Dirmstein RHEINPFALZ Plus Artikel Vinotel und Initium: Neues Doppelleben im Hotel-Restaurant Kempf

 Wein als Schwerpunkt und 25 Zimmer: Rita Sauer in einem Deluxe-Doppelzimmer des Vinotels in Dirmstein.
Wein als Schwerpunkt und 25 Zimmer: Rita Sauer in einem Deluxe-Doppelzimmer des Vinotels in Dirmstein.

Rita Sauer und Katharina Zech führen seit Sonntag das Hotel-Restaurant Kempf in Dirmstein. Das heißt jetzt Vinotel beziehungsweise Initium by Katha.

Nach dem Ausstieg der bisherigen Betreiberinnen im vergangenen Jahr haben die Eigentümer des oftmals Café Kempf genannten Hotel-Restaurants beschlossen, einen Neuanfang zu machen. „Café Kempf war in Dirmstein ein guter Name, aber jetzt haben wir bewusst das Schild entfernt“, sagt Kai Becker, dem das Anwesen gemeinsam mit seinem Bruder Jens Becker sowie mit Dieter Oechsle gehört. Laut Dirmsteiner Ortschronik ging das Lokal vor 100 Jahren aus einem Winzerhaus hervor und wurde Jahrzehnte von der Familie Kempf als Café und später als über die Region hinaus bekanntes Hotel und Restaurant geführt. Helmut Kohl soll dort schon Gast gewesen sein, und zeitweilig kochte der ehemalige Chefkoch der Fußballnationalmannschaft, Fritz Westermann. Nach etlichen Betreiber- und Besitzerwechseln betrieben Susanne Brüggemann und Tochter Tanja Karaim das Kempf ab 2017 als Hotel und Gaststätte, sie wechselten im Oktober zu Meyer’s Café in Frankenthal.

Ab Januar haben die Besitzer nach eigenen Angaben „das Haus auf links gedreht“. Was das finanziell bedeutet, wollen sie nicht verraten, aber laut Kai Becker wurde das Restaurant neu eingerichtet, eine neue Heizung eingebaut sowie die Veranstaltungsräume und die Hotelzimmer renoviert. Hotel und Gastronomie wurden getrennt, und in Rita Sauer und Katharina Zech habe man zwei Partnerinnen gefunden, deren Konzept sofort überzeugt habe.

Kühlschrank voll mit regionalen Weinen

Rita Sauer betreibt in Herxheim am Berg das Vinotel und überträgt das Konzept nun weitgehend auch auf Dirmstein. Vom üblichen Hotel unterscheidet sich das Vinotel durch den Schwerpunkt Wein. Im Aufenthaltsraum steht ein großer Kühlschrank mit einer Auswahl von Weinen regionaler Weingüter. Weinwanderungen oder Weinproben sollen zum Veranstaltungskalender des Vinotels gehören.

Der Einladung zur Eröffnung am Sonntag folgten Vertreter der Winzerschaft wie beispielsweise Martin Schmitt vom Dirmsteiner Weingut Schmitt. Er findet, der Ort brauche so ein Hotel mit einer gewissen Bettenkapazität. Rita Sauer bietet 25 Zimmer an, darunter eine Juniorsuite und zwei Einzelzimmer. Der Buchungsstand sei gut, sagt sie, sogar für Silvester hätten sich schon Gäste angesagt. Seit Mitte Januar sind die Handwerker im Hoteltrakt ein- und ausgegangen, unter anderem um die Elektrik zu erneuern. Das Wlan sei nun auf dem neuesten Stand.

Drei Tage, drei Gerichte

Im umgestalteten Frühstückssaal, der zur kleinen Dirmsteiner Fußgängerzone ausgerichtet ist, erwartet die Gäste täglich ein Büfett, unter anderem mit Kaffeespezialitäten und Eierspeisen. Sauer wird von ihrem Lebenspartner, einer Assistentin und einer Rezeptionskraft unterstützt. Für größere Veranstaltungen oder Familienfeiern empfiehlt das Vinotel den Luitpoldsaal mit 80 Sitzplätzen oder den etwas kleineren Rittersaal.

Das Catering bei solchen Veranstaltungen übernimmt dann Katharina Zech. Hinter dem neuen Namen „Initium by Katha“ verbirgt sich ein neues Gastronomiekonzept: „Drei Tage, drei Gerichte“ kündigt ein Plakat an. Zech, die derzeit einen Cateringservice in Bobenheim-Roxheim betreibt, will an drei aufeinanderfolgenden Tagen, geplant sind Donnerstag, Freitag und Samstag, einmal monatlich ein Drei- oder Fünf-Gänge-Menü anbieten sowie einen Sonntagsbrunch im Monat, erstmals an Ostern. Saisonal und regional soll es zugehen, „nicht abgehoben von den Preisen her, aber abgehoben beim Konzept“, sagt Zech. Sie ist Flugbegleiterin und will diesen Beruf bei der Lufthansa weiterhin ausüben.

Mutter war Wirtin in Frankenthal

In der Gastrobranche sind die beiden Frauen keine Neulinge. Zech hat in Frankenthal vor Jahren das Café Extrablatt betrieben und als Caterin die Bewirtung beim Open-Air-Kino gestemmt. Sie ist die Tochter von Margarethe Gniewkowski, der ehemaligen Wirtin des Frankenthaler Braustübl, die sich Ende 2022 zur Ruhe setzte. Das Lokal weiterzuführen, sei für sie keine Option gewesen, sagt Katharina Zech. „Ich möchte nicht täglich in der Küche stehen und kochen.“ In Dirmstein lässt sich die Quereinsteigerin von ihrem Mann Michael und Tochter Victoria sowie zwei festen Kräften helfen. Ein Koch, der im Café Kempf gelernt hat, werde in Kürze das Team ergänzen.

Familie Zech plant, an den Menüabenden an zehn Tischen rund 40 Gäste zu bewirten. Ohne Reservierung geht es dabei nicht. Zech: „Die Ankunftszeit wird im Viertelstundentakt vergeben, sodass die Küche jedem Tisch gut gerecht werden kann.“ Ohne Reservierung wird voraussichtlich die Außengastronomie genutzt werden können. Das Ambiente im ehemaligen Kuchenverkaufsraum wird nicht verändert. „Toll wäre es, wenn hier ein Konditor reinginge“, sagt sie.

In der Werbung geht Zech neue Wege. Während Rita Sauer das Vinotel auf einer Internetseite und gängigen Buchungsplattformen bewirbt, vermarktet Zech das Initium ausschließlich über Instagram und Mundpropaganda. Das habe sich bereits jetzt bei ihrem Partyservice gut bewährt.

 Neues Konzept in renovierten Räumen: Michael und Katharina Zech im Restaurant Initium.
Neues Konzept in renovierten Räumen: Michael und Katharina Zech im Restaurant Initium.
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