen am Samstag mit dem Programm „15 Companions“ von ihrer jüngsten Platte ins Mannheimer Capitol …

Im Prinzip ja. Aber da das Album Ende 2015 erschienen ist, kommen natürlich Songs dazu. Durch die neue Besetzung ist es möglich, mehr Songs von meinen früheren deutschsprachigen Alben zu spielen, die nicht so einfach umzusetzen waren. Niklas Hauke ist ein junger Pianist und Keyboarder mit viel Erfahrung und Improvisierfreude und unterstützt mich auch gesanglich. Neu ist auch ein Song von Zucchero, von dem ich ein Riesenfan geworden bin.

 

Wie wählen Sie Songs, die Sie spielen wollen?

Da gehe ich ganz nach meinem Gefühl und der Dramaturgie des Abends. Sehr wichtig sind mir mittlerweile die Texte, egal in welcher Sprache. Früher war ich da nicht so heikel. Heute muss das, was ich singe, für eine Haltung stehen. Ich bin sicher auch politischer geworden. Ich will Stücke singen, die sich darauf beziehen, was in der Welt geschieht.

 

Es geht Ihnen mehr als früher um Aussagen?

Der Song muss natürlich trotzdem gut sein! Ich würde nichts singen, was einen guten Text hat, aber blöd klingt. Die Musik muss stimmen.

 

Sie sind ja schon länger im Geschäft – wie haben Sie sich verändert?

Ich bleibe nie stehen, es geht immer weiter. Aktuell durch die Besetzung muss ich viel mehr Gitarre spielen. Also musste ich dafür was tun. (Lacht) Zwangsläufig. Ich könnte ja alleine spielen, wie es manche machen. Aber ich finde es schöner mit einem weiteren Instrument. Auch wenn ich mich dafür mehr anstrengen muss. Aber ich hab’ da Spaß dran, und ich finde, ich habe mich echt entwickelt!

 

Ich war 2006 bei Ihnen im Konzert, da haben Sie gesagt: „Ich bin jetzt in einem Alter, da kann ich mehr Blues singen. Später werde ich vielleicht Jazz machen ...“

(Lacht heftig.) Stimmt, das habe ich gesagt. Es fragen mich auch immer wieder Leute, ob ich mal wieder Jazz machen könnte. Aber ehrlich gesagt, finde ich Jazz für mich als Sängerin nicht so interessant.

 

Was? Warum?

Man singt ein Thema, und dann machen alle anderen drei Stunden lang ihre Improvisationen. Zumindest war es so, als ich mit den ganzen Cracks unterwegs war, mit Pianist Wolfgang Dauner und Bassist Wolfgang Schmid. Als Sängerin war ich damals mehr das Sahnehäubchen, das war mir zu wenig. Was allerdings nicht heißt, dass es nicht wunderbare Songs gibt, die ich heute noch liebe und vielleicht auch mal wieder einbringen werde.

 

Ihre Musik klingt amerikanischer als bei vielen Amerikanern. Warum?

Das kann ich nicht sagen. Es ist einfach die Art von Musik, die mich am meisten berührt. Ich habe damals SWF 3 gehört, mit „Popshop“. Und Crosby, Stills & Nash und den Eagles, Joni Mitchell. Damals habe ich angefangen, mich auf der Gitarre zu begleiten und mir den Kleinstadtblues von der Seele gesungen. So bin ich zum Singen gekommen. In der Schule durfte ich ja nicht singen.

 

Warum?

Die haben immer gesagt: „Anne, hör auf, du singst immer so laut und falsch ...“ Dabei habe ich im Leben noch nicht falsch gesungen! Nie! Ich hab’ halt nur nicht so ein hohes Stimmchen gehabt wie meine Mitschülerinnen.

 

Sie haben sich aber nicht entmutigen lassen?

Nö. Das Singen war für mich ein fast körperliches Bedürfnis. Das ist heute noch so. Wenn ich mal den Blues hab’ und an die Gitarre gehe, geht`s mir sofort besser.

Termin

Anne Haigis spielt am Samstag, 12. Januar, 20 Uhr, im Capitol in Mannheim.

Tickethotline 0621/3367333.

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