Frankenthal
Von Bombennächten und innerer Ruhe: die neue Ausstellung im Kunsthaus
Frieden – um diesen Begriff und die Frage, „Was braucht Frieden?“ dreht sich die Jahresausstellung des Kunstkreises Frankenthal. 18 Künstler haben sich damit auseinandergesetzt. Die Arbeiten sind noch bis 1. März im Kunsthaus zu sehen. Ein kleiner Einblick.
Als eine erste Antwort hatten sich die Kunstschaffenden auch schon mit den vier Säulen „Liebe, Mut, Hoffnung und Zukunft“ benannt. Thematisch ein weites Feld – ebenso breit gefächert sind die Herangehensweisen mit Malerei, Collagen, Lichtobjekten, Plastiken, Skulpturen und Linolschnitt sowie die Begriffsdeutungen in der ihnen eigenen Sprache: der Kunst. Damit Betrachter die Botschaft verstehen, sollte jeder Künstler, so die Vorgabe, zusätzlich eine Werkbeschreibung abgeben, also erklären, was er in seiner Arbeit darstellen will und was er sich dabei gedacht hat.
Mit sich selbst im Reinen, mit den anderen im Einklang
Allein: Frieden lässt viele Deutungen zu. Ganz intim etwa den Seelenfrieden, dass ein Mensch mit sich im Reinen und fähig ist, mit anderen in Frieden zu leben. Eine alltägliche Herausforderung. Eine Arbeit von Gaby Sann nähert sich diesem Aspekt. Sie wählt dafür weißes Seidenpapier. Das Weiß, erklärt sie, soll „einen friedlichen, ruhigen Eindruck vermitteln“, die Zartheit „an dünnes Eis“ erinnern, „trügerisch, zerbrechlich … jeder Schritt kann riskant sein“. Mit Stacheldraht unterteilt die Künstlerin die Fläche, „Symbol für Gewalt, Unfreiheit, Abgrenzung“, aber auch die innere Abschottung: „Angst, Verletzlichkeit, Selbstschutz“. In diese Fläche klebt sie beschriftete Fußabdrücke, in den Texten geht es um den Mut, „sich trotzdem in Bewegung“ zu setzen, „den Mut zum Frieden“. Auch Sandra Krons 3D-Collagen handeln von Mut. „Be the one“ aus Papier, Strass, Holz, Acryl ist eine beeindruckende Fleißarbeit mit vielen kleinen Papierflächen, teils uni, teils glänzend, teils mit Zeichen. Ihre Botschaft: „Break out“, „habe den Mut zu Dir selbst zu stehen, bleibe deiner Einzigartigkeit treu, sei der Weizen, nicht die Spreu“.
Macht in den Händen des großen Knetmeisters
Menschen(gesichter) als „humane Masse, die sich zu einer großflächigen Kugel, der Machtkugel, verdichtet“ – gehalten von zwei großen Händen, dem Knetmeister. „Macht“ ist der Titel der Bronzeskulptur von Luana Kroner-Stasek, einer Gastkünstlerin aus Mannheim. Ihre Erklärung: jedes Leben wird zum Material einer übergeordneten Vision. Aber wenn die Vielfalt der Menschen unterdrückt wird, kann kein Frieden entstehen, behauptet die Künstlerin. Der sei nur möglich im „Zulassen von Brüchen und Stimmen, die nicht in die perfekte Kugel passen wollen“.
Erinnerungen an die Stunde null
Was uns am ehesten zu Frieden einfällt, ist der zwischen Völkern über alle nationalen Identitäten hinweg. Und das Gegenteil davon ist Krieg. An den erinnert Roland Falkenhagen, der als Kind die Bombennächte in Frankenthal erlebte. Falkenhagen malt gegenständlich, stellt Zerstörung und Kriegsruinen dar, Menschen auf der Flucht, Menschen, die suchen, Kinder, die spielen. Falkenhagen bezieht sich explizit in zwei Arbeiten auf Deutschland 1933 und 1945, „Beginn und Ende eines Irrwegs“ für ihn, am Ende Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Und warnt: „Wenn es in der Welt so weitergeht, ist es bald vorbei mit dem Frieden!“ Eine bild- und wortreiche kritische Analyse der politischen Machtstrukturen und Einflusssphären, der Geld-, Blut- und Machtgier liefert Adam Tumele mit seinem dreiteiligen Werkensemble „Wo Gott weint“.
Der Mohn der flandrischen Schlachtfelder
Ein Zeichen des Gedenkens setzt Nicoleta Steffan mit ihrem „Gedenkmohn“ – die Pflanze stehe am 11.11. zum Remembrance Day für die Gefallenen aller Kriege. „Minimalistisch, zart, in Gruppen, einzeln, in Reih und Glied, aufrecht, jung als Knospe“ gemalt auf vielen kleinen Flächen, zusammengesetzt zu einer großen – „die weißen Flächen dazwischen sind stummes Mahnmal für jene, die noch fallen werden, solange Frieden nicht Wirklichkeit ist“, so Steffan.
Die unendliche Geschichte von Krieg und Frieden
Ein Video in Endlosschleife erzählt „Die unendliche Geschichte von Krieg und Frieden“: Nationalflaggen formen eine Friedenstaube, sie schlägt mit den Flügeln, erhebt sich und zerbröselt im Flug – aus den Bruchstücken entstehen erneut die Nationalflaggen. Stiften nationale Egoismen Unfrieden? Das Werk ist eine Familienarbeit von Gaby und Guido Sann.
Der spirituellen Malerei verschrieben hat sich Anette Krahnke-Höner. Ihr „apokalyptischer Engel“ empfängt die Besucher im Foyer. Hier im Eingangsbereich soll es auch interaktiv zugehen. Nicoleta Steffans zart-farbige Fläche „Frieden. Ein Weg, den wir gemeinsam gehen können“ lädt Besucher ein, „Frieden mitzudenken“, Wünsche und Visionen, wie Frieden aussehen kann, zu den vorhandenen zu notieren.
Termine
Die Ausstellung „Frieden“ im Kunsthaus Frankenthal, Mina-Karcher-Platz 42A, ist geöffnet von Mittwoch bis Samstag, 14 bis 18 Uhr, und am Sonntag, 11 bis 18 Uhr. Eine eintrittsfreie Führung findet am Sonntag, 15. Februar, 15 Uhr statt. Anmeldung erbeten unter info@kunstkreis-frankenthal.de. Finissage ist am Sonntag, 1. März, 17 Uhr, mit Sigrun Schumacher und Willi Brausch.