Landtagswahl RHEINPFALZ Plus Artikel Vom Neuling zum Direktkandidaten: So tickt Linke-Kandidat Jannik Stunz

Jannik Stunz ist von großer Statur und hat für die Linkspartei in Frankenthal große Pläne.
Jannik Stunz ist von großer Statur und hat für die Linkspartei in Frankenthal große Pläne.

Jannik Stunz tritt als Politikneuling für die Linken im Wahlkreis Frankenthal zur Landtagswahl an. Er sieht seine Kandidatur als Statement – und hat bereits weitere Ziele.

Bei der rheinland-pfälzischen Landtagswahl 2021 war die Welt noch eine andere. Für die Linkspartei trat im Wahlkreis Frankenthal David Schwarzendahl an und holte 2,5 Prozent der Erststimmen. Schwarzendahl gehörte zu denen, die sich drei Jahre später dem Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) anschlossen.

Die Dramen, die sich um die Abspaltung ereignet haben dürften, hat Jannik Stunz nicht mitbekommen. Denn der neue Direktkandidat der Linken im Wahlkreis 35 für die Landtagswahl ist erst seit etwa einem Jahr Mitglied in der Partei. Kurz vor der Bundestagswahl schloss sich der ledige und kinderlose 28-Jährige dem Bezirksverband Vorderpfalz an. Wenige Monate später wurde er zum Beisitzer gewählt. Seit Ende 2025 ist er eine von drei Vertrauenspersonen bei sexualisierter Belästigung und Diskriminierung im Landesverband.

Verkehrsunfall als „Aha-Moment“

Stunz meint beim Gespräch mit der RHEINPFALZ, sein hohes persönliches Engagement habe dazu geführt, dass der Bezirksverband ihn zum Direktkandidaten wählte. Der Elektroniker für Betriebstechnik, der für die BASF Anlagen wartet und analysiert, ist nach eigenen Angaben in die Politik gegangen, nachdem ein einschneidendes Erlebnis sein Leben veränderte.

„Ich hatte einen Verkehrsunfall“, erzählt der in Frankenthal aufgewachsene Stunz. Er wurde von einem Auto angefahren, brauchte lange, um wortwörtlich wieder auf die Beine zu kommen. Sein früheres Hobby, Mountainbike-Fahren, hat er aufgegeben. „Das war für mich ein Aha-Moment.“ Er habe sich im hohen Alter nicht vorwerfen lassen wollen, nichts gegen den Rechtsruck im Land getan zu haben. Noch vom Krankenbett aus beschließt er sich politisch zu engagieren. Kurz vor der Bundestagswahl half er bereits mit, Flyer für die Linkspartei zu verteilen.

Nicht auf der Landesliste

Nun ist die Linke nicht die einzige Partei, die sich eine Positionierung gegen rechte Strömungen auf die Fahne geschrieben hat. „Als junger Mensch fühle ich mich von anderen Parteien nicht gesehen“, erklärt er. „Alle anderen Parteien lassen sich auf Konzernspenden ein, aber Politik sollte für die Leute gemacht werden, nicht für Konzerne“, ergänzt der Sohn einer alleinerziehenden Mutter.

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Als Landtagsabgeordneter würde er seine Bezüge auf den bundesweiten Median-Lohn deckeln und den Rest spenden. Mit Prognosen zum Ausgang im Wahlkreis 35 hält sich Stunz jedoch zurück. Auf der Landesliste steht er nicht, er müsste also das Direktmandat, das Christian Baldauf (CDU) viermal verteidigen konnte, gewinnen.

Linke kratzt an Fünf-Prozent-Hürde

Das erklärte Ziel der Partei, in den Landtag einzuziehen, könnte erstmals seit ihrem Antreten in Rheinland-Pfalz im Jahr 2011 gelingen. In Umfragen hält sie sich bei fünf Prozent, was einer Verdopplung des Ergebnisses von 2021 gleichkäme. An dieser Hürde scheiterte die Partei stets.

Für die Linkspartei, die sich 2023 mit der Schaffung von Bezirksverbänden in Rheinland-Pfalz neu aufgestellt hat, wäre das ein Erfolg. Dass Stunz und seine Mitstreiter derzeit im Aufwind sind, zeigen auch die Mitgliederzahlen. Seit der Schaffung des Bezirksverbands Vorderpfalz ist die Mitgliederzahl innerhalb von zwei Jahren von 141 auf 350 gestiegen.

Mieten, Gesundheit, Kampf gegen rechts

Doch wofür steht diese neu aufgestellte Linke? „Unser Wahlprogramm ist beeinflusst von dem, was uns die Menschen an den Haustüren sagen“, meint Stunz. Bei rund 6000 Haushalten habe man im Wahlkampf bereits geklingelt, 10.000 sind das erklärte Ziel bis zur Wahl am 22. März.

Seine Partei lege den Fokus auf geringere Mieten, eine bessere Gesundheitsvorsorge und den Kampf gegen rechts. Unter anderem fordern die Linken einen landesweiten Mietendeckel und unterstützen den sogenannten „Housing First“-Ansatz, dessen Idee es ist, Obdachlosigkeit zu beenden. Die Sozialquote beim Wohnungsbau will die Partei auf 40 Prozent festlegen.

Jannik Stunz fühlt sich bereits wie ein Gewinner. „Vor meinem Engagement habe ich mich machtlos gefühlt“, sagt er. Der Spruch, wer etwas verändern wolle, müsse in eine Partei eintreten, habe sich für ihn bewahrheitet. Seine Kandidatur sieht er als Statement, dass die Linken in Frankenthal angekommen sind und mit Blick auf die Zukunft auch im Stadtrat wieder eine Rolle spielen möchten.

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