Frankenthal
Zwischen Schlauch und Schrubber: Frühjahrsputz am Hauptbahnhof
Schon beim Betreten des Hauptbahnhofs wird klar: Hier wird geputzt. Schläuche schlängeln sich über den Boden, gelbe Schilder mit der Aufschrift „Achtung Rutschgefahr“ stehen in kurzen Abständen auf dem Boden, dazwischen laufen Männer in orangefarbenen Warnwesten geschäftig hin und her. Neben einem Treppenaufgang liegt eine Kabeltrommel, an die ein Hochdruckreiniger angeschlossen ist. Es riecht nach nassem Stein und Reinigungsmittel.
Gleichzeitig wirkt am Donnerstag vieles bereits erstaunlich sauber, als die RHEINPFALZ zum offiziellen Auftakt des Frühjahrsputzes der Deutschen Bahn (DB) in Frankenthal eingeladen ist. An mehreren Stellen glänzen die Böden bereits. „Wir sind schon seit gestern hier“, erklärt die DB-Bahnhofsmanagerin Kathrin Behsler. Für Anlagen wie den Frankenthaler Hauptbahnhof brauche man für eine gründliche Reinigung etwa zwei bis drei Tage, erläutert sie. Der heutige Termin ist also eher ein sichtbarer Höhepunkt einer Aktion, die längst läuft und die auch am Haltepunkt Süd durchgeführt wird.
Oberbürgermeister Nicolas Meyer (FWG) bleibt am Haupteingang stehen und blickt nach oben. „Die Decke sieht schon sehr gut aus, da waren überall Spinnenweben“, sagt er anerkennend. Dann wandert sein Blick weiter zu einer Verkleidung. Dunkle Striemen ziehen sich über die ehemals weiße Fläche. „Wird das auch noch gemacht?“, fragt Meyer und deutet nach oben. Behsler zögert kurz. „Heute nicht“, sagt sie und ergänzt: „Aber ich nehme das mit.“ Ein Satz, der zeigt, dass auch beim groß angelegten Frühjahrsputz noch genug zu tun bleibt.
Zentrale Drehscheibe
Für den OB ist die Aktion mehr als nur Kosmetik. „Ich freue mich, dass Frankenthal mit in das Frühjahrsputz-Programm der Bahn aufgenommen wurde“, sagt Meyer. Der Hauptbahnhof sei für die Stadt eine zentrale Drehscheibe. Rund 23.000 Menschen pendelten in Frankenthal täglich ein und aus. Darunter viele mit dem Zug.
Auch für die Deutsche Bahn ist das Erscheinungsbild entscheidend. „Der Bahnhof ist immer auch Teil der Kommune“, sagt Stefan Schwinn, Leiter des DB-Regionalbereichs Mitte. Umso wichtiger sei die Zusammenarbeit mit der Stadt, und die funktioniere in Frankenthal sehr gut. Ziel der Intensivreinigung sei es, einen „Sauberkeitsvorrat“ zu schaffen, so Schwinn. „Künftig sollen die Reinigungsintervalle dauerhaft erhöht werden“, kündigt er an.
Wie aufwendig das ist, zeigt sich beim Rundgang. Erste Station ist der Haupteingang, wo blaue Fahnen mit der Aufschrift „Sorry Schmutz: Frühjahrsputz“ im Wind flattern. Auf dem Boden sind deutliche Streifen des Hochdruckreinigers zu sehen. Kaugummis zu entfernen, sei besonders mühsam, erklärt Behsler. Deshalb werde mit einer Steinschleifmaschine nachgearbeitet. Danach verschwinden sichtbar auch die letzten Spuren. „Wir sind gerne da“, sagt ein Mitarbeiter, als Meyer und Behsler sich bedanken.
In der Unterführung arbeitet ein weiteres Team. Während ein Mitarbeiter Boden und Wände mit einem Hochdruckreiniger säubert, fährt ein Kollege mit der Steinmaschine nach. Ein feiner Wassernebel liegt in der Luft, die Warnschilder mahnen zur Vorsicht. Schritt für Schritt verwandelt sich der zuvor dunkle, verschmutzte Bereich in eine deutlich hellere Passage.
Weiter geht es zum Prestigeprojekt der Stadt, dem Fahrradturm. Zwar steht er auf Bahngelände, finanziert wird der rund 1,3 Millionen Euro teure Bau aber fast zu 100 Prozent vom Land: 1,25 Millionen zahlt das Land, der Rest die Stadt. Meyer wirbt für den Turm. 96 Fahrräder finden hier Platz, 25 Cent kostet die Stunde, bei einem Euro ist der Preis gedeckelt, auch wenn das Rad länger als vier Stunden steht.
„Aufwand hat sich erhöht“
Doch nicht überall glänzt es bereits. Nur ein paar Schritte vom Fahrradturm entfernt: Neben dem Zugang zu den Gleisen liegen Trinkpäckchen, Glasflaschen, Müllsäcke und alte Kartons im Gebüsch. „Das wird noch beseitigt“, sichert Behsler zu. Am Bahnsteig zeigt sich ein weiteres Problem. Ein ehemaliger Verkaufsstand, seit Jahren ungenutzt, die alte weiße Wand vollgesprüht mit Graffiti. Zwei Arbeiter entfernen gerade die beschädigte Verkleidung, eine neue Pressspanwand steht bereit. Noch am Vormittag wird sie angebracht und in Weiß und Grau gestrichen.
Insgesamt sind 16 Personen im Einsatz, darunter zwölf Reinigungskräfte und vier externe Handwerker. Der Aufwand habe sich in den vergangenen Jahren „deutlich erhöht, da mehr Menschen auf der Schiene unterwegs sind“, berichtet Behsler. Die Kosten für die aktuelle Aktion liegen bei rund 20.000 Euro, hinzu kommen jährlich etwa 36.000 Euro für die reguläre Reinigung.
„Achtet auf fremdes Eigentum“, richtet sie einen klaren Appell an die Reisenden. Besonders ärgern sie Zigarettenstummel auf dem Boden „obwohl der Bahnhof eigentlich rauchfrei ist und es ausgewiesene Bereiche mit Aschenbechern gibt“. Wie lange der jetzige Zustand halte? „Darauf möchte ich keine Wetten abschließen“, sagt Behsler.
Unterstützt werden die Maßnahmen künftig durch mobile Reinigungsteams, die Bahnhöfe regelmäßig kontrollieren. Frankenthal steht laut DB für dieses Jahr fest auf der Liste und wird wöchentlich angefahren. Auch technisch wurde aufgerüstet: Seit 2025 gibt es eine moderne Videoüberwachung.
Am Ende des Rundgangs zieht OB Nicolas Meyer ein positives Fazit: „Die Putzaktion tut dem Bahnhof richtig gut.“ Es gehe darum zu zeigen, „was wir machen“ und darum, gemeinsam Lösungen zu finden. „Ich möchte nicht mit dem Finger auf die Bahn zeigen“, sagt er. Stattdessen setze er auf Zusammenarbeit. Oder, wie es an diesem Vormittag sichtbar wird: auf viele Hände, Wasser, Werkzeug, Wandfarbe – und die Hoffnung, dass es möglichst lange sauber bleibt.