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Grünstadt

Grünstadt: Anna Stöckl bekommt Forschungspreis

Von Kym Schober

Anna Stöckl

Anna Stöckl ( Foto: SCHOBER)

Ein kniffeliges Thema hat Anna Stöckls Doktorarbeit: Sie untersucht die visuelle Informationsverarbeitung bei bestimmten Nachfalter.

Woher ihr Interesse an Naturwissenschaften rührt, weiß Anna Stöckl noch genau: „Schon als Kind war ich sehr an der Natur interessiert. Ganz klischeehaft hatte ich viele Tierbücher und wollte Löwenforscherin in Afrika werden“, erinnert sich die 30-Jährige. Aus dem Kindheitstraum wurde so zwar nichts, aber ihre Leidenschaft für die Biologie im weiteren Sinne behielt sie bei: Aus Tierbeobachtungen wurden neurowissenschaftliche Untersuchungen, aus Afrika wurde Skandinavien und aus den Löwen wurden Insekten.

"Insekten viel zu gruselig"

„Dass ich ausgerechnet mit Insekten zu tun haben würde, hätte ich nicht gedacht, sie waren mir immer viel zu gruselig“, meint Anna Stöckl mit Blick auf ihr Hauptforschungsobjekt, den Mittleren Weinschwärmer, einen Nachtfalter. Auch wenn sie wegen der „zu vielen Beine“ anfangs skeptisch war, habe letztlich das schöne Aussehen der Falter dazu beigetragen, dass sie das Thema doch anpackte.

Infrarot und Nachtsichtgerät

Und so verbrachte die Nachwuchswissenschaftlerin Tag für Tag in fensterlosen Räumen bei Infrarotlicht mit Nachtsichtgerät und untersuchte, wieso die Falter im Dunkeln noch exakt fliegen können, auch wenn ihr Sehsystem auf gesendete, genau über Computer steuerbare Reize schon nicht mehr verlässlich reagierte. Eine echte Herausforderung: „Das ist feinste Fingerarbeit. Am Anfang musste ich lange suchen, bis ich in diesem kleinen Gehirn überhaupt die richtigen Nervenzellen gefunden habe, die ich untersuchen wollte.“ Geschick war aber nicht nur beim Einführen der Mini-Glaselektroden gefragt, sondern auch bei der Zucht und Pflege der Forschungsobjekte: „Die Weinschwärmer haben wir bereits als Puppen vom Züchter bekommen, aber das tagaktive Taubenschwänzchen habe ich selbst gezüchtet – die sind bei der Nahrung sehr anspruchsvoll.“ Kein Wunder, dass da so mancher Heimaturlaub nicht ganz unbelastet vonstatten geht: „Wenn ich bei uns zu Hause im Sommerflieder ein interessantes Exemplar entdecke, rücke ich schon mal mit dem Teichköcher aus oder ich pflücke Pflanzen am Wegesrand für meine Zucht“, erzählt Stöckl und lacht.

Forschung der Öffentlichkeit vorstellen

An so viel Leidenschaft hat sich die Familie gewöhnt, und auch Stöckls Freund ist als Fachkollege mit dem Thema vertraut – auch wenn der „nur Mistkäfer“ untersuche, wie Stöckel augenzwinkernd hinzufügt. Um auch andere für ihr Thema zu interessieren, präsentierte Stöckl ihre Arbeit in einem Aufsatz, den sie bei der Klaus-Tschira-Stiftung einreichte. Für sie naheliegend: „Die Wissenschaftskommunikation ist mittlerweile verbreitet und an vielen Universitäten sogar in der Satzung verankert“, so die frischgebackene Preisträgerin. Es sei wichtig, seine Forschung der Öffentlichkeit vorzustellen.

Insekten als Vorbild

Inzwischen ist Stöckls Arbeit auch für die (Automobil-)Industrie interessant: Insektengehirne würden angesichts ihrer bescheidenen Größe erstaunliche technische Herausforderungen meistern. „Deshalb sind sie Vorbild für die Entwicklung geeigneter Steuersysteme, etwa wenn es um autonome Fahr- oder Flugzeuge geht. Von meinem Weinschwärmer lässt sich also bei der Entwicklung von Kameras zur Steuerung selbst fahrender Autos einiges abgucken – toll, oder?“

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