Frankenthal „Unsere Leser lieben Asterix“
In wenigen Wochen findet die Frankfurter Buchmesse statt mit Frankreich als Gastland: „Francfort en français“, „Frankfurt auf Französisch“. Das international größte Treffen der Verlagswelt schlägt Wellen meist bis in die Büchereien und Buchhandlungen vor Ort. Wir haben in Frankenthal und bei der Gemeindebücherei in Bobenheim-Roxheim nachgefragt, wie der französische Ehrengast präsentiert wird.
Erfahrungsgemäß kämen im Herbst vermehrt Publikationen aus dem Buchmesse-Gastland auf den Markt, sagt die Leiterin der Frankenthaler Stadtbücherei Christine Wieder. „Das war zuletzt bei Büchern aus Flandern spürbar.“ Daher geht Wieder davon aus, dass die Stadtbücherei nach der Buchmesse verstärkt französische Medien anschaffen wird. „Übersetzungen aus dem Französischen gibt es bei uns sehr viele, es ist eine recht häufig übersetzte Sprache.“ Neuerwerbungen gebe es in der Stadtbücherei, unabhängig von Buchmessen, laufend. „Pro Woche erweitern wir zum Beispiel den Bestand um durchschnittlich 15 Romane bekannter Autoren“, erklärt Wieder. So findet sich auch schon Sophie Hénaffs „Kommando Abstellgleis“ im Regal – das Krimidebüt der französischen Journalistin, in dem gescheiterte Kriminalisten des Pariser Hauptkommissariats mit unkonventionellen Mitteln überraschend erfolgreich ermitteln. Sehr gut nachgefragt seien in den vergangenen Jahren bei den Lesern die Bestseller von Fred Vargas. Die vielfach preisgekrönte Pariser Autorin Frédérique Audoin-Rouzeau veröffentlicht unter diesem Künstlernamen seit rund zwei Jahrzehnten Kriminalromane um den nachdenklichen Kommissar Jean-Baptiste Adamsberg. Im fremdsprachigen Bestand rangieren französische Medien nach über 500 englischsprachigen Publikationen auf Platz zwei. Insgesamt können in der Stadtbücherei von den derzeit etwa 5000 Nutzern rund 80.000 Medien ausgeliehen werden. Darunter aktuell 85 französische Romane, die im Bereich der fremdsprachigen Bücher für Erwachsene im ersten Obergeschoss bereitstehen. Für Kinder gibt es 50 Bücher auf Französisch, die meisten sind zweisprachig. Fast ebenso groß ist das Segment zum Erlernen der französischen Sprache: „Wir bieten über 150 Lehrbücher und Sprachführer an“, berichtet Wieder, die in der Stadtbücherei für den fremdsprachigen Bestand zuständig ist. Diese Größenordnung bezeichnet sie als angemessen zur Nachfrage. „Viele Schüler nutzen zwar das Internet, um sich zu informieren. Für ihre Hausaufgaben verwenden sie aber gern unsere Lektüre- und Referathilfen.“ Erfreulich für die Nutzer fremdsprachiger Medien: Der Bereich Sprachen lernen für Erwachsene ist auf Klarschriftsystematik umgestellt worden. Bislang bot die klassische ASB-Systematik – die allgemeine Systematik für öffentliche Bibliotheken – mit einer Kombination von Zahlen und Buchstaben Orientierung auf den Medienrücken. Die neue Klarschriftsystematik besteht aus benutzerfreundlichen Schlagworten. Laut Wieder wird der gesamte Bibliotheksbestand schrittweise auf die neuen Signaturen umgestellt. „Zusätzliche Veranstaltungen zu Frankreich werden wir nicht organisieren“, sagt Wieder. Doch ein regelmäßiger Programmpunkt wird dem Messethema angepasst: Zur „Französischen Geschichtenzeit“ am 7. Dezember liest Madame Marie-Bernadette Amand, Dozentin an der Volkshochschule Frankenthal, im Lesecafé zeitlos schöne Geschichten in französischer Sprache. Die Gemeindebücherei Bobenheim-Roxheim ist mit über 30.000 Publikationen im Verhältnis zur Einwohnerzahl eine große Bibliothek. „Faustregel für den Umfang des Bestands sind zwei Medien pro Einwohner“, sagt der Leiter Roland Weber und ist stolz darauf, dass in der knapp 11.000 Einwohner starken Altrheingemeinde auf jeden Bobenheim-Roxheimer drei Medien kommen. Etwa 300 Medien bietet die Bücherei in anderen Sprachen an. Rund die Hälfte sind englische Publikationen, 44 Titel sind in Französisch vorhanden. Laut Weber ist Jean-Luc Bannalec der französische Lieblingsautor der aktuell 887 Nutzer. Bei inzwischen sechs Fällen führt Kommissar Dupin die Leser in einem Mix aus Krimi und Reiseführer durch die bretonische Landschaft. Allerdings scheint Bannalec kein gebürtiger Franzose zu sein: Hinter dem Künstlernamen vermutet man den in Deutschland und in der Bretagne lebenden Autor Jörg Bong, was dieser jedoch noch nie bestätigt hat. Gern gelesen würden in Bobenheim-Roxheim außerdem französische Comics. „Unsere Leser lieben natürlich alle Bände von Asterix“, berichtet Weber. Was Neuanschaffungen betrifft, verfährt der Bücherei-Chef wie die Kollegin in Frankenthal: „Neuerscheinungen listen wir das ganze Jahr über ein, unabhängig von der Frankfurter Buchmesse.“ Das Buchmesse-Gastland Frankreich werde jedoch zweimal mit deutsch-französischen Lesungen gefeiert: Für Kinder am 9. Oktober um 17 Uhr mit der Mutmach-Geschichte „Ich bin der Stärkste im ganzen Land“ von Mario Ramos. Erwachsene sind am 12. Oktober um 19 Uhr eingeladen zur Lesung „Dein zweites Leben beginnt, wenn du verstehst: Du hast nur eins!“ von Raphaëlle Giordano. Die Lesungen in der Gemeindebücherei am Pfalzring werden von der französischen Muttersprachlerin Delphine Breuninger aus Bobenheim-Roxheim veranstaltet. Dazu präsentiert die Bücherei einen Büchertisch mit einer Auswahl an französischen Bestsellern.