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Donnerstag, 10. Januar 2019 Drucken

Eisenberg

Faszinieren Zauberer Kinder noch?

INTERVIEW: Zauberkünstler Martin Mathias über seinen Beruf – Am Samstag beim Kinder-Neujahrstreffen in Kerzenheim

Kommen mit ihrem Schatzinsel-Programm nach Kerzenheim: Martin und Tatjana Mathias.

Kommen mit ihrem Schatzinsel-Programm nach Kerzenheim: Martin und Tatjana Mathias. ( Foto: Benndorf)

«KERZENHEIM.» Beim Kinder-Neujahrsempfang am Samstag in Kerzenheim wird der Zauberkünstler Martin Mathias erwartet. Mit ihm und seiner Frau Tatjana werden sich die kleinen Besucher auf ein Segelschiff begeben und zur Schatzinsel fahren. Dabei sind einige Abenteuer zu bestehen. Wie er zum Magier wurde und ob sich die Jugend von heute von seinen Geschichten und Tricks noch beeindrucken lässt, wollte Anja Benndorf von dem 70-jährigen gebürtigen Saarländer wissen.

Herr Mathias, gab es eine Initialzündung, die Sie zum Zauberer werden ließ?

Ja, in der Klosterschule St. Wendel wurde uns das strenge Leben, bei dem wir Armut, Gehorsam und Keuschheit geloben mussten, mit einem Ein-Mann-Theater versüßt. Als Zehnjähriger war ich sehr fasziniert von den losen Eisenringen, die nach einem Zauberspruch miteinander verkettet waren, und von dem eben noch leeren schwarzen Beutel, in dem sich plötzlich ein Ei befand. Ich habe zwei Nächte nicht geschlafen und über die Tricks nachgedacht. Im einen Fall kam ich der Lösung sehr nahe, im anderen war ich auf dem Holzweg. Intensiv beschäftigte ich mich mit dem Buch „Ich lerne zaubern“ von Walter Sperling. Noch heute kenne ich jede Zeile daraus. Aber meine Auftritte als Kind waren schlecht.

Warum? Gelangen Ihnen die mühsam einstudierten Tricks nicht?

Doch, die Technik hinter den Tricks ist nicht schwierig, aber das ist längst nicht alles. Die eigentliche Zauberei geschieht heimlich und im Vordergrund steht eine parallel ausgeführte andere Handlung, die völlig überzeugend vollzogen werden muss. Darüber hinaus ist das Publikum noch zu unterhalten. Dieser Dreiklang ist die Herausforderung und verlangt viel Training.

Und dennoch entschieden Sie sich beruflich für die Zauberei?

Auf Umwegen, ja. Die Klosterschule habe ich mit der Mittleren Reife verlassen, weil ich keinesfalls Priester werden wollte. Nach dem Abitur auf dem Gymnasium in St. Wendel studierte ich und wurde Diplom-Sportlehrer. In der Freizeit spielte ich in einer Kapelle. Anfang der 1990er Jahre erinnerte ich mich wieder an die Zauberei, die dann einen immer größeren Raum in meiner Erwerbstätigkeit einnahm. 1992 ging ich erstmals zusammen mit meiner Frau Tatjana auf die Bühne. Weil sie sich nicht traute, im Rampenlicht zu reden, spielte sie damals eine Taubstumme in „Medicus“. Drei Jahre später hatten wir in Kerzenheim Premiere mit „Die Schatzinsel“, demselben Programm, das auch am Samstag zu erleben sein wird.

Was erwartet die Kinder beim Neujahrstreffen?

Als Kapitän Matty lade ich sie auf eine Schiffsreise ein, bei der sie in die Arbeiten an Bord eingebunden werden. Aber sie müssen auch manche Gefahr überstehen. Wir werden zum Beispiel von Piraten angegriffen. Wenn wir die Schatzkiste gefunden haben, fange ich an zu zaubern. Am Ende des etwa einstündigen Stücks gibt es für jedes Kind eine Überraschung.

Überraschung hin oder her: Lassen sich Kinder im heutigen multimedialen Zeitalter noch genauso von Ihrer Bühnenshow mitreißen wie vor 25 Jahren?

Das Live-Erlebnis hat einen höheren Faszinationsgrad als digitale Medien. Der direkte Kontakt reißt die Kinder nach wie vor mit. Allerdings passiert es im Gegensatz zu früher schon mal, dass sich jemand zwischendurch etwas zu Trinken holt oder ältere Zuschauer die Veranstaltung verlassen. Auch ist der Lärmpegel mitunter größer. Insgesamt kann ich aber sagen, dass ich mit meinen Zaubershows kaum Probleme habe, das Publikum für das Gebotene zu begeistern.

Sie machen es auch ganz gut. Sie sind zweifacher Deutscher Meister im Kinderzaubern.

Ja, ich habe zum Beispiel mit der Harry-Potter-Zauberschule den ersten Preis bei der Deutschen Meisterschaft bekommen. Mit demselben Programm 2003 bei der WM in Den Haag reichte es nicht für einen der vorderen Plätze.

Was gefällt Ihnen so an der Zauberei?

Es macht besonderen Spaß, etwas mit Kindern zu machen. Sie sind mein Lieblingspublikum. Und Zaubern ist absolut mein Ding! Ich bin sehr froh, dass mein jüngster Sohn Jakob, der schon mit sechs Monaten dabei war und jetzt 24 Jahre alt ist, meine Begeisterung teilt.

 

TERMIN

Neujahrstreffen für Kinder aus dem Donnersbergkreis in der Mehrzweckhalle Kerzenheim am Samstag, 12. Januar, ab 15 Uhr. |abf

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