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Dienstag, 15. Januar 2019 Drucken

Eisenberg

„Selber machen – Macher werden“

BIEDESHEIM: Mangelnde Selbstbestimmung Thema beim Neujahrsempfang

Von Anja Benndorf

Bürgermeister Holger Pradella (rechts) bedankte sich beim Neujahrsempfang bei zahlreichen ehrenamtlich Engagierten.

Bürgermeister Holger Pradella (rechts) bedankte sich beim Neujahrsempfang bei zahlreichen ehrenamtlich Engagierten. ( Foto: PRIVAT)

Beim zehnten Neujahrsempfang der Gemeinde Biedesheim im gut besuchten Bürgerhaus hat Ortschef Holger Pradella (parteilos) den mangelnden Spielraum für eigenverantwortliche Entscheidungen der Kommunen beklagt. Hoch gelobt hat er das enorme ehrenamtliche Engagement im Ort. „Die Dorfgemeinschaft ist unser dickes Plus“, hieß es in seiner Rede, die er der RHEINPFALZ im Nachgang zukommen ließ.

„Das von Grundgesetz und Landesverfassung uns zustehende Selbstbestimmungsrecht ist nicht mehr wirklich gewahrt“, so Pradella. „Die von außen uns aufgebürdeten hohen Ausgaben sind mit den Zuweisungen nicht zu bezahlen und neue Schulden sind unausweichlich.“ Er wünsche sich nicht mehr Zentralität, sondern Vielfalt in auch kleinen Einheiten. „Ich bin mir sicher, dass es eine Stadtflucht geben wird, sie hat schon begonnen, und dann sind wir auf dem Land nicht vorbereitet.“ Der Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ werde aus Kostengründen ad absurdum geführt. Warum, so fragte der Bürgermeister unter anderem, sei der ÖPNV auf dem Land nahezu gänzlich abgeschafft worden, warum dürfe ein Dorfparlament nicht selbst entscheiden, welches Tempo in der Ortsdurchfahrt gilt, warum hinke die Mobilfunkversorgung auf dem Land der in den Städten deutlich hinterher?

Nach einigen grundsätzlichen Gedanken zu Gesellschaft und Demokratie, blickte Pradella aufs vergangene Jahr. Im Baugebiet „Im Bangert“ seien alle Grundstücke, bis auf eines, verkauft worden. „Unsere Kassenkredite bei der Verbandsgemeinde Göllheim sind dadurch auf einen deutlich niedrigeren Stand gesunken“, so der Bürgermeister. Auch durch die Pachteinnahmen und Leitungsrechte für die zwei Windkraftanlagen auf Biedesheimer Gemarkung hätten sich diese kurzfristigen Schulden auf etwa 570.000 bis 600.000 Euro reduziert. Vor zehn Jahren lagen sie noch bei 900.000 Euro. Die Resterschließung „Im Sonnenwinkel“ habe im Herbst begonnen, erinnerte Pradella, der mit einer Fertigstellung im ersten Drittel des Jahres rechnet.

Der Bebauungsplan „Im Bangert IV“ stehe. Die Anbindung an die Kindenheimer Straße werde die Gemeindekasse allerdings stark belasten, da sie sich nicht über die marktüblichen Erschließungsbeiträge finanzieren lasse. Dabei werde auch der Hochwasserschutz angegangen. Zu den als nächstes anstehenden Projekten aus dem Dorferneuerungskonzept sagte Pradella: „Der kommunale Spielplatz wird im Frühjahr wieder benutzbar sein und im kommenden Jahr wird die Neuplanung umgesetzt.“ Das Konzept für die Ortseingangsschilder sei erstellt. Der Dorfladen, getragen von zwei Neubürgern, stehe kurz vor der Baugenehmigung. „Verzögert wurde diese durch eine erforderliche Aktualisierung der Katasterpläne aufgrund eines veränderten, aber nicht vermessenen Weges.“

Als besonderes Pfund der Ortsgemeinde hob Holger Pradella die Kita „Mäusenest“ hervor. Ein Dutzend Mitarbeiter kümmerten sich in der kürzlich baulich erweiterten Einrichtung um bis zu 55 Kinder aus dem Ort und aus Ottersheim.

Zum Abschluss der vom Gesangsduo Jenine Baltrus/Jule Schatto sowie Simone Schatto am Klavier musikalisch umrahmten Veranstaltung würdigte Pradella all jene, die sich ehrenamtlich für die Dorfgemeinschaft engagieren. „Das Miteinander zählt“, betonte er. „In der Dorfgemeinschaft können wir etwas für uns selbst umsetzen, etwas selber machen – Macher werden.“

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