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Montag, 13. Mai 2019 Drucken

Grünstadt: Kultur Regional

Kreativ und philosophisch

Texte zum Thema „Ankommen“ haben 83 Schüler aus der Pfalz und Rheinhessen bei den Donnersberger Literaturtagen eingereicht. Zum siebten Mal hat der Literaturverein den Susanne-Faschon-Preis für Nachwuchsautoren ausgeschrieben. Die 13 besten Arbeiten lasen die Jungautoren am Freitag in der IGS Eisenberg vor. Die vierstündige Veranstaltung regte zum Nachdenken an.

Von Julia Helwig

Interessiert: Die Zuschauer im Saal lauschten den 13 Autoren, die nacheinander ihre Texte präsentierten.

Interessiert: Die Zuschauer im Saal lauschten den 13 Autoren, die nacheinander ihre Texte präsentierten. ( Foto: Helwig)

Johanna Kunz

Johanna Kunz ( Foto: Helwig)

Tabea Schneider

Tabea Schneider ( Foto: Helwig)

Kai Schwarzer

Kai Schwarzer ( Foto: Helwig)

Die Spannung in der voll besetzten Mensa ist zum Greifen nah. Noch wissen die Teilnehmer des Schreibwettbewerbs nicht, ob ihre Texte ausgewählt worden sind und wer den ersten Preis, der mit 500 Euro dotiert ist, erhält. Mit Marleen Widmer, der Susanne-Faschon-Preisträgerin der sechsten Donnersberger Literaturtage, führt der Vorsitzende des Donnersberger Literaturvereins, Thomas Mayr, durch die Veranstaltung. Gespannt warten die Schüler und Lehrer auf das Ergebnis. 16 Schulen nahmen an dem Schreibwettbewerb teil, 59 Prosatexte und 24 Gedichte reichten 20 Schüler und 63 Schülerinnen ein. Die Entscheidung sei der Jury nicht leicht gefallen, sagt Thomas Mayr, der gemeinsam mit Thomas Behnke, Marleen Widmer und Barbara Franke die Einsendungen beurteilt hat.

Tiefgründig, emotional oder auch lustig sind die 13 ausgewählten Texte, die die Schüler im Alter zwischen 16 und 19 Jahren vortragen. Eins haben alle Beiträge jedoch gemein – sie inspirieren, sich mit dem eigenen Leben auseinanderzusetzen, und regen zum Nachdenken darüber an, was „Ankommen“ bedeutet. Thomas Mayr fasst es zusammen: „Mit der Wahl dieses Themas wollen wir vieldeutige Möglichkeiten der Interpretation bieten. Man kann an einem Ort oder in einer Situation ankommen. Man kann aber auch mit etwas oder bei jemandem gut ankommen oder eben auch bei sich selbst.“

Und genau diese unterschiedlichen Möglichkeiten bekommt das Publikum zu hören. Interessant ist dabei die Herangehensweise der jungen Autoren. Vor jeder Lesung erzählen sie, wie die Idee zu ihrem Text entstand. Einige haben sich von ihren Erfahrungen inspirieren lassen, andere haben philosophische Ansätze mit hineingebracht oder spielen mit der Vorstellungskraft. Die Texte sind intelligent geschrieben, bestechen durch Wortspiel, oder beflügeln die Fantasie dank detaillierter Formulierungen.

Dass einige in ihren Beiträgen die Lebensstationen bis hin zum Tod oder das, was danach mit einem passiert, miteinbeziehen, zeigt, wie sehr sich die Autoren dem diesjährigen Thema „Ankommen“ geöffnet haben. Kreativ und von vielen Seiten wird es beleuchtet – auch kritisch.

Leanne Hartner (17), die das Albert-Schweitzer-Gymnasium in Kaiserslautern besucht, hat den 13. Platz belegt. Ihre Prosa „Ich wollte ankommen“ beschreibt die Stationen des Lebens als Versuch und Irrtum. Vom Erwachsenwerden erzählt sie und formuliert ganz offen die Diskrepanz zwischen Vorstellung und Realität. „Mit dieser Geschichte können sich sicher einige identifizieren“, lautet das Fazit von Widmer, die mit Mayr alle Beiträge kurz kommentiert.

Herzlich gelacht wird bei der Geschichte von Sven Dorst vom Goethe- Gymnasium Germersheim. Der 17-Jährige hat eine nette „Ankommen“-Variante rund um ein erstes Date geschrieben, dessen Bedeutung hinter der Auseinandersetzung mit dem eigenen Auftritt fast verschwindet. Sicherlich haben einige im Saal das Erzählte, zumindest in Grundzügen, schon erlebt – die Jugendlichen vielleicht gerade erst, bei den Erwachsenen dürfte es schon ein paar Jährchen her sein. Ein guter Plot, detailgetreu und humoristisch, sagt die Jury.

Dass auch Gedichte, also wenige Strophen, sehr viel Inhalt haben, beweist die Zweitplatzierte Tabea Schneider. Die Schülerin (12. Klasse) der IGS Eisenberg freut sich über ihre Platzierung: „Gedichte geben mehr Interpretationsfreiraum.“ Erstmals hat die 18-Jährige an einem Wettbewerb teilgenommen und die zwei Gedichte „Sorgenfrei“ und „Verschleierte Romanze“ eingereicht. In ihren Werken verarbeite sie das Erlebte, verrät die Schülerin, die mehrmals monatlich Stift und Block zur Hand nimmt.

Viel Applaus gibt es für die diesjährige Preisträgerin Johanna Kunz vom Elisabeth-Langgässer-Gymnasium Alzey. Der Text der 17-Jährigen, „Machen Sie sich keine Sorgen“ , handelt in Form eines Zwiegesprächs vom Tod. „Seit der Grundschulzeit schreibe ich. Es soll realitätsnah sein, aber auch fantasievoll“, sagt Kunz, die am liebsten ihre Protagonisten mit Geschichten in öffentlichen Verkehrsmitteln verwebt. Auch für sie ist es die erste literarische Veranstaltung. Das Gymnasium der Siegerin wird zusätzlich zur schreibkreativsten Schule gekürt und gewinnt einen mit 200 Euro dotierten Preis, der eine literarische Veranstaltung beinhaltet.

Umrahmt wird die Veranstaltung gesanglich von der Klasse 6a und von einer szenischen Einlage der Schüler (11./12. Klasse) des Kurses Darstellendes Spiel.

Die Platzierungen

1. Johanna Kunz , Preisträgerin Susanne-Faschon-Preis (Elisabeth-Langgässer-Gymnasium Alzey), 2. Tabea Schneider (IGS Eisenberg), 3. Kai Schwarzer (Albert-Schweitzer-Gymnasium Kaiserslautern), 4. Christopher Geib (Gymnasium Weierhof Bolanden), 5. Zoe Marie Roth (Hohenstaufengymnasium Enkenbach-Alsenborn), 6. Eileen Wuth (Nordpfalzgymnasium Kirchheimbolanden), 7. Sven Dorst (Goethe-Gymnasium Germersheim), 8. Helena Schied (BBS Pirmasens), 9. David Besau (Goethe-Gymnasium Germersheim), 10. Michelle Metzger (Gymnasium am Rittersberg Kaiserslautern), 11. Fiona Herrmann (IGS Eisenberg), 12. Paula Martin (Siebenpfeifer-Gymnasium Kusel), 13. Leanne Hartner (Albert-Schweitzer-Gymnasium Kaiserslautern)

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