Frankenthal
Thomas Bollheimer verlässt die Stadtwerke
Natürlich ist da eine ganze Menge Vorfreude auf das, was nun kommt. Denn Thomas Bollheimer hat seinen Plan, mit Ende dieses Monats als Chef der Stadtwerke aufzuhören, lange abgewogen und schon im Mai 2020 öffentlich angekündigt. Aber jetzt, in den letzten Tagen seiner insgesamt elfeinhalb Jahre in Frankenthal, da mischt sich bei dem 56-Jährigen erkennbar auch etwas Wehmut in die Gefühlswelt. Zweifel an der Entscheidung, seine berufliche Laufbahn „auf einem anderen Druckniveau“ fortzusetzen, hat Bollheimer dennoch keine.
Lehraufträge übernommen
Und im Gegensatz zu vergangenem Jahr, als er noch von einem „kleinen Abenteuer“ sprach, das da auf ihn warte und das er sich bewusst leiste, gibt es inzwischen auch eine klare Perspektive beim scheidenden Stadtwerke-Chef: Statt tagtäglich im operativen Geschäft eines kommunalen Versorgungsunternehmens zu stecken, will Thomas Bollheimer sein Wissen aus langen Jahren im Energiegeschäft an den Managernachwuchs weitergeben. Er hat zunächst einmal drei Lehraufträge angenommen – an der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften in Speyer, an der Hochschule Worms und an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. Mit diesem Pensum möchte Bollheimer das richtige Maß an Belastung für sich ausloten.
Denn auch das war ein wichtiges Kriterium für den Abschied von den Stadtwerken: Es soll Zeit bleiben für private Interessen und Bedürfnisse – Familie, Sport und Musik. Letzteres hat Thomas Bollheimer, der mit Frau und Kindern in Osthofen bei Worms lebt, bereits in Angriff genommen. Er lernt das Orgelspiel. „Das war immer mein Trauminstrument“, berichtet der 56-Jährige mit spürbarer Begeisterung. Der Unterrichtsort dafür ist exklusiv: der Wormser Dom. Dessen Atmosphäre und Raumklang sei eine besondere Motivation, schwärmt Bollheimer.
Fukushima als Katalysator
Der Blick zurück auf die Frankenthaler Zeit ist für den Branchenkenner auch einer auf die großen Verwerfungen und Veränderungen in der Energiewirtschaft. Die Liberalisierung der Märkte in diesem Sektor hat Bollheimer an der Spitze der Stadtwerke ebenso erlebt wie die Reaktorkatastrophe von Fukushima und den dann folgenden Entschluss Deutschlands zum Ausstieg aus der Atomkraft. „Das war der Katalysator für fundamentalen Wandel“, sagt der langjährige Geschäftsführer.
Dass kommunale Versorgungsunternehmen dabei eine besondere Verantwortung haben, das betont Thomas Bollheimer ausdrücklich. Und erinnert in diesem Zusammenhang gerne an das frühe Engagement der Stadtwerke in Sachen Windkraft und E-Mobilität. Eine Zwangsläufigkeit ist für ihn auch der schrittweise Ersatz für fossile Brennstoffe wie Erdgas. Bollheimer mahnt aber: Wenn der Ausstieg etwa aus der Kohleverstromung wie geplant gelingen soll, dann müsse Deutschland „noch eine Schippe drauflegen“ – tempomäßig.
Fokus auf Ausbildung
Bei der Frage, was ihm als Chef eines kommunalen Energieversorgers am meisten Freude gemacht hat, muss Thomas Bollheimer nicht wirklich lange nachdenken: dass es den Stadtwerken kontinuierlich gelinge, Schlüsselpositionen im Unternehmen mit eigenem Nachwuchs zu besetzen. „Ich habe mehrfach junge Leute erlebt, die als schüchterne Azubis zu uns kamen und mir dann ein paar Jahre später als selbstbewusste Führungskräfte gegenübersaßen“, erinnert sich Bollheimer.
Dass er sich als Geschäftsführer nie als einsamer Entscheider gefühlt oder gesehen hat, sondern als Teil des Teams, zeigt sein finales Fazit: Bollheimer spricht vor allem über die „unglaublich tüchtigen Leute“ und wie sie die Verantwortung für die sichere und zuverlässige Versorgung mit Wasser, Strom und Gas spüren und leben. Und dass den geplanten Neubau an der Wormser Straße sein Nachfolger Volkmar Langefeld einweihen wird, ist für den scheidenden Chef kein Ding: „Mir war wichtig, dass die Weichen richtig gestellt sind.“