Lambsheim RHEINPFALZ Plus Artikel Warum seit Samstag bei Lambsheim ein weißes Fahrrad in der Landschaft steht

Erinnerung und Mahnung: das Ghostbike an der Unglücksstelle.
Erinnerung und Mahnung: das Ghostbike an der Unglücksstelle.

Seit Samstag steht ein weißes Fahrrad an der Einmündung der Westumgehung auf die L522. Das Ghostbike erinnert an einen tödlich verunglückten Radfahrer. Und es soll mahnen.

Es passierte am 2. September 2024. Der 69-jährige promovierte Verfahrenstechniker Sebastian Zeck war auf dem Fahrradweg entlang der L522 von Weisenheim am Sand nach Lambsheim unterwegs. Es war die „Hausstrecke“ des Freinsheimers, eines „sehr vorsichtigen Radfahrers“, wie sein Freund Gerhard Müller noch ein paar Tage vor der Ghostbike-Aktion gesagt hatte. Müller war der Initiator des Mahnmals und Organisator der Aktion und ist selbst kurz vor der Aufstellung des Ghostbikes verstorben.

Auf der L522 herrscht normalerweise nicht viel Verkehr. Doch im Spätsommer 2024 war das anders. Der Kreisel an der Kreuzung L522/K24 am nördlichen Ortseingang war gesperrt, eine Umleitung führte über die Weisenheimer Straße – eher ein landwirtschaftlicher Weg denn eine Straße. Am 2. September kam ein Lkw aus dem Gewerbegebiet, wollte rechts in die Umleitung einbiegen und musste weit bis auf die Gegenfahrbahn ausscheren. Zeitgleich näherte sich der Radfahrer. Es kam zur Kollision. Sebastian Zeck erlitt eine Kopfverletzung und verstarb noch am Unfallort.

Rund 50 Teilnehmer

„Eine Verkettung unglücklicher Umstände“, nannte der Lambsheimer Ortsbeigeordnete Klaus-Peter Spohn-Logé (Grüne) am Samstag den Unfall. Auch Gerhard Müller hatte noch im März gegenüber der RHEINPFALZ erklärt: „Unfall ist Unfall, über eine Schuldfrage wollen wir nicht spekulieren.“ Es gelte einzig, „des toten Radfahrers zu gedenken und an dieser Stelle auf die Gefahr aufmerksam zu machen“.

Und das haben sie nun getan. Rund 50 Menschen, Lebensgefährtin, Tochter, Verwandte, Freunde, Kollegen, Sympathisanten und Radfahrer marschierten mit dem ausgedienten, weiß angemalten Fahrrad vom Lambsheimer Bahnhof zur Unfallstelle. Dort ketteten sie das Rad an einem Baum auf einer Verkehrsinsel gegenüber dem eigentlichen Unglücksort an.

Das von Sebastian Zecks Lebensgefährtin Karin Nissen gestaltete Schild erinnert an „einen 69-jährigen Radfahrer“. Ganz bewusst habe sie den Namen weggelassen, sagt Nissen, denn „dieses Fahrrad ist zwar sein persönliches Mahnmal, aber vor allem soll es alle, die es sehen, ermahnen: Achtet auf euch.“

Idee aus den USA

Für den wenige Tage zuvor verstorbenen Müller sei die Aktion „ein Herzensprojekt“ gewesen, bestätigte Wolfgang Baumann aus dem Freundeskreis um Zeck, ehemalige Studenten, die sich 1976 in Berlin kennengelernt haben und bis heute verbunden sind. „Wir vollenden, was du sorgfältig vorbereitet hast“, sagte Baumann im Andenken an Müller. An Verkehrspolitiker appellierte Baumann: „Denkt daran, es gibt Schwächere als Autofahrer.“

Klaus-Peter Spohn-Logé räumte ein, dass die Gesellschaft zu sehr auf Autos konzentriert sei und viel zu wenig die Interessen von Fußgängern und Radfahrern berücksichtige. Peter Zahn vom ADFC Frankenthal berichtete über den recht jungen Brauch, in Deutschland Ghostbikes aufzustellen. Die Idee sei 2003 in St. Louis (USA) aufgekommen. 2009 habe der ADFC Berlin erstmals in Deutschland mit elf Geisterrädern tödlich verunglückter Radfahrer gedacht. Zahn wünschte, das Lambsheimer Ghostbike möge lange Zeit an den Verunglückten erinnern und Angehörigen wie Freunden das gute Gefühl geben, nicht untätig gewesen zu sein.

Noch Verbesserungsvorschläge gemacht

Verständnisvoll und hilfsbereit sei nicht nur die Gemeinde Lambsheim gewesen, die der Aufstellung des Ghostbikes zustimmte, auch der ADFC Frankenthal hatte das Anliegen unterstützt, hatte Gerhard Müller im Vorfeld berichtet. Den Unfallort hielt er für „weiterhin gefährlich“. Als Kritikpunkt nannte er, dass der Fahrradweg vor der Kreuzung erst mit einer Verschwenkung die Umgehung quert. Hier wären, schlug Müller noch vor, an der Querung Haltelinien für die Radler aufzuzeichnen, vor allem aber ein Grünschnitt vorzunehmen, um freie Sicht zu haben, sowie beidseits vor der Radwegkreuzung „Achtung Radfahrer“-Schilder anzubringen.

Als besser und sicherer sah Müller es, einen vorfahrtsberechtigten Rad- und Fußweg an der Straße geradeaus durchzuführen. Hinweis- beziehungsweise Achtungschilder sollten an der L522 beidseits vor der Kreuzung angebracht sein, ein Stoppschild für den Autoverkehr auf der Umgehung vor dem querenden Radweg.

Klaus-Peter Spohn-Logé erläuterte, dass man seitens der Gemeinde zwei Jahre vor dem Unfall überlegt habe, was man an dieser Stelle für Fahrradfahrer tun könne. Umstritten sei, ob auf einem parallel zur Straße angelegten Radweg Radler Vorfahrt haben oder ob für sie die „Rechts-vor-links“-Regel gilt, erläuterte er. Eine Hilfslösung sollte die Verschränkung sein.

Überlegungen zum Radweg

Die Idee, dem Radfahrer auf der geraden Radwegstrecke ausdrücklich Vorfahrt zu gewähren, sei verworfen worden, denn von der L522 in die Umgehung einbiegende Lkw könnten dann, wenn sie dem Zweirad Vorfahrt gewähren, möglicherweise auf der Landesstraße einen Verkehrsstau provozieren. Als positive Entwicklung hob Spohn-Logé hervor: „Damals war der Bereich nicht so offen wie heute, es war unübersichtlicher durch hohe Büsche.“

Wünschenswert wäre es allerdings aus Sicht der Gemeinde, den Radweg parallel zur L522 an der Einmündung der Umgehung nicht abrupt enden zu lassen, sondern fortzuführen. Damit könnten sich Radler den Umweg über den Ort sparen, aber auch darauf verzichten, auf der Landesstraße ihre Fahrt fortzusetzen.

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