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Donnerstag, 19. März 2020 Drucken

Eisenberg

Ramsen: Hilfe in der Not – Zirkustiere auf privatem Hof untergebracht

Von Eva Briechle

Shakira und Baby heißen die beiden Zebras, die Elena Carduck derzeit in ihrer Obhut hat.

Shakira und Baby heißen die beiden Zebras, die Elena Carduck derzeit in ihrer Obhut hat. (Foto: Schifferstein)

Shakira und Baby heißen die beiden Zebras, die Elena Carduck derzeit in ihrer Obhut hat.

Shakira und Baby heißen die beiden Zebras, die Elena Carduck derzeit in ihrer Obhut hat. (Foto: Schifferstein)

Weil sie Kamele und Zebras nicht schutzlos im Schlamm stehen lassen wollte, nahm Elena Carduck sieben Zirkustiere in ihre Obhut. Das war im Februar, nachdem Sturm „Sabine“ über das Land gefegt war und den Unterstand der Kamele zerstört hatte. Nun ist das Coronavirus unterwegs. Was bedeutet das für die Ramserin, die ein großes Herz für Tiere hat?

„Erst Sabine, jetzt Corona“, seufzt Elena Carduck und hat dabei fünf Kamele im Blick, die im Sonnenschein gemütlich über ihren Hof spazieren. Eigentlich gehören die Tiere dem Zirkus Kaiser. Im Februar hatte jedoch Sturm „Sabine“ dem Zirkus das mobile Stallzelt der Kamele aus der Verankerung gerissen, durch die Luft gewirbelt und soweit zerstört, dass es nicht mehr zu reparieren war. Als Elena Carduck durch einen Artikel in der RHEINPFALZ davon erfuhr, überlegte sie nicht lange.

Gemeinsam mit ihrem Mann baute sie eine Scheune um, die früher einmal für die Pferdepensionshaltung genutzt wurde. „Wir haben einfach ein paar Boxenwände herausgenommen, aufgeräumt und dann konnten die Kamele einziehen“, sagt Carduck. Im Schneegestöber seien die Tiere damals auf dem landwirtschaftlichen Betrieb in Ramsen angekommen. Und bis Ende März sollten sie bleiben. So zumindest lautete die ursprüngliche Vereinbarung. „Diesem Plan macht das Coronavirus jetzt aber einen Strich durch die Rechnung“, erzählt Carduck. Derzeit dürfe der Zirkus nicht weiterziehen, keine Vorstellungen geben und somit fehlten auch die Einnahmen, um ein neues Stallzelt für die Kamele anzuschaffen.

Dreimal täglich Fütterung

So ganz unglücklich darüber, dass sie noch ein bisschen länger aus dem Fenster schauen und Kamele beobachten kann, ist Carduck allerdings nicht. Natürlich sei es viel Arbeit, erzählt sie. Dreimal am Tag brauchen die Kamele Futter, und auch der Hof muss regelmäßig gekehrt werden. Doch obwohl sie nur wenig über Kamele wusste, bevor sie sich fünf davon auf ihren Hof holte, ist Carduck eines sehr schnell aufgefallen: „Im Vergleich zu Pferden machen Kamele weniger Dreck“, sagt sie. Es müssten zum Beispiel deutlich weniger Hinterlassenschaften beseitigt werden. Hinzu komme, dass Kamele auch weniger trinken als Pferde.

Alle zwei bis drei Tage bringen die Verantwortlichen des Zirkus Kaiser Heu und Karotten für die Tiere vorbei, sagt Carduck. Darauf hinzuweisen, dass der Zirkus sich sehr gut kümmere und aktuell mehr denn je auf Spenden angewiesen ist, das ist der 44-Jährigen ganz besonders wichtig. Sein Winterquartier habe der Zirkus derzeit im Bad Dürkheimer Industriegebiet „Bruch“ aufgeschlagen. Von dessen finanziellen Problemen und Schwierigkeiten in Corona-Zeiten bekommen die Kamele freilich nichts mit. „Das sind ganz gemütliche und ruhige Gäste“, sagt Carduck, die den Kamelen besonders gerne beim Schlafen zuschaut. „Die machen auch wirklich Mittagspause“, hat die Mutter zweier Kinder festgestellt. Von ihrem abgesperrten Auslaufbereich im Hof gehen die Tiere regelmäßig in die Scheune, legen sich hin – und zwar ganz auf die Seite – und schlafen dann tief und fest.

Hofhund Elvis bewacht die Kamele

Simba und Ivan heißen die beiden Chefs der fünfköpfigen Trampeltier-Truppe, und wenn Freunde oder Bekannte bei Carducks auf dem Hof sind, dann stehen sie als erstes am Zaun. „Ich habe ein Heidenrespekt“, sagt Elena Carduck. „Als jemand, der Pferde kennt, weiß ich zwar wie man mit großen Tieren umgeht. Aber, dass Kamele so riesig sind, daran musste ich mich erst einmal gewöhnen.“ So gut wie gar keine Eingewöhnungszeit benötigte Hofhund Elvis. Als Schweizer Sennenhund sei er ein Herdenschutzhund, erklärt Carduck. Und so liegt Elvis tatsächlich auch regelmäßig vor dem Stall und bewacht die Kamele.

Doch nicht nur fünf Wüstentiere mit großen und weichen Füßen halten sich derzeit auf dem Hof in Ramsen auf. Ob sie sich denn vorübergehend auch um zwei Zebras kümmern könne, fragte der Zirkus Kaiser an, kurz nachdem die Kamele in Ramsen eingetroffen waren. Und auch in diesem Fall zögerte Elena Carduck nicht. Die Nässe auf den Wiesen habe den Zebras schwer zu schaffen gemacht, erzählt sie. Kurzerhand wurden also eine Heu- und Strohlagerhalle ausräumt, die hofeigenen französischen Mini-Schafe auf die andere Seite der Scheune verfrachtet und Platz für Shakira und Baby geschaffen. So nämlich heißen Carducks schwarz-weiß gestreifte Gäste, die sich im Vergleich zu den Kamelen als sehr scheu herausstellen. Als die 44-Jährige im Beisein der RHEINPFALZ den Zebra-Auslauf betritt, bricht erst einmal Unruhe bei den Tieren aus. Und es dauert auch eine ganze Weile, bis die Zebras sich wieder beruhigt haben. Dann aber holen sie sich ihre Karotten bei Carduck doch gerne persönlich ab.

Die eigenen Pferde mussten umziehen

Damit die Unterbringung der Zirkustiere auf ihrem Hof reibungslos funktioniert, musste Carduck nicht nur Ställe herrichten, sondern auch logistische Umstrukturierungen vornehmen. Ihr größtes Problem: Die hofeigenen Pferde bekamen Angst beim Anblick der Kamele. „Da setzte sofort der Fluchtinstinkt ein“, erzählt Carduck. Normalerweise seien die Pferde im Innenhof – also dort wo jetzt die Kamele ihren Auslauf haben – angebunden und geputzt worden. Da der Hof aber groß genug ist und ausreichend Ausweichmöglichkeiten bestehen, hat Elena Carduck auch für ihre ängstlichen Pferde eine gute Lösung gefunden. Alle Tiere seien bestens versorgt, das Veterinäramt habe keine Einwände.

Wie lange die Kamele und Zebras noch in Ramsen bleiben, steht derzeit in den Sternen. Ursprünglich sei für Ende März eine Zirkus-Sondervorstellung auf dem Hof der Carducks ausgemacht gewesen. Denn zu diesem Termin sollten die Tiere ja wieder abgeholt werden. Doch die Veranstaltung falle nun erst einmal aus, bedauert Carduck. Eigentlich stehe auch ein Familienurlaub an. Und spätestens dann hätte sie die Zirkustiere gerne wieder in der Obhut des Zirkus Kaiser gewusst. Doch das Coronavirus wird wohl auch dem Familienurlaub der Carducks einen Strich durch die Rechnung machen. Und so bleiben die Zirkustiere zunächst einmal in Ramsen. Auch Simba und Ivan – die beiden Chefs. |ble