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Freitag, 12. Oktober 2018 Drucken

Wirtschaft

Drahtzug baut Personal ab

2019 Abbau von 100 bis 120 Stellen am Pfälzer Stammsitz – Geschäftsführung: Standort ist sicher

Von Kathrin Schnurrer

Am Firmensitz der Drahtzug Holding in Altleiningen beschäftigt das Unternehmen 346 Mitarbeiter.

Am Firmensitz der Drahtzug Holding in Altleiningen beschäftigt das Unternehmen 346 Mitarbeiter. ( Foto: Paul)

«Altleiningen». Die Altleininger Drahtzug Holding GmbH & Co. KG wird im Laufe des kommenden Jahres 100 bis 120 Arbeitsplätze in der Produktion abbauen. Betroffen sind 50 Leiharbeiter und 50 bis 70 Festangestellte. Grund für den Stellenabbau ist die Verlagerung eines Teils der Produktion von Körben für Geschirrspüler ins tschechische Unicov.

Drahtzug beschäftigt in Altleiningen 346 Mitarbeiter. 215 von ihnen arbeiten in der Produktion, 50 sind Leiharbeitnehmer. Die Firma stellt im Leiningerland Körbe für Spülmaschinen her. Kunden der Firma sind unter anderem die großen Anbieter von Haushaltsgeräten, die BSH Hausgeräte GmbH und die Firma Miele. Miele produziert unter anderem in Unicov (Tschechische Republik) Geschirrspülmaschinen, schon heute liefert das Altleininger Unternehmen Körbe nach Tschechien. Künftig sollen sie direkt in Unicov hergestellt werden. Drahtzug wird deswegen dort einen neuen Standort mit 70 bis 80 Mitarbeitern eröffnen. Im ersten Quartal 2020 soll mit der direkten Belieferung des Kunden begonnen werden. Matthias Grundmann, einer von drei Geschäftsführern der Drahtzug Holding, sagt im Gespräch mit der RHEINPFALZ: „Miele hat uns gebeten, nach Tschechien zu gehen. Damit war die Fortführung der Lieferbeziehung verbunden.“ Die Produktion der Miele-Körbe in Altleiningen solle bis Ende des Jahres 2019 langsam auslaufen, so Grundmann.

Ein weiterer Punkt ist, dass ein Wettbewerber von Drahtzug ab 2019 das Miele-Werk Bielefeld mit Körben beliefert. Ein Miele-Sprecher bestätigt das: „Es wird einen anderen Zulieferer für das Werk Bielefeld geben.“ Bislang werden die Körbe in Altleiningen hergestellt.

Die Anzahl der in Unicov montierten Geschirrspüler soll sich nach Angaben des Miele-Sprechers perspektivisch auf „500.000 + X“ pro Jahr erhöhen. Das seien mindestens 50 Prozent mehr als bisher. Grundmann betont, dass die Drahtzug Holding das Gesamtvolumen in Unicov übernehme.

Die Belegschaft ist nach Angaben des Betriebsratsvorsitzenden Torsten Weigand und des Gewerkschaftssekretärs der IG Metall, Mathias Franz, schon länger darüber im Bild, dass die Produktion verlagert werde. Für diesen Monat stehen Gespräche mit der Geschäftsführung über den Personalabbau an. Weigand sagt zur Stimmung im Betrieb: „Die Leute wissen ja, dass wir die Produktion verlagern und machen sich natürlich ihre Gedanken.“ Der Standort Altleiningen als Produktionsstandort für Spülmaschinen-Körbe ist nach Angaben der Geschäftsführung gesichert. Neben Matthias Grundmann, der seit April 2017 im Unternehmen ist, gehören ihr Peter Brauer (Juni 2018) und Stefan Kükenhöhner (Juli 2018) an.

Altleiningen soll künftig als „Leitwerk“ für die Produktion von Spülmaschinenkörben für die BSH Hausgeräte GmbH dienen, zu der neben den Globalmarken Bosch, Siemens, Gaggenau und Neff auch regionale Marken gehören.

Von 2020 an soll in der Pfalz eine neue Korbgeneration für die BSH produziert werden. „Die Arbeitsplätze für die nächsten Jahre sind gesichert“, sagt Grundmann. Ziel sei es, Altleingen als Produktionsstandort für die BSH-Gruppe zu erhalten.

80 Prozent des Umsatzes macht die Holding, die derzeit mit sieben Werken in fünf Ländern vertreten ist, mit Körben für Geschirrspülmaschinen.

Neben den Hausgeräten stellt die Gruppe Drahtwaren für die Bereiche Medizin, Agrar, Automotive sowie Bad und Möbel her. Das Geschäftsfeld Bad und Möbel laufe sehr erfolgreich, sagt Grundmann: „Hier haben wir es geschafft, zum strategischen Lieferanten für einen internationalen Kunden zu werden.“ Das nutze den beiden Drahtzug-Standorten in Italien. Der Kunde ist der schwedische Einrichtungskonzern Ikea. Grundmann kündigt eine weitergehende Zusammenarbeit mit Ikea an: „Wir wollen weitere Geschäftsfelder mit Ikea in den USA lokalisieren.“

Im Geschäft mit asiatischen Unternehmen sieht die Drahtzug Holding Wachstumsmöglichkeiten. Geplant sei, auch asiatische Spülmaschinen-Hersteller als Kunden zu gewinnen, erste Kontakte mit Zielkunden in China und Korea seien geknüpft. Das könne zwei Dinge bedeuten: „Entweder, dass wir zum Kunden gehen. Oder dass wir mit dem Kunden ins Ausland gehen“, erklären die Geschäftsführer.

Das Unternehmen (vormals: Drahtzug Stein Holding) hat eine lange Tradition: Georg Stein kaufte das Unternehmen 1941, in den 1950er-Jahren begann die Produktion von Drahtartikeln als Zulieferer für die Hausgeräteindustrie. Zuletzt wurde die Holding von Wolfgang Stein und Peter Staab geführt. Der Münchner Finanzinvestor Emeram Capital Partners ist seit Ende 2016 Haupteigentümer des Drahtwarenherstellers, Stein hält nach Angaben der neuen Geschäftsführer noch einem Anteil von 10 Prozent. Drahtzug steht auf der Liste der größten rheinland-pfälzischen Produktionsunternehmen auf Platz 50: Der Umsatz der Holding lag im Geschäftsjahr 2017/18 bei 139 Millionen Euro, die Gruppe beschäftigte zum 30. Juni 1400 Mitarbeiter an sieben Standorten in Europa und den USA. Grundmann und Brauer betonen, sie hielten an Altleiningen als Firmenzentrale fest, und die Bedeutung des Standorts wachse eher: „Das Unternehmen bleibt der Pfalz treu.“

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