Kleinniedesheim
Wenn die Wirtschaftsprüfer eine deutlich höhere Rechnung stellen als abgemacht
Ewald Merkel (FWG), Ortsbürgermeister von Kleinniedesheim, liegt eine Rechnung der Wirtschaftsprüfer Schüllermann und Partner für den Jahresabschluss 2016 der Ortsgemeinde vor. Er sollte sie als richtig abzeichnen und die Bezahlung freigeben. „Ich war mehr als erschrocken über die Höhe, das ist fast das Sechsfache des ursprünglichen Angebots“, sagte Merkel in der jüngsten Sitzung des Kleinniedesheimer Gemeinderats. Er habe zuvor weder ein zweites, vom ursprünglichen Betrag abweichendes Angebot noch nähere Informationen zu den massiven Mehrkosten erhalten.
Im Jahr 2014 hatte die Verwaltung der neu gegründeten Verbandsgemeinde (VG) Lambsheim-Heßheim angeregt, dass alle sechs Ortsgemeinden die Prüfung ihrer Jahresabschlüsse an das Fachbüro Schüllermann und Partner übertragen. Dafür sollten pauschal und pro Abschluss Kosten von 2180 Euro anfallen. Dann sorgten die Folgen einer missglückten Softwareumstellung für große Probleme bei der Erstellung der Jahresrechnungen. Bis heute wurden nur die ersten zwei Jahre nach der Fusion abgerechnet und geprüft. Auf der Kleinniedesheimer Rechnung für den Jahresabschluss 2016 stehen laut Ewald Merkel jetzt knapp 11.500 Euro. Die Mehrkosten sollen „unter anderem aufgrund zeitlicher Verzögerung der Jahresabschlusserstellung sowie umfangreicher Korrekturen des Rechenschaftsberichts“ entstanden sein.
Arbeiten der Verwaltung übernommen?
Willi Boxheimer (CDU), Erster Beigeordneter der VG, nannte einen Grund für die höheren Kosten. Er habe gehört, dass Schüllermann und Partner Arbeiten übernommen hätten, für die es in der VG-Verwaltung keine oder keine qualifizierten Mitarbeiter gegeben habe. Er riet dazu, die Rechnung erst einmal zurückzugeben. „Alle Ortsgemeinden haben das gleiche Problem“, sagte Boxheimer. „Heuchelheim hat allerdings eine niedrigere Rechnung erhalten“, ergänzte Ewald Merkel und bat um Stellungnahmen aus den beiden Ratsfraktionen.
Engelbert Pauls (SPD) war dafür, mit der Verwaltung zu sprechen. „Wir sind der Meinung, das ist nicht korrekt“, sagte er, Mehrarbeit für den Jahresabschluss sollte nicht aus der Kleinniedesheimer Schatulle bezahlt werden. Gunter Jung (FWG) stimmte ihm zu und ergänzte: „Es kann nicht angehen, dass die Verwaltung Personal von auswärts bestellt und uns in Rechnung stellt.“
Der Gemeinderat beschloss, die Verwaltung solle die Rechnung prüfen, ein klärendes Gespräch anbieten und eine schriftliche Stellungnahme vorlegen. Zudem forderte der Bürgermeister, dass künftig bei Jahresabschlussgesprächen die Ortsgemeinde hinzugezogen wird. Merkel: „Es kann nicht sein, dass ein Beratungsbüro die komplette Arbeit der Verwaltung übernimmt.“