Frankenthal
Tiergehege: Kuschelige Schafe füttern – aber bitte richtig
„Der Max, das ist ein richtiger Ansteller, der kann sogar Türen öffnen“, sagt Veit Eismann über den neuesten Zuwachs des Tiergeheges. Der braune Ziegenbock und seine Freundin Hanni haben sich schon gut bei den zwölf anderen Ziegen integriert, einzelne Tiere würden schwerer aufgenommen, erklärt der Mitarbeiter.
Die Ziegen teilen sich ihr Zuhause im Tiergehege Frankenthal mit sechs Schafen sowie mehr als 20 Laufenten und Hühnern. Acht ehrenamtliche Vereinsmitglieder kümmern sich täglich um die Tiere. Morgens steht Füttern und Wasserauffüllen auf dem Plan, und täglich dokumentieren die Helfer die Gesundheit der Tiere auf einer großen Tafel. Denn viele der Tiere seien schon älter, da müsse man aufpassen, wie sich der Zustand verändere, erklärt Eismann, der seit mehreren Jahren im Gehege arbeitet. Eine Ziege habe zum Beispiel Arthrose – sie nehme aber noch aktiv und gerne am Geschehen teil. Das Wichtigste für die Helfer: Die Tiere sollen nicht leiden. Unterstützt wird der Verein von der Tierarztpraxis Zieris aus Hettenleidelheim, die mit einer mobilen Praxis vor Ort sei, wenn Hilfe benötigt wird.
So natürlich wie möglich
Nicht nur Schafe und Ziegen gibt es im Tiergehege zu sehen, auch um einige Bienenvölker kümmern sich die Mitarbeiter. Im Sommer machen sie Quittengelee aus den Früchten, die die Bäume auf dem Gelände tragen. Ein kleines Wasser-Biotop ist im Aufbau. Man versucht, den Lebensraum so natürlich wie möglich zu halten, ohne ihn verwildern zu lassen. Die Helfer stecken viel Arbeit in das Projekt. „60 bis 80 Stunden im Monat verbringe ich hier, es gibt immer etwas zu tun“, sagt Eismann.
Eine der ständigen Aufgaben sei es, Besucher auf die Regeln hinzuweisen, erzählt Eismann. Man suche den Dialog, die meisten reagierten auch sehr verständnisvoll und einsichtig. Doch leider seien einige wenige beratungsresistent. Dabei geht es laut Eismann bei den Verhaltensregeln ausschließlich um den Schutz des Tierwohls.
Leinenpflicht als Schutz
Und diese wurden bereits gelockert: So galt auf den Wegen um und durchs Tiergehege noch vor einiger Zeit ein komplettes Hundeverbot. Doch der Verein setzte sich dafür ein, Hunde an der Leine zu erlauben. Die Anleinpflicht ist unumgänglich, denn die Hühner und Enten dürfen sich frei auf dem Gelände bewegen. Gerne machen sie einen Ausflug in das angrenzende Wäldchen oder spazieren durch die verschiedenen Gehege. Trifft ein Huhn dann auf einen freilaufenden Hund, kann das schnell tödlich für das gefiederte Tier enden.
Eine andere Gefahrenquelle für die Tiere ist falsches Futter. „Ein gut gemeintes Leckerli kann schlimme Folgen für die Tiere haben“, erklärt Eismann. Gerade Wiederkäuer haben ein empfindliches Verdauungssystem, das auf eine einfache und recht gleichbleibende Ernährung ausgelegt ist. Es sei ein trügerischer Irrglaube, Ziegen und Schafe könnten alles, also auch Küchenabfälle oder sämtliche Gemüsesorten, fressen. An allen Gehegen warnen Schilder auf fünf Sprachen davor, die Tiere mit anderen Dingen als den Pellets zu locken, die der Verein Besuchern für einen Euro in eigenen Futterschachteln anbietet.
Beliebte Freizeitaktivität
Füttern ist also erlaubt, aber eben nur mit den ausgewählten Leckereien. Die Stadtwerke Frankenthal stellen die Schachteln, die Helfer befüllen die kleinen Kartons. Ist das Futter aufgefressen, werden die Schachteln wieder abgegeben und im Anschluss wiederverwendet – so wird Müll vermieden.
Trotz Corona freut sich das Gehege über mehr Besucher als sonst. Marion Merzbacher, ebenfalls seit mehreren Jahren im Verein tätig, erklärt sich das so: „In 20 Minuten ist man aus der Stadt hierher gelaufen, der Eintritt ist kostenlos. Wie viele andere Städte haben sowas?“ Dazu komme, dass die Kinder lange nicht in die Schulen konnten und viele Familien dieses Jahr auf Urlaub verzichteten. Da sei das Tiergehege eine schöne Freizeitaktivität, meint Merzbacher.
Helfer gesucht
Dennoch können Feste wie das beliebte Schafschurfest im Sommer oder das Glühweinfest im Advent zurzeit nicht stattfinden. Auch Gruppenbesuche von Schulen sind wegen Corona nicht möglich. Dadurch fielen viele Spenden weg, auf die der Verein angewiesen sei, sagt Veit Eismann. Doch nicht nur Spenden werden gebraucht. „Auch weitere Helfer wären eine große Erleichterung“, sagt Eismann. Generell freue man sich über jeden – wichtig sei, dass man ins Team passe. Vor allem junge Leute, die gerne als Freiwillige anpacken wollen und am besten handwerkliches Geschick mitbringen, werden gesucht.
Auch mit einer Tierpatenschaft kann man den Verein unterstützen. Oder auf dem Kunst- und Genussmarkt im Garten des Kunsthauses am Samstag, 21. August, wo die Mitglieder mit einem Kuchenstand vertreten sind.
Noch Fragen?
Informationen zu Spenden, Mitgliedschaften oder Patenschaften finden sich auf der Internetseite des Vereins unter www.tiergehege-frankenthal.de.