Laumersheim
Winzeredition: Im Knipser-Fass reift sächsischer Whisky
„VDP-Weingut Knipser lässt Hochprozentiges in seine Fässer.“ Unter diesem Titel steht am Montagmorgen im Betrieb von Stephan, Volker und Werner Knipser in Laumersheim ein Verkostungstermin, der besonders ist – und das nicht nur wegen der Tageszeit, zu der im Hof in kleiner Runde Alkohol ausgeschenkt wird. Jörg Hans und Thomas Michalski sind aus Dresden angereist, um der Laumersheimer Winzerfamilie den Whisky zu überbringen, für den diese einige ihrer gebrauchten Weinfässer hergegeben hat.
In Barriques, in denen Spätburgunder aus der hochwertigen Laumersheimer Weinlage Kirschgarten ausgebaut wurde, hat ein Single Malt Whisky mit dem Namen Hellinger 42 nach der ersten Reife im Bourbonfass seinen zusätzlichen Reifeprozess, sein „Finish“, durchlaufen. 2400 nummerierte Flaschen dieses außerordentlich milden, fruchtigen Whiskys mit Rotweinaromen hat die Dresdner Whisky Manufaktur jetzt zum Preis von 79 Euro auf den Markt gebracht. Und das wird im Johannishof der Knipsers gefeiert.
Mehr aus Laumersheim und der Region
Laumersheim: Großprojekt für Solarpark stößt auf Hürden
Neueröffnung: Frankenthaler Restaurant bringt ein Stück Apulien in die Stadt
Strohhutfest in Frankenthal: Neuer Button leuchtet in knalligen Farben
Name Knipser auf Etikett
Stephan Knipser ist begeistert vom Ergebnis der Kooperation, auf die er sich nicht leichtfertig eingelassen hat. Schließlich gibt der Betrieb auf dem Etikett der Single-Malt-Flaschen seinen guten Namen her. „Ich habe vorher was von der Manufaktur probiert und finde, die machen einen super Whisky“, sagt Knipser, dessen Rotweinfässer für die Whiskyproduktion schon öfter den Weg nach Schottland genommen haben.
Das Weingut belegt ein neues Eichenfass höchstens zweimal mit Kirschgarten-Spätburgunder. Danach wird es noch ein paar Jahre für andere Weine verwendet und irgendwann ausgemustert. Dann verwandelt es sich beispielsweise in der Schreinerei Fuder in Schneideblöcke für die Küche. Stephan Knipser sieht in der Nutzung der Fässer für ein weiteres alkoholisches Genussmittel einen besonderen Ausdruck von Nachhaltigkeit.
Hellinger 42 heißt die Marke
Die 2019 im Dresdner Alberthafen nach schottischem Vorbild gegründete Brennerei ist nach eigenen Angaben Deutschlands größte Whiskydestillerie. Von ihrer Marke Hellinger 42 gibt es fünf Produkte: von hell und fruchtig über rauchig und vollmundig bis zu torfig. Verantwortlich für die Qualität sind Jörg Hans als Brennmeister und Geschäftsführer sowie Thomas Michalski als Blendmaster. Die beiden haben sich unter Whiskykennern ein gewisses Renommee erarbeitet, räumen aber ein, dass es in Deutschland besondere Ideen braucht, um als Destillerie auf sich aufmerksam zu machen.
Eine erfolgreiche Idee war die Winzeredition „Sächsische Weinstraße“. Sieben Winzer hatten nacheinander ihre Fässer zur Whisky-Nachreifung in die Hände von Thomas Michalski gegeben. Die Edition mit siebenmal 800 Flaschen erfuhr eine große Nachfrage und ist ausverkauft. Doch viel mehr Winzer mit Eichenfässern, in denen erstklassiger Wein gereift ist, gibt es in dem kleinen Anbaugebiet nicht. So erzählt es Jörg Hans und erklärt, warum für Hellinger 42 jetzt Kooperationen mit renommierten Weinbauern für die „Deutsche Winzeredition“ gesucht werden.
Um an die Firma Knipser als erstem pfälzischen Partner heranzukommen, habe es der Vermittlung durch Markus Eder von der Küferei Wilhelm Eder bedurft, verraten die beiden Sachsen. Der Bad Dürkheimer Handwerksbetrieb produziert, überholt und entsorgt Holzfässer und ist daher mit Knipsers gut bekannt. Er ermutigte die Pfälzer, sich das Projekt näher anzuschauen.
Fässer – eine Wissenschaft für sich
Barrique-Wein und Whisky – die beiden Produkte haben manches gemeinsam, und im Gespräch mit den drei Vertretern dieser Branchen wird deutlich, dass der Gebrauch und die Bedeutung der teuren Fässer eine Wissenschaft für sich ist. „Amerikanische Eiche erzeugt im Gegensatz zur europäischen ein Kokosaroma“, heißt es da beispielsweise.
Manches wiederum unterscheidet sich stark. „Zwei Jahre im Fass plus zwei bis drei Jahre in der Flasche“, so beschreibt der Laumersheimer Winzer die Zeit, die es mindestens braucht, bis ein Knipser-Wein auf den Markt darf. Ein Whisky dagegen reift nicht mehr, wenn er einmal abgefüllt ist. „Bei Wein ist das Terroir ganz wichtig“, sagt Blendmaster Michalski und meint den Einfluss von Klima, Boden und Landschaft auf das Produkt. Das sei beim Whisky wiederum unerheblich.
„70 Prozent des Geschmacks kommt allein vom Fass, die restlichen 30 Prozent verteilen sich auf Gerste, Hefe oder Wissen des Brennmeisters“, sagt Michalski und räumt auf Nachfrage mit dem Mythos auf, dass die Lagerung von Whiskyfässern in salziger Seeluft ein besonderes Aroma erzeugt. „Aber die Lagerung an sich macht ganz viel aus“, sagt Jörg Hans und berichtet vom gescheiterten Experiment eines „Elbe-Whiskys“. Der Inhalt der Fässer, die auf dem Schiff mitfuhren, sei viel zu viel in Bewegung gewesen und dadurch extrem schnell gereift. Er war nicht mehr zu gebrauchen.

Dürfen wir nachschenken?
Was sind die Trends der Weinszene? Welche Neuigkeiten gibt es von den Weingütern in der Region? Was ist Naturwein? Wie arbeitet ein Kellermeister? Und wo stehen Weinautomaten in der Pfalz? In unserem kostenlosen Newsletter „Entkorkt" liefern wir alle zwei Wochen Weinwissen für Pfälzer Weinliebhaber.
Wer nicht lesen will, kann hören: Sie wollten schon immer wissen, wie man die vielen Flaschen Wein, die man zu Hause hat, am besten lagert? Oder welche Unterschiede es zwischen verschiedenen Rebsorten gibt? Dann sind Sie hier genau richtig: In unserem kostenlosen Podcast "Wissensdurst" löchern Vanessa Betz und Rebecca Singer die Weinexpertin Janina Huber mit Fragen rund um das Thema Wein.


