Frankenthal Umtriebige Eidgenossin
Einen außergewöhnlichen Coup hat die Initiative Kukuk für ihr Konzertprogramm im Ökumenischen Gemeindezentrum Pilgerpfad gelandet: Die Schweizer Sängerin Sarah Buechi kommt mit ihrem Septett am Samstag, 3. März, 19.30 Uhr, nach Frankenthal. Die 36-Jährige, bekanntester Export der Eidgenossen neben Sophie Hunger, wird als eine der interessantesten Jazzstimmen Europas gefeiert.
Sarah Buechi macht Halt in Frankenthal auf ihrer Release-Tour für ihre dieses Jahr veröffentlichte CD „Contradiction of Happiness“ – zuvor erschienen von ihr bereits „Vidya Mani“, „Flying Letters“, „Shadow Garden“ und „Animata“. Wie experimentierfreudig die Sängerin ist, zeigt sich schon durch die Besetzung ihres Septetts mit Streichern, was gerade für den Jazz sehr ungewöhnlich anmutet. Dieses Septett ist eine Erweiterung ihrer Formation namens Das Quartett, das Hoffnung macht, mit der die Sängerin 2014 bei den Berliner Jazztagen auftrat. Stefan Aeby am Piano, André Pousaz am Bass und Lionel Friedli am Schlagzeug werden von den drei Streicherinnen Estelle Beiner (Geige), Isabelle Gottraux (Bratsche) und Sara Oswald (Cello) verstärkt. Die Schweizer Sängerin, aufgewachsen im Kanton Glarus in einer Musikerfamilie – die Mutter arbeitet als Organistin und Chorleiterin, der Vater als Komponist und Klavierlehrer – ist recht umtriebig. In ihrer lyrischen Musik mischt sie Einflüsse aus Klassik, Jazz, Rock und Pop, aus Indien, Ghana, Frankreich, Skandinavien und den USA, die Stationen ihrer eigenen Vita folgen. Bevor sie sich auf den Gesang konzentrierte, lernte sie schon als Kind Geige und Gitarre und spielte später in einer Rockband. Nach dem Abschluss ihres Jazzstudiums bei Lauren Newton und Susanne Abbuehl an der Musikhochschule Luzern 2007 reiste Sarah Buechi für 18 Monate nach Südindien, wo sie am Karnataka College of Percussion bei R. A. Ramamani klassischen, südindischen Gesang und Konnakkol (die perkussive Vortragsweise einer Silbensprache) lernte und auf Festivals, im Radio und Fernsehen auftrat. In der Folge veröffentlichte sie auch ihre erste CD „Vidya Mani“ mit ihrer nach einem indischen Gericht benannten Band THALi. Bis heute reichert Sarah Buechi ihren Gesang mit den mikrotonalen Elementen an, die sie in Indien kennenlernte. 2008 wurde sie an das Newpark Music Center in Dublin eingeladen, wo sie vier Jahre lang Jazzgesang unterrichtete. Buechis zweite Platte „Flying Letters“ entstand in New York, wo sie 2010 für neun Monate lebte. Ihre rockige, rhythmisch vertrackte Musik zeigt den Einfluss von Steve Coleman (USA) und Bernard Woma (Ghana). Außerdem nahm die Sängerin Unterricht bei Médéric Collignon, Sheila Jordan, Jay Clayton und studierte am Complete Vocal Institute in Kopenhagen. Nach zwei Jahren in London kehrte Buechi 2015 zurück in die Schweiz und unterrichtet seither am Konservatorium Zürich und am Winterthurer Institut für aktuelle Musik. Neben ihrem eigenen Quartett mischt sie beim Duo Animata und dem Christoph Stiefel Septett mit. Ihre dritte CD „Shadow Garden“ mit einer lyrischen Symbiose ihrer musikalischen Erfahrungen erschien ebenfalls 2015. Termin —Am Samstag 3. März, 19.30 Uhr, im Ökumenischen Gemeindezentrum Pilgerpfad, am Jakobsplatz in Frankenthal. —Karten gibt es zu elf Euro, ermäßigt zehn Euro, im Vorverkauf beim protestantischen Pfarramt Pilgerpfad, Telefon 06233 42531, und im Weltladen; außerdem zu zwölf Euro, ermäßigt elf Euro, an der Abendkasse.