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Mittwoch, 09. Januar 2019 Drucken

Eisenberg

Am Ende bleibt es beim Strafbefehl

Rockenhausen: Angeklagter will am Angriff auf Anhänger des MSV Duisburg nicht teilgenommen haben

Von Joerg Schifferstein

Am Bahnhof in Imsweiler wollten sich am 22. Oktober 2018 gewaltbereite FCK-Fan mit den Anhängern des MSV Duisburg, die mit dem Regionalzug anreisten, prügeln. Es kam zu Ausschreitungen.

Am Bahnhof in Imsweiler wollten sich am 22. Oktober 2018 gewaltbereite FCK-Fan mit den Anhängern des MSV Duisburg, die mit dem Regionalzug anreisten, prügeln. Es kam zu Ausschreitungen. ( Archivfoto: Julia Hoffmann)

Als wenig glaubhaft haben Staatsanwaltschaft und das Amtsgericht die Einlassungen eines 30-Jährigen aus dem südwestlichen Landkreis Bad Dürkheim eingestuft. Der Mann soll am 22. Oktober 2018 am Angriff von gewaltbereiten FCK-Fans auf einen Regionalzug am Bahnhof Imsweiler beteiligt gewesen sein. Dazu hatten sich die Anhänger des FCK in Kaiserslautern getroffen, um die Fans des MSV Duisburg gezielt am Bahnhof in Imsweiler abzufangen und sich mit ihnen zu prügeln.

Nach knapp einer Stunde Verhandlung und zwei kurzen Beratungen mit seiner Anwältin hat der Angeklagte am Montag seinen Einspruch gegen einen Strafbefehl über 120 Tagessätze zu je 30 Euro dann allerdings zurückgenommen. Die Vernehmung der Zeugen fiel damit unter den Tisch. In der Verhandlung hatte sich der Berufssoldat zwar zu den Vorfällen in Imsweiler geäußert, aber weder die Staatsanwaltschaft noch das Gericht erachteten diese Aussagen als glaubhaft oder geeignet, den Angeklagten zu entlasten.

Schon zum Beginn der Verhandlung machte die Anwältin des Angeklagten deutlich, dass es ihrem Mandanten darum geht, das Strafmaß abzumildern. Da der 30-Jährige sich bei der Bundeswehr für acht Jahre als Zeitsoldat verpflichtet hat, muss er auch disziplinarrechtliche Konsequenzen befürchten, von einer Degradierung war am Montag im Gerichtssaal die Rede. Vor dem Wehrgericht der Bundeswehr werde er sich verantworten müssen, wenn es bei dem Strafbefehl bleiben werde, machte die Anwältin deutlich. Der Mann wollte nach eigener Aussage bei der Bundeswehr seine Karriere weiter voranbringen, Feldwebel werden und sein Fachabitur ablegen. Dies sei wegen des schwebenden Verfahrens nicht möglich. Das war auch die Begründung, warum er als einziger der Beteiligten FCK-Anhänger gegen den Strafbefehl Einspruch eingelegt hatte und seinen Fall vor Gericht verhandelt haben wollte.

Die Anwältin des Angeklagten hätte den Fall am liebsten in einem Rechtsgespräch mit dem Gericht und der Staatsanwaltschaft geklärt, dieses auch unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt, worauf sich das Gericht allerdings nicht einlassen wollte.

In seiner Aussage bestritt der Berufssoldat dann, sich an dem Angriff in Imsweiler überhaupt aktiv beteiligt zu haben. Mit den Worten: „Ich bin eigentlich ein Schisser“ unterstrich der Angeklagte gleich mehrfach während seiner Vernehmung, dass er zu feige gewesen sei, um sich an den geplanten Übergriffen auf die Duisburg-Fans zu beteiligen. Er gab an, lediglich als Fahrer teilgenommen zu haben. Laut seiner Aussage hatte ein Bekannter, der noch in Imsweiler von der Polizei verhaftet worden war, ihn zur Fahrt in die Nordpfalz überredet. Darüber geben auch Chat-Protokolle Auskunft, die dem Gericht vorlagen und die während der Verhandlung verlesen wurden. Aus ihnen geht hervor, dass sich der Angeklagte mit dem später verhafteten Mittäter in Kaiserslautern treffen wollte.

Am Opel-Kreisel kamen die gewaltbereiten FCK-Fans, die laut Gericht der Ultra-Szene zuzuordnen sein sollen, am Vormittag zusammen, um gemeinsam nach Imsweiler zu fahren. Hier stieg der Bekannte des Angeklagten in dessen Auto ein. Erst beim Eintreffen in Imsweiler, als sein Auto bereits von dunkel gekleideten Personen umringt gewesen sein soll, so dass er sich nicht mehr entfernten konnte, will der Angeklagte wirklich erkannt haben, worum es bei dem Treffen ging. Im Lauf der Vernehmung räumte er aber ein, dass er eine Sturmhaube zur Vermummung im Auto mitgeführt habe.

Als der Angriff auf die Regionalbahn, den Duisburger Fan-Pulk und die Polizisten, die diesen begleiteten, begann, habe er sich in den nahen Wald abgesetzt, gibt der Angeklagte weiterhin zu Protokoll. „Ich bin weggerannt, als mir bewusst wurde, dass ich das nicht will“, sagt er. Mittlerweile habe er mit der Szene gebrochen, lässt der 30-Jährige außerdem verlauten. Er sagt, dass er sich „in der Szene jetzt nicht mehr zeigen könne“, Angst vor Repressalien habe.

All dies wirkt wenig überzeugend auf Gericht und Staatsanwaltschaft. „Eine geständige Einlassung hört sich anders an und wegen der Chat-Protokolle sind ihre Aussagen nicht glaubwürdig“, so die Staatsanwaltschaft. Nach erneuter Beratung zieht der Angeklagte daraufhin seinen Einspruch zurück.

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