Frankenthal
Thema Arm und Reich: TAW spielt Komödie „Jugendliebe“
Die Vorlage stammt von Ivan Calbérac, der für seine ebenso geist- wie temporeichen Boulevardstücke bekannt ist. Im Mittelpunkt steht Alexander (Uwe Hörner), der eigentlich alles zu haben scheint – eine wunderschöne Freundin, beruflichen Erfolg und vor allem sehr viel Geld. Doch als er die Hochzeit mit der adligen Victoria (Sina Weiß) plant, holt ihn seine Vergangenheit ein, als sein Anwalt (Siegfried Kralik) ihm offenbart, dass er bereits verheiratet ist. Alexander, dem nicht bewusst war, dass die vor 20 Jahren in Indien geschlossene Spontanhochzeit mit seiner Jugendliebe Ulrike (Sabine Asal-Frey) nach wie vor rechtsgültig ist, hat plötzlich ein großes Problem. Denn eine Scheidung würde ihn im wahrsten Sinne teuer zu stehen kommen. Also schmiedet er einen ebenso gewagten wie fragwürdigen Plan, um das drohende finanzielle Fiasko zu umgehen.
Gemeinsam mit Freundin Victoria versucht Alexander seine Jugendliebe von seiner vermeintlichen Mittellosigkeit zu überzeugen. Dazu schickt das Paar Putzfrau Waltraud (Angelika Dietrich) kurzerhand in Urlaub und nistet sich in deren Sozialwohnung ein. Was folgt, ist ein turbulentes Spiel aus Täuschungen, unerwarteten Wendungen und immer neuen Verwicklungen, bei dem längst nicht alles nach Plan läuft. Denn Alexander hat die Rechnung ohne Ulrikes ausgeprägtes Helfersyndrom gemacht. Gerade von der Arbeit bei „Ärzte ohne Grenzen“ aus dem afrikanischen Malawi zurückgekehrt, sieht Ulrike in Alexander nämlich ihr nächstes Projekt und will dem alten Freund nun mit allen Mitteln den Weg aus der Armut ebnen. Und dann kommt auch noch Putzfrau Waltraud früher aus dem Urlaub zurück. Das Chaos ist vorprogrammiert.
Situationskomik und sprachliche Raffinesse
Calbérac versteht es, aus dieser Konstellation eine Komödie zu entwickeln, die gleichermaßen von Situationskomik wie von sprachlicher Raffinesse lebt. Dabei wird das Thema Ehe mit einem augenzwinkernden Blick betrachtet: Es geht um Liebe und Gewohnheit, um Geld und Moral – und die Frage, wie weit man gehen darf, wenn es um die eigenen Interessen geht.
Regisseur Jürgen Hellmann fühlt sich mit dem Stück an den vierfach oscarprämierten Film „Parasite“ aus dem Jahr 2019 erinnert, der die soziale Ungleichheit in der koreanischen Gesellschaft thematisiert. Der Film begleitet einen Mann aus ärmlichen Verhältnissen, der einen Job bei einer reichen Familie annimmt und durch das Vortäuschen falscher Tatsachen nach und nach seine komplette Familie dort einnistet. „Unser Stück ist zu jeder Zeit eine absolute Boulevardkomödie, thematisiert aber gleichzeitig auch das stets aktuelle Thema von Arm und Reich“, betont Hellmann.
„Jugendliebe – Wie werde ich meine Millionen los?“ ist bereits die dritte Eigenproduktion des Theaters in diesem Jahr, bei dem Jürgen Hellmann die Regie übernommen hat. Gleichwohl sucht man den gelernten Schauspieler in den vergangenen Monaten auf der Bühne vergebens. In die Regierolle sei er quasi hineingerutscht, sagt der Theaterleiter. Mit der Übernahme von Maria Breuer als Leiterin des Speyerer Zimmertheaters im vergangenen Jahr sei am TAW eine versierte Regisseurin weggefallen. Andere Schauspielkollegen, die in der Vergangenheit auch inszenierten, stünden aktuell eher auf der Bühne, meint Hellmann.
Termin
„Jugendliche – Wie werde ich meine Millionen los?“ feiert am Samstag, 18. April, 19.30 Uhr, Premiere im Theater Alte Werkstatt. Weitere Termine finden im April und Mai statt. Karten gibt es im Internet unter www.tawfrankenthal.de