Frankenthal Weg von der Genickstarre

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„Es werden nirgendwo so wenige Tonarten gespielt wie in der Klassik: Dur, Moll, und alles andere ist schon exotisch“, sagt Johannes Pardall. Er ist deshalb ganz froh, dass er musikalisch schon etwas über den Tellerrand der reinen Klassik geblickt hat. Diese Haltung will er auch in die Kammermusikreihe im Sturmfeder’schen Schloss in Dirmstein einbringen, deren Leitung er mit Markus Munzinger diese Saison übernommen hat.

Nachdem Tilla Basurco aus Altersgründen die Konzerte nicht mehr organisieren mochte, suchte sie jüngere Nachfolger für diese Aufgabe. Gefunden hat sie den Bratschisten Johannes Pardall und Schlagwerker Markus Munzinger, die schon in vielen Konzerten mit der Veranstalterin und deren Konzertbüro Basurconcerts zusammengearbeitet. Beim ersten Konzert in diesem Jahr haben sich die beiden schon vorgestellt (wir berichteten). Für sie ist Dirmstein ein Heimspiel: Markus Munzinger stammt aus dem Ort, Johannes Pardall aus Frankenthal, beide gingen in Frankenthal zur Schule, inzwischen leben sie in Kaiserslautern, sind Profimusiker, mit dem Schwerpunkt klassische, oder – wie es die Gema nennt – ernste Musik. Natürlich soll es auch weiterhin Spezialitäten für die Klassikfreunde geben. Doch auch interessante Genre übergreifende Musik. „Als ich in Köln war, habe ich ziemlich viele verschiedene Sachen gemacht“, sagt Pardall im Gespräch. Von 1994 bis 1997 studierte der Künstler dort Musikwissenschaft und Romanistik – und machte in seiner Freizeit mit allen möglichen Leuten Musik, nicht nur Kollegen aus der Klassik. Er habe Geige, Bratsche, aber auch folkloristische Instrumente wie Tin Whistle und Akkordeon gespielt und in verschiedenen Bands mitgemacht. Zudem habe er einen Onkel, der sich dem Free Jazz widmet. Jazz im Allgemeinen findet Pardall überhaupt sehr spannend. Und er weiß, dass entgegen dem Klischee, wonach Jazzer einfach „aus dem Bauch“ spielen, zum Jazz ein enormes Wissen an Harmonielehre und Tonleitern dazu gehört. Man muss mindestens alle Kirchentonarten beherrschen, dann gibt es noch besonders vertrackte Tonleitern, die daraus abgeleitet werden. „Für die meisten Klassiker wäre es unmöglich, aus dem Stand in solchen Tonleitern zu improvisieren“, sagt Pardall, „das gehört einfach nicht zu ihrer Ausbildung“. Selbst an Stellen, an denen früher freie Improvisationen vorgesehen waren, wie etwa der Kadenz zum Schluss eines Barockkonzerts, greifen die meisten Klassiker auf ein ausnotiertes Solo zurück, erzählt der Musiker. Das habe aber auch zur Folge, dass manche „Klassiker“ wie hypnotisiert auf ihre Noten starren – „bis zur Genickstarre“, wie Pardall schmunzelnd erzählt. Ihm selbst haben die Ausflüge in den Jazz viel gebracht. Sein Klang sei besser geworden, das Spiel beweglicher und freier. Während seiner Zeit in Köln spielte er auch mit Sinti-Musikern, traf Hip-Hopper und spielte Folkmusik. „Ich wollte aus dem klassischen Curriculum raus“, erklärt Pardall seine Experimentierfreude. Dahinter steckt eine einfache Überzeugung: „Gute Musik gibt es überall.“ Markus Munzinger wird Pardall bei der Planung und Organisation der Kammerkonzerte im Sturmfeder’schen Schloss unterstützen. Der in Dirmstein aufgewachsene Musiker ist studierter Schlagwerker. Pardall und Munzinger kennen sich von ihrer gemeinsamen Arbeit in Kaiserslautern beim Orchester des Pfalztheaters. „Wir ergänzen uns gegenseitig, tauschen uns aus und entwickeln Ideen“, erklären Pardall und Munzinger dazu übereinstimmend.

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