Mannheim
Symbol für Offenheit und Vielfalt: IG Jazz Rhein-Neckar feiert ihr 40-jähriges Bestehen
Wie war das vor 40 Jahren? Wer hatte die Idee, jungen, wilden Jazzern, so was Spießiges wie einen Verein vorzuschlagen? Davon und wie die IG Jazz Rhein-Neckar in den folgenden vier Jahrzehnten zum Erfolg wurde, gab es mit viel Musik am Freitag in der Alten Feuerwache in Mannheim zu hören.
Eines hatten alle Festredner gemeinsam: Sie sehen Jazz als Beispiel einer Kultur, die aus Diversität und Kommunikation Kraft schöpft. Ein Miteinander von verschiedenen Menschen, Stilen, Generationen - das sei etwas, das Jazz und Jazzer verbinde.
Daniel Prandl, seit drei Jahren Vorsitzender der IG Jazz, erklärte das Ziel des Vereins: sich einbringen und die Gesellschaft mitgestalten, in der Stadt Mannheim ebenso wie in der Rhein-Neckar-Region. Wichtige Elemente mit Außenwirkung seien die jährlichen zehn Tuezzday-Jazz-Konzerte und die Jamsessions im Capitol-Casino Rampenlicht und der Cafébar der Alten Feuerwache. Der jährliche Workshop von Profis für Amateure trage dazu bei, Jazz lebendig und präsent zu halten. Der Beitrag der IG Jazz zum Kulturleben sei nur möglich, durch die vielen engagierten Menschen, die sich in 40 Jahren für das gemeinsame Ziel eingesetzt haben. Bei ihnen bedankte sich Prandl ebenso wie bei allen Unterstützern, Sponsoren und Förderern, darunter das Kulturamt der Stadt Mannheim, das auch den Jubiläumsabend unterstützte. Als Perspektive für die Zukunft nannte Prandl die weitere Vernetzung über die Region hinaus. Aktuell werden gemeinsame Vorhaben mit der IG Jazz Stuttgart entwickelt.
Mit der Alten Feuerwache fanden die Jazzer eine Heimat
Mannheims Kulturbürgermeister Thorsten Riehle (SPD) unterstrich die Rolle der IG Jazz und ihrer Aktivitäten bei der Entwicklung Mannheims zur Musikstadt. Auch wenn die Quadratestadt keine Mega-Metropole wie New York sei, zähle sie inzwischen zu den wichtigen Jazz-Städten. Der ehemalige Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) unterstrich die Bedeutung des Jazz für eine offene, vielfältige Gesellschaft. Die IG Jazz habe mitgeholfen, gesellschaftliche Räume zu öffnen. Die Offenheit und Vielfalt werde derzeit von bestimmten Strömungen wieder in Frage gestellt. Was Kultur im Allgemeinen und Jazz im Besonderen bewirkten, sei nicht in erster Linie mit Maßstäben der unmittelbaren Wertschöpfung zu bewerten. Vielmehr schaffe Kultur eine innere Infrastruktur, die sich auf Zusammenleben und Lebensgefühl in einer Gesellschaft auswirke. Das wirke sich langfristig positiv auf Stadt und Region aus und werde zum Standortfaktor.
Mit dem Musiker Eberhard Petri ging einer der Gründer ans Rednerpult. Petri berichtete von der Aufbruchstimmung, die in den 80er Jahren in Mannheim herrschte. Allerdings war da in Sachen Jazz noch ziemlich tote Hose: „Es gab die Big Band 70 und Jazzfrühschoppen, die Joy Fleming organisierte“, berichtete er. Bewegung in Sachen Jazz brachten junge Musiker, die gerade vom Berklee College, der Kaderschmiede des Jazz in den USA, zurückgekehrt waren. Wolf Mayer und Rainer Pusch waren sozusagen der Kern, aus dem das anfangs zarte Pflänzchen der IG Jazz hervorging. Pusch hatte eine Big Band, aus der fast alle Musiker dann in die IG Jazz Gründung einstiegen. Mit dem Entstehen des Kulturzentrums Alte Feuerwache, fanden die Jazzer auch eine Heimat mit Konzert- und Proberäumen.
Nach und nach entwickelte sich Mannheim zum Jazz-Standort. Rückschläge gab es, etwa als die erhoffte Caterina-Valente-Show-Schule nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Lothar Späth keinen Rückhalt mehr in der Landesregierung hatte. Wesentlich voran ging die Entwicklung auch durch die Musikhochschule, die den Studiengang Jazz eröffnete.
Musik von alten Hasen und jungen Talenten
Musik gab es von erfahrenen Jazzern wie Dirik Schilgen und Konrad Hinsken mit ihren Combos, aber auch von jungen Talenten wie Paula Weilmünster mit ihrem Quintett. Moderatorin Juliana Blumenschein, zweite Vorsitzende der IG Jazz, fragte die Bandleader, was sie bewog, Mitglieder zu werden. Weilmünster, seit einem Jahr Jazzstudentin an der Musikhochschule, wurde durch die Sessions auf die IG Jazz aufmerksam. „Es war ein guter Weg, schnell Anschluss an die Szene zu finden“, sagt sie. Dirik Schilgen berichtete, dass seine feste Band „Jazz Grooves“ aus einem Projekt der Jazztage der IG entstanden sei. Ein Beispiel, was Infrastruktur für Jazz bedeutet, war der Auftritt der Jubiläumsbigband. Nicht nur spielten da durch die Bank Mitglieder – das Repertoire bestand aus Stücken, die von der IG als Kompositionen in Auftrag gegeben waren. Geleitet wurde die Big Band von Hendrika Entzian, Professorin für Arrangement im Studiengang Jazz der Musikhochschule. Anschließend gab es noch eine Jamsession im Café der Feuerwache.