Landtagswahl RHEINPFALZ Plus Artikel Wahlkreis Frankenthal: Baldaufs sechster Streich in Folge

Bleibt direkt gewählter Landtagsabgeordneter: Christian Baldauf mit Tochter Marlene und Ehefrau Martina im Frankenthaler Rathaus
Bleibt direkt gewählter Landtagsabgeordneter: Christian Baldauf mit Tochter Marlene und Ehefrau Martina im Frankenthaler Rathaus.

CDU-Kandidat Christian Baldauf gewinnt erneut das Direktmandat. Während bei der Union der Jubel groß ist und auch die AfD frohlockt, gibt es bei der SPD lange Gesichter.

Der Auftritt des Siegers im Rathaus in Frankenthal verzögert sich immer weiter. Es sollte schließlich 20.36 Uhr werden, bis Christian Baldauf sich seinen Weg von der Landeshauptstadt in seine Heimatstadt gebahnt hat. In der Mainzer CDU-Zentrale hat der 58-Jährige zunächst die ersten Prognosen der Meinungsforschungsinstitute bejubelt. 70 Kilometer weiter südlich entdeckt Tochter Marlene ihn Minuten nach Schließung der Wahllokale auf dem Großbildschirm, der im Rathaus-Foyer eingeschaltet ist. Per WhatsApp halten die Vize-Vorsitzende der Frankenthaler Christdemokraten und Mutter Martina Kontakt – und geben immer neue Ankunftszeiten durch.

„Gibt’s hier auch was zu trinken“, fragt schließlich ein gut gelaunter Vater und Ehemann am Treppenabsatz des ersten Stocks. Viel weiter kommt Baldauf nicht. Erst brandet Applaus auf, dann folgen Umarmungen. Zu den ersten Gratulanten zählt ein um die Wette strahlender Alt-Oberbürgermeister Theo Wieder. Demütig nehme er das Wahlergebnis an, gibt der Sieger zu Protokoll. Zu diesem Zeitpunkt sind in Bobenheim-Roxheim zwar noch nicht alle sechs Wahlkreise ausgezählt. Doch der Sieg ist Baldauf nicht mehr zu nehmen, 36,3 Prozent der Erststimmen sollten es schließlich werden.

Alt-OB Theo Wieder zählte zu den ersten Gratulanten.
Alt-OB Theo Wieder zählte zu den ersten Gratulanten.

Glückwünsche vom Kanzler

„Nach diesen langen Jahren in der Opposition haben wir endlich die Chance zu gestalten“, bleibt Baldauf im Allgemeinen. Zu seiner eigenen Zukunft hält er sich weiter bedeckt. Er spekuliert auf einen Posten im Kabinett des designierten Ministerpräsidenten Gordon Schnieder. Am Wahlabend sagt er dazu nur so viel: „Ich werde an die Stelle rücken, die er mir vorschlagen wird, und er wird mir etwas vorschlagen.“

Mehr zur Landtagswahl in Frankenthal

Wahlsieger Christian Baldauf: Direktmandat kein Selbstläufer
Landtagswahl: Die Ergebnisse in der Vorderpfalz
Wahlkreis Frankenthal: CDU und SPD verlieren Zweitstimmen, AfD mit Rekord

Klar ist jetzt schon, dass Baldauf im neuen Landtag zu besonderen Ehren kommen wird: Als dienstältestes Mitglied wird er die konstituierende Sitzung des Parlaments eröffnen, dem er seit 2001 angehört. Der amtierende Vizepräsident Matthias Lammert (CDU, Diez/Nassau) ist zwar genauso lange Abgeordneter wie sein Frankenthaler Parteikollege, aber drei Monate jünger.

Die Wahlparty im Frankenthaler Rathaus.
Die Wahlparty im Frankenthaler Rathaus.

Als seine Frankenthaler Parteifreunde Baldauf auf die Schulter klopfen, haben Bundeskanzler Friedrich Merz, Altkanzlerin Angela Merkel und der bayerische Ministerpräsident Markus Söder ihm bereits gratuliert. „Mein Buddy Markus“ hatte Baldauf im Wahlkampf unterstützt, war zu seinem einzigen Auftritt in Rheinland-Pfalz ins Bierzelt auf den „Frühlingswiesen“ gekommen. Der Kanzler, „den ich schon lange kenne“, habe sich extrem gefreut über die Nachrichten aus Mainz und Frankenthal. Merkel hat eine SMS geschrieben.

An dieser Stelle finden Sie Statistiken von 23degrees.

Um Inhalte von Drittdiensten darzustellen und Ihnen die Interaktion mit diesen zu ermöglichen, benötigen wir Ihre Zustimmung.

Mit Betätigung des Buttons "Fremdinhalte aktivieren" geben Sie Ihre Einwilligung, dass Ihnen Inhalte von Drittanbietern (Soziale Netzwerke, Videos und andere Einbindungen) angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an die entsprechenden Anbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

An dieser Stelle finden Sie Statistiken von 23degrees.

Um Inhalte von Drittdiensten darzustellen und Ihnen die Interaktion mit diesen zu ermöglichen, benötigen wir Ihre Zustimmung.

Mit Betätigung des Buttons "Fremdinhalte aktivieren" geben Sie Ihre Einwilligung, dass Ihnen Inhalte von Drittanbietern (Soziale Netzwerke, Videos und andere Einbindungen) angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an die entsprechenden Anbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

AfD: „großartiges Ergebnis“

Die CDU wieder in Regierungsverantwortung, Landtagsmandat zum fünften Mal verteidigt, Lambsheim erstmals gewonnen – drei Haken kann Baldauf auf der Liste seiner Wahlerfolge machen. Mit einem Aspekt hadert er: dem Abschneiden der AfD. „Wir haben ein großartiges Ergebnis eingefahren“, kommentiert deren Kreisverbandsvorsitzender Ulf Leckel die 24,1 Prozent der Zweitstimmen und 23,8 Prozent für ihren Kandidaten Stefan Scheil. Die Zustimmung führt er auf zweieinhalb Jahre kontinuierlicher Bürgerdialoge zurück. „Wir standen Monat für Monat Rede und Antwort, in Ermangelung von Räumen, die wir anmieten konnten, meist auf der Straße.“

AfD-Kreisvorsitzender Ulf Leckel (links) und Direktkandidat Stefan Scheil (Mitte) analysieren die Zuwächse bei den Erst- und Zwe
AfD-Kreisvorsitzender Ulf Leckel (links) und Direktkandidat Stefan Scheil (Mitte) analysieren die Zuwächse bei den Erst- und Zweitstimmen.

Scheil habe mit 23,8 Prozent der Erststimmen ein Achtungsergebnis eingefahren, habe Baldauf immerhin die Stirn geboten. „Ich find’s okay angesichts der insgesamt erschwerten Rahmenbedingungen“, kommentiert dieser sein Abschneiden. Auf Landesebene sei die AfD ihrem Ziel, sich als Volkspartei zu etablieren, ein großes Stück nähergekommen. Scheil hadert nicht damit, nicht auf der Landesliste kandidiert zu haben. „Ein Landtagsmandat hätte mich gereizt, aber ich habe genug andere Aufgaben, denen ich mich widmen kann.“

Bitterer Abend für SPD

Für SPD-Kandidatin Magali Leidig-Petermann, die in der Endabrechnung auf Platz zwei landete, ist es „ein sehr bitterer Abend“. Das Ergebnis beschäftige sie sehr. Im Land abgewählt und im Wahlkreis im Vergleich zur Landtagswahl vor fünf Jahren Stimmen verloren: Bei den Erststimmen ging es von 29,5 Prozent runter auf 25,6 Prozent – und das, obwohl sie einen intensiven Haustürwahlkampf gemacht und im gesamten Wahlkreis an 4600 Türen geklopft habe, wie Leidig-Petermann berichtet.

Zunächst sah es am Sonntag nach den ersten ausgezählten Wahlbezirken danach aus, als ob die SPD sowohl bei den Erst- als auch den Zweitstimmen hinter der AfD liegen würde, die Genossen holten aber noch auf. Den Grund für das schlechte Abschneiden der SPD sieht Leidig-Petermann in der Bundespolitik. Es sei nur um Themen wie Benzinpreise gegangen. Ob Leidig-Petermann den Einzug in den Landtag über die Landesliste geschafft hat, war am Abend noch nicht klar.

Die SPD mit Direktkandidatin Magali Leidig-Petermann (3. von links) und die Grünen mit Lena Fröhlich (2. von rechts) studieren d
Die SPD mit Direktkandidatin Magali Leidig-Petermann (3. von links) und die Grünen mit Lena Fröhlich (2. von rechts) studieren das Wahlergebnis.

Grüne: „Ampel hat funktioniert“

Lena Fröhlich von den Grünen zeigt sich zufrieden mit dem Wahlergebnis bei ihrer allerersten Kandidatur: 6,3 Prozent bei den Erst- und 6,1 Prozent bei den Zweitstimmen. Als Teil der Ampelkoalition in Mainz sind auch die Grünen abgewählt, gleichwohl betont Fröhlich: „Die Ampel hat in Rheinland-Pfalz funktioniert.“ Nachdenklich stimmt sie das AfD-Ergebnis, dafür nimmt sie auch die Union in die Verantwortung: „Wenn man sieht, wie die CDU für die AfD Wahlkampf mitgeführt hat.“ Damit spielt sie unter anderem auf die Plakate Baldaufs an, die denen der AfD sehr ähnlich gesehen hätten.

Das sagen FDP, Linke und Volt

FDP-Bewerberin Daniela Schäfer ist mit dem Resultat ihrer ersten Kandidatur – sie erreichte im Wahlkreis 2,6 Prozent der Erststimmen, ihre Partei 2,0 Prozent der Zweitstimmen – wie Lena Fröhlich „durchaus zufrieden“. Das schlechte Abschneiden der Liberalen auf Landesebene habe sie fast erwartet, „durch dieses Tal müssen wir nun durch“. Aufgeben sei keine Option, „gerade jetzt nicht“.

„Wir haben alles gegeben im Wahlkampf“, sagt derweil Jannik Stunz von den Linken. Er hat 3,6 Prozent der Erststimmen geholt, seine Partei 3,4 Prozent der Zweitstimmen. Natürlich wäre es schön gewesen, wenn die Partei den Einzug in den Landtag geschafft hätte, meint er, aber auch so sei man mit dem Ergebnis mehr als zufrieden: „Das ist das beste Wahlergebnis, das wir jemals hatten. Wir müssen uns vor diesem Ergebnis nicht verstecken und werden weiterkämpfen.“

Volt-Kandidat Burak Bağiş vereinigt 1,9 Prozent der Erststimmen auf sich, seine Partei 0,9 Prozent der Zweitstimmen. „Mit diesem persönlichen Ergebnis kann ich zufrieden sein, ich habe mit weniger gerechnet. Ich merke, dass ich mit meinen Positionen gut ankomme bei den Menschen, also will ich mich weiter einbringen.“

x