Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Wenn zwei Frankenthaler Künstler gemeinsame Sache machen

Fototermin mit Fritzi Haußmann und Hardy Müller beim Kleintierzuchtverein „Zum Hasenbock“.
Fototermin mit Fritzi Haußmann und Hardy Müller beim Kleintierzuchtverein »Zum Hasenbock«.

Die Frankenthalerin Künstlerin Fritzi Haußmann und der ebenfalls in Frankenthal lebende Fotograf Hardy Müller arbeiten an ihrem Werkkatalog zusammen.

Die Frankenthalerin Fritzi Haußmann ist aktuell einer der Shooting-Stars der rheinland-pfälzischen Kunstszene. Ihre Installationen sorgen spätestens seit Anfang 2020 für enormes Aufsehen, 2021 gewann Haußmann als Hauptpreisträgerin den Pfalzpreis, Ausstellungen in der Kunsthalle Mannheim, dem Willhelm Hack-Museum, der Pfalzgalerie Kaiserslautern sowie in der ehemaligen Synagoge in Walldorf folgten, im Kunstverein Marburg reüssierte sie mit ihrer Ausstellung „tube drawings“ , auch ihre Installation „Zwischenmensch“ in der Friedenskirche in Ludwigshafen hat im vergangenen Jahr beeindruckende Resonanzen hervorgerufen. Der ebenfalls in Frankenthal lebende, in Ludwigshafen geborene Fotograf Hardy Müller (Stern, National Geographic, Merian) hat Hausmann die vergangenen Jahre begleitet und die Bilder für ihren nun erschienenen Werkkatalog „tube drawings“ gestaltet.

„Komm, wir bleiben für das Foto hier bei den Gänsen. Das hat was“. Sagt einer, der es wissen muss. Hardy Müller hat (zum Zeitpunkt des Interviews) gerade eine Fotostrecke aus Portugal im „Stern“ und eine kulinarische Städtereportage über Rotterdam in „Essen und Trinken“ am Laufen, fotografiert außerdem seit Jahr und Tag für die „Zeit“, dem „National Geographic“ oder „Geo“, fliegt dafür in der Weltgeschichte rum und wohnt ansonsten in Frankenthal.

Für reichlich Aufsehen gesorgt

Genau wie Fritzi Haußmann, die für ihre Kunst zwar (noch) nicht in der Weltgeschichte rumfliegt, aber in Mannheim ihr Atelier hat, in den letzten Jahren mit ihren „tube installationen“ fast aus dem Nichts für reichlich Aufsehen gesorgt hat - wobei ein Ende alles andere als in Sicht ist. Und wo trifft man sich mit zwei Frankenthaler bildenden Künstlern aus der oberen Liga? Richtig, beim Kleintierzuchtverein „Zum Hasenbock“. Mit ausreichend Federvieh als Fotohintergrund und genau dem richtigen Schuss Bodenständigkeit für den Umgebungscharme.

Obwohl der Grund für das Treffen mit Bodenständigkeit nicht wirklich korrekt umschrieben ist. Fritzi Haußmanns Installationen verdienen eher- allein schon aufgrund ihrer Größe- das Wort „monumental“, ihre Werke wirken wie überdimensionale Tuschezeichnungen in einem Raum, lebend von der Dynamik und ihrer suggestiven Intensität. Und auch das dafür verwendete Rohmaterial – vorwiegend bestehend aus ausrangierten Fahrradschläuchen, zusammengenäht, ausgeweidet- hat jetzt auch nicht so wahnsinnig viel mit Bodenständigkeit gemein.

Viel Kraft

Fritzi Haußmann benutzt für ihre Installationen vorwiegend Materialien, die aus dem „Verwertungskreislauf gefallen sind, was eigentlich entsorgt werden müsste. Und die verarbeite ich dann in einem anderen Kontext.“ In Haußmanns Fall bedeutet das, dass sie unzählige gebrauchte Fahrradschläuche mit einer Industriemaschine vernäht und auch schon mal mit Bauarbeitern ein tonnenschweres Hochstraßennetz von der Ludwigshafener Hochstraße abmacht, dieses dann aufwendig reinigt und für eine Installation verwendet. Und genau das ist es, was dann wiederum den Fotografen Müller beim ersten Betrachten von Haußmanns Kunst am meisten beeindruckt hat. „Eine Freundin von ihr hat mir Bilder gezeigt. Fritzi war da gar nicht anwesend. Normalerweise interessiert mich sowas mal überhaupt nicht. Aber das hatte so viel Kraft und war so anders, als alles, was ich gesehen habe, dass ich ihr ausrichten ließ, ich würde sofort für sie fotografieren.“

Als Haußmann den Pfalzpreis bekam, hatte Müller dann seinen ersten Einsatz. Zu beiderseitigen Zufriedenheit, denn von da ab begleitete er nahezu jede ihrer Ausstellungen. Und die waren nicht gerade wenig, denn Haußmann avancierte mehr und mehr zu einem Geheimtipp. „Ich brauche jemand, der meine Arbeiten mit dem gleichen Grundverständnis wie ich festhält und auch noch technisch in der Lage ist, dass umzusetzen. Und dafür waren Hardy und ich absolut auf einer Wellenlänge,“ erläutert die Künstlerin.

Gute Dokumentation

Allein für den Aufbau einer Installation plane sie vor Ort mindestens eine Woche ein, zuvor werden Ideen per Skizzenheft und Modell entwickelt. Erst danach werden in ihrem Atelier Probeaufbauten getätigt. Und das alles nur für einen zeitlich begrenzten Rahmen „Bei mir ist es ja so, dass meine Installationen anders als bei einem Bild oder fertigem Objekt Arbeiten sind, die sich auf den Raum beziehen, an den Gegebenheiten, die dieser bietet, also tatsächlich dreidimensionale Raumzeichnungen. Und danach verschwinden sie wieder. Das ist kein Bild oder Objekt, dass man irgendwo ab- und woanders wieder aufhängt. Insofern ist es für mich wichtig, dass die gut dokumentiert sind, weil sie nie wieder so in Erscheinungen treten werden, selbst wenn man das anderswo wiederholen wollte.“ Beide hatten dann auch schnell die Idee, in die Fotos für den Werkkatalog Menschen zu integrieren, was besonders eindrucksvoll geraten ist. „Neben den Größenverhältnissen war es mir wichtig, zu zeigen, dass man sich in meinen Installationen bewegen, dass der Besucher diese aus verschiedenen Perspektiven wahrnehmen kann, somit auch Teil der Installation wird.“ Haußmann integriert in ihre Kunst auch Tanzperformance- hat aus ihrem Material tragbare Objekte genäht, die bei einer Vernissage von den Tänzern bewegt und dann abgelegt werden und Teil der Installation bleiben.

„Ich bin nicht nett, sondern schlau“

Welchen Stellenwert Haußmann mittlerweile hat, lässt sich auch daran ersehen, dass ihr Katalog nicht nur von der Stadt Mannheim gefördert wurde, sondern das Vorwort auch von Sebastian Baden, dem Direktor der Schirn Kunsthalle Frankfurt verfasst wurde.

„Das ist schon eine Ehre“, bekundet sie dann auch. Genau deswegen habe er sich auch ausbedungen, von Fritzi Haußmann nur mit ihren Werken bezahlt zu werden, so Müller, was diese wiederum sehr nett findet.

„Ich bin nicht nett, sondern schlau“, sagt Hardy Müller daraufhin, „meine Kinder werden mir mal dankbar sein, denn deren Wert wird ihre Rente sichern“.

Info

Der Werkkatalog „tube drawings“ kann man unter https://fritzi-haussmann.de/ bestellen.

Installation „Zwischenmensch“ von Fritzi Haußmann in der Friedenskirche in Ludwigshafen.
Installation »Zwischenmensch« von Fritzi Haußmann in der Friedenskirche in Ludwigshafen.
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