Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Warum die Berufsmesse in Frankenthal ein Alleinstellungsmerkmal hat

Bei der Handwerkskammer konnten die Besucher in unterschiedliche Berufe reinschnuppern – so auch in das Konditorhandwerk.
Bei der Handwerkskammer konnten die Besucher in unterschiedliche Berufe reinschnuppern – so auch in das Konditorhandwerk.

Von Polizei über Handwerk bis zur Eventtechnik: Die neunte Berufs- und Studienmesse der weiterführenden Schulen bot Einblicke, die über Broschüren weit hinausgingen.

In den Turnhallen und auf dem Pausenhof der Robert-Schuman-IGS standen 46 Aussteller bereit, um Fragen zu beantworten. Darunter waren Unternehmen wie die Howden Turbo GmbH, der Globus-Markt, Metallbau Spiegel oder das Pfälzische Oberlandesgericht. Aber auch Universitäten aus Mainz und Heidelberg sowie die Hochschule Worms waren vertreten.

Zum ersten Mal dabei war die Frankenthaler MEXIA Eventservice GmbH & Co. KG. „Ehrlicherweise kannten wir die Messe gar nicht und sind auf einer anderen Messe darauf angesprochen worden“, erklärte Mirko Lo-Porto. Die Premiere verlaufe positiv: Viele Jugendliche interessierten sich für die Ausbildungsberufe als Veranstaltungskaufmann oder Fachkraft für Veranstaltungstechnik. So auch Amina Bräuer. Sie ist „fasziniert von Events“ und besucht solche regelmäßig. Auch Celine Herden, die ihre Schullaufbahn mit der Berufsreife abgeschlossen hat, findet „Technik, Beleuchtung und Mikrofone sehr spannend“. Die beiden waren sich einig: Das Gespräch auf der Messe habe weitergeholfen und sie in ihrem Vorhaben vorangebracht. Auch Lo-Porto freute sich: „Normalerweise sind wir beruflich immer im Hintergrund, aber genau das ist in der Nachwuchsgewinnung die Hürde“, erklärte er und zollte den Organisatoren Lob: Die Qualität sei hier deutlich höher als bei anderen Messen, da die Schüler deutlich mehr Interesse zeigten.

„Bundesweites Alleinstellungsmerkmal“

Genau das wünschten sich die Veranstalter, die in einem Team der Berufskoordinatoren aller Schulen „gleichwertig und mit selbem Zeitaufwand“ zusammenarbeiteten, wie Markus Klug von der Friedrich-Ebert-Realschule Plus erklärte. Thomas Kramer von der Berufsbildenden Schule (BBS) sprach von einem „bundesweiten Alleinstellungsmerkmal“. Dadurch, dass die Messe von Lehrern organisiert werde, könne man Branchen gezielt abdecken und auf die Wünsche der Schüler eingehen. Linda Fellmann vom Karolinen-Gymnasium (KG) berichtete von einem großen Ansturm zu Beginn der Messe um 9 Uhr. Aber auch gegen Ende, zur Mittagszeit, waren die Stände noch gut besucht.

Zum ersten Mal dabei war auch die Jugendstrafanstalt in Schifferstadt – sie ist eine von zwei in Rheinland-Pfalz. „Wir suchen dringend Nachwuchs und wollen uns überall präsentieren“, erläuterte Julia Meyer-Fischer. „Was machen Sie denn?“, sei die Frage, die ihr und ihrer Kollegin am häufigsten gestellt werde. Aber auch das Alter der Einsitzenden sei für die Jugendlichen spannend. Suchtberater, Lehrer oder Psychologe seien nur einige der Studienberufe, die man in der Jugendstrafanstalt erlernen könne. Zudem sei die Ausbildung als Justizvollzugsbeamter möglich. Hierfür müsse man mindestens 18 Jahre alt sein und sollte unter anderem „eine aufgeschlossene Persönlichkeit, Selbstständigkeit und körperliche Fitness“ mitbringen.

Torten-Kneten und ein Blick durch die Polizei-Brille

Am Stand der Bundespolizei konnte man die Arbeit der Uniformierten mit einer VR-Brille erleben. Marian Kreutzer wartete mit seinen Freunden auf den exklusiven Einblick. „Es sind fast alles interessante Berufe“, meinte der Achtklässler der IGS, der sich für das Berufsfeld Koch oder Bäcker interessiert. Bei der BASF sei er fündig geworden, da dort auch Berufsbilder im Bereich der Hotelbetriebe angeboten würden. Dass sich die Aussteller „was einfallen lassen und nicht nur Infobroschüren dabei haben“, gefiel ihm besonders.

Metallbiegen, Würfel-Sägen oder spiegelverkehrtes Zeichnen stand bei der Handwerkskammer auf dem Programm. So sollten erste Einblicke in die Berufswelten des Handwerks ermöglicht werden, erklärte Yusuf Örüm. Ihm sei es wichtig, „Aufklärungsarbeit“ über das Handwerk zu leisten. Es sei motivierend, den Menschen Informationen weiterzugeben, die sie vorher nicht hatten, Klischees zu entkräften und das Handwerk in ein besseres Licht zu rücken.

Lob für „familiäre Atmosphäre“

Zwei Schülerinnen des Albert-Einstein-Gymnasium (AEG) versuchten sich derweil beim Dekorieren einer Plastik-Torte, um das Konditorhandwerk kennenzulernen. Sie seien auf der Suche nach einem Praktikumsplatz, erklärten die beiden Neuntklässlerinnen. Die Messe sei „eine große Chance“, einen Denkanstoß zu erhalten. In der Berufswahl weiter hingegen zeigte sich Leni Debnar, die in diesem Schuljahr ihr Abitur am Karolinen-Gymnasium (KG) ablegen möchte. Obwohl sie schon einige Bewerbungen geschrieben habe, hoffe sie darauf „neue Ausbildungsbetriebe oder Firmen kennenzulernen, die ich bisher noch nicht auf dem Schirm hatte“. Den persönlichen Kontakt auf der Messe schätzte sie als effektiver und zielführender ein als den Internetauftritt von Firmen – im Gespräch würden Fragen geklärt, die eine Internetseite nicht beantworten könne.

Die Organisatoren zeigten sich nach gut drei Stunden zufrieden. Sie hofften, dass einige Besucher in ihrer Berufswahl weitergekommen sind. Die Rückmeldungen der Betriebe seien durchweg positiv. Vor allem die „familiäre Atmosphäre“ würde immer wieder gelobt, so Kramer.

x