Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel „Was gebe ich in die Welt?“: Kinder- und Jugendbuchautorin: Annette Mierswa liest aus „Scherbenpalast“

Über viele Umwege zur Kinder- und Jugendbuchautorin: Annette Mierswa stellte sich am Freitag beim Festival „Lesen.Hören“ im Stud
Über viele Umwege zur Kinder- und Jugendbuchautorin: Annette Mierswa stellte sich am Freitag beim Festival »Lesen.Hören« im Studio Feuerwache dem Urteil und den Fragen eines jungen Publikums.

Das Mannheimer Literaturfestival „Lesen.Hören“ ist auch ein Event für Kinder- und Jugendliche.

Lou ist sauer. Und nicht nur das. Ihr Leben liegt in Trümmern. So zumindest fühlt sich das für die 15-jährige Hamburgerin an, als ihre Eltern verkünden, dass sie umziehen: nach Mannheim. Mit dem Roman „Scherbenpalast“ erzählt Annette Mierswa bei „Lesen.Hören“ von Wurzeln, Identität und Neuanfängen. Einst nahm die Jugendbuchautorin den umgekehrten Weg auf sich – und zog von den Quadraten in den Norden.

Annette Mierswa kennt ihre Heimatstadt. Als Schülerin besuchte sie das Bach-Gymnasium in Neckarau, ging im Stollenwörthweiher schwimmen, lebte nach dem Auszug aus dem Elternhaus in den H- und J-Quadraten und war beim Schnawwl, der Kinder- und Jugendsparte des Nationaltheaters, aktiv. Fast so, wie sie es nun auch ihre Protagonistin durchleben lässt. Doch ihre Figur ist kein Alter Ego, für Lou kommt das Eintauchen in die Quadratestadt absolut unfreiwillig und wie aus dem Nichts. Die Autorin gibt ihren jungen Hörer vor ihrer Lesung im Studio Feuerwache daher einen Warnhinweis. „Wundert euch nicht, wenn manchmal von kack Mannheim die Rede ist.“

Auf kack Mannheim hat Lou erst mal gar keinen Bock

Denn für Lou ist erstmal alles Mist! In Hamburg hatte sie Freunde, war in einer Theater-AG fest integriert und ein bisschen in einen jungen Kollegen verschossen. Da soll mit einem Schlag, mit dem Zuschlagen der Autotür des Umzugswagens alles abrupt enden. Lou verbarrikadiert sich, hört laut Musik (am liebsten „Zombie“ von The Cranberries oder auch Ikkimel, um zu provozieren). Auf den Umzug, auf kack Mannheim hat sie so gar kein Bock. Obwohl das neue Haus samt Garten ja ganz schön ist.

Auf den Deal ihrer Mutter, es mal ein Jahr zu probieren, geht sie dankend ein. Fast aus Protest freundet sie sich mit der künstlerische Nachbarin Freya an, die ihre Mutter unheimlich findet. Die ältere Dame baut in ihrem Garten ein Haus aus Scherben und Muscheln, ähnlich wie der „Palais ideal“ in Südfrankreich, geschaffen von einem Postboten, der den Tod seiner Frau und Tochter verarbeitete.

Zurück nach Hamburg? Will Lou das überhaupt noch?

Die Dame und ihre Geschichten ziehen sie magisch an. Und auch in ihrer neuen Schulklasse wird sie in ein neues Leben hineingezogen. Ob sie will oder nicht. Mehr und mehr strahlt auch in Mannheim die Sonne. Freundin, Jungs, Baden am Stollen, in Lou entfacht das eine neue Begeisterung. Etwa für die Umweltaktivistin Julia Butterfly Hill, die in Kalifornien Ende der 1990er zwei Jahre auf einem Mammutbaum lebte, um ihn vor dem Abholzen zu retten. Und auch sie scheint Wurzeln zu schlagen, kommt mit dem verhassten Umzug zurecht. Bis ihre Mutter sie aufs Neue konfrontiert. Sie könnten wieder zurück, nach Hamburg. Aber will Lou noch?

Wie die Geschichte endet, lässt Mierswa offen. Sie selbst nahm auf ihrem beruflichen Weg nicht nur Umzüge, sondern auch Umleitungen in Kauf. Sie studierte Kunstpädagogik, absolvierte eine Ausbildung als Kameraassistentin. „Ich war für die Schärfe zuständig“, sagt sie. Doch ihre fehlte die Würze. „Ich hatte kein Mitspracherecht bei den Inhalten“, erklärt sie den Schülern, die es sich auf Kissen vor einem Setting mit Couch, Zimmerpflanzen und Kamin-Attrappe bequem machen. Ihr fehlte die Bedeutung, das Feuer - und sie stellte sich die große Frage: „Was gebe ich in die Welt?“

Die Geburt der Söhne veränderte ihre Welt

Mierswa begann zu schreiben, zunächst Drehbücher. Zusätzlich absolvierte sie eine Ausbildung zur psychologischen Beraterin sowie Poesie- und Bibliotherapeutin. Durch die Geburt ihre beiden Söhne veränderte sich ihre Welt. „Das kam einfach so auf mich zu“, sagt sie über ihre ersten Kinderbücher. Ihr Erstlingswerk „Lola auf der Erbse“ wurde sogar verfilmt. Als die Jungs älter wurden, schrieb sie Jugendbücher wie „Instagirl“. „Aber das ist für euch schon fast alt, da kam noch Facebook drin vor“, sagt sie augenzwinkernd und beantwortet gerne die Fragen der Schüler. Nur, wie die Geschichte endet, ob Lou nun in Mannheim bleibt oder zurück nach Hamburg geht, will sie nicht verraten.

Noch Fragen?

Das Mannheimer Literaturfestival „Lesen.Hören“ ist auch ein Event für Kinder- und Jugendliche, für die ganze Familie. Noch bis zum 8. März gibt es Kinderkonzerte und Lesungen. Weitere Infos unter www.altefeuerwache.com.

Mehr zum Thema
x