Ludwigshafen
Traumpaarung: Comedy-Queen Martina Hill und die Staatsphilharmonie im BASF-Feierabendhaus
„Wir nehmen Sie mit auf einen Abenteuerausflug in den Sherwood Forest, quasi den Pfälzerwald von Mittelengland“, versprach Martina Hill anfangs und erntete am Ende Standing Ovations. Genauso wie Ludwigshafens Staatsphilharmonie unter der Leitung von Gordon Hamilton mit Erich Wolfgang Korngolds klassischem Hollywood-Soundtrack „Robin Hood – König der Vagabunden“. Nicht alleine der beliebten Komikerin, die die vertraute Legende um Robin Hood, den Rächer der Enterbten und Beschützer von Witwen und Waisen, ganz auf ihre Weise erzählte, oder nur den Musikern, die ein mitreißendes Konzert gaben, galt der stürmische Schlussapplaus, sondern beiden gemeinsam.
Mag sein, dass die Mehrzahl der Besucher gekommen war, um – eine eher seltene Gelegenheit – Martina Hill live zu erleben, es mag aber auch sein, dass andere vor allem wegen der Philharmoniker oder Korngold da waren, zu dessen filmmusikalischen Hauptwerken „Robin Hood“ unbedingt zählt. Nicht erst am Ende des mit nur rund 90 Minuten spielfilmlangen Abends, vielmehr recht bald dürften Hills Fans die Musik ebenso wenig haben missen wollen wie Korngold-Liebhaber die Beiträge der Komödiantin. Ganz in Schwarz wie alle Orchestermitglieder samt Dirigenten, reihte sie sich auch optisch in das große Gefüge ein, wie eine Solistin, die herausragende Aufmerksamkeit nicht beansprucht, aber verdient.
Der spätmittelalterliche Stoff um Sir Robin von Locksley, der als Outlaw mit seinen Gefährten im Wald haust und als exzellenter Bogenschütze von den Reichen nimmt, um den Armen zu geben, war bereits vor „Robin Hood – König der Vagabunden“ mindestens achtmal verfilmt worden. Die Umsetzung von 1938 mit Errol Flynn in der Titelrolle zählt aber noch heute zu den ganz großen und über Jahrzehnte einflussreichen Abenteuerfilm-Klassikern. Nicht zuletzt dank der romantischen, sinfonischen Musik Korngolds, mit üppigen instrumentalen Effekten und leidenschaftlichen Höhepunkten, die dem Österreicher bald nach dem ersten (für „Anthony Adverse“) den zweiten Oscar eintrugen. Wer heute John Williams („Star Wars“) hört, hört im Grunde auch Korngold, der sich seinerseits beeinflusst von Wagner, Strauss, Puccini und Mahler zeigt.
„Ich habe Taschentücher dabei. Ohne geht’s nicht“, bekundete Martina Hill noch vor dem ersten Ton. „Es ist wirklich schlimm schön.“ Ihre eigenen Beiträge aber erforderten Taschentücher allenfalls für die Lachtränen, die sie auslösen konnte. Auch wenn manche ihrer Gags auf Papier gar nicht so witzig erscheinen mochten, gelang es ihr, sie sie so rüberzubringen, dass sie doch zündeten. Die Komikerin, die vor annähernd zwei Jahrzehnten mit „Switch reloaded“ bekannt wurde und heute zum Beispiel in „LOL: Last One Laughing“ mitwirkt, kann das. Ihr Robin Hood ist ein modebewusster Haudegen, über dessen knappes Miniröckchen und quietschgrüne Strumpfhosen sie sich wiederholt amüsiert. „So stellte man sich wohl damals das Mittelalter vor: entweder Strumpfhosen oder Ritterrüstung“, erinnerte sie an den Film, der auch als früher Anti-Nazi-Streifen gelesen werden kann.
Auch Robins großer Liebe, Lady Marian, fällt das hautenge Beinkleid sofort ins Auge. Aus Marian wird dabei Mandy, die denn auch wie Hills „heute show“-Paradefigur Mandy Hausten mit kehliger Stimme in breitestem Sächsisch loslegt: „Na, meen Gutster, wenn ham wa denn hier - Kermit, den Frosch?!“ Larissa, mit schriller Stimme bei völliger Ahnungslosigkeit ebenfalls eine von Hills beliebtesten Rollen, wird zur Kammerzofe, die Little John schöne Augen macht. Sportreporterin Sabine Töpperwien, natürlich eingesprochen von Hill, kommentiert das berühmte Bogenschützenturnier, bei dem ein Pfeil den anderen spaltet, wie ein „Herzschlagfinale“ im Fußball. Die durchaus albernen Gags und Anspielungen auf die heutige Zeit nehmen kein Ende, die Musik, mit einem zunächst erhebenden und dann leisen Ausklang, und die aberwitzige Geschichte dann schon. Larissa und Little John eröffnen die erste Shisha-Bar von Nottingham, während Robin und Marian Karriere als Hollywood-Traumpaar machen.