Frankenthal
Studernheim annektiert? Ortsvorsteher Lutz verkündet neuen Namen „Mörsch-Süd“
Es ist kurz nach 7 Uhr am 1. April, als Simon Lutz (CDU), Ortsvorsteher von Mörsch, auf Facebook und Instagram sowie im Mörscher WhatsApp-Kanal bekannt gibt, dass Studernheim annektiert wurde. „Der neue Name für Studernheim lautet ab sofort: Mörsch-Süd“, teilt Lutz mit. Der größte Vorort von Frankenthal hat damit den kleinsten geschluckt.
Zum „Beweis“ hat Lutz Fotos gepostet. Eines zeigt ihn, wie er neben dem neuen Ortsschild von Mörsch-Süd posiert, ein anderes zeigt das neue Schild, das jetzt seit dem 1. April an der Verwaltungsstelle von Mörsch-Süd, vormals Studernheim, hängt, und noch ein weiteres zeigt, wie Mörsch-Süd anstelle von Studernheim sogar bei einem Kartendienst und in einer Navigationsapp eingetragen ist.
Simon Lutz: „Bin sehr glücklich“
„Ich bin nun sehr glücklich, euch mitteilen zu können, dass die Annexion inzwischen auf allen Ebenen vollzogen ist“, schreibt Lutz, der zuletzt schon die Ehre hatte, einen historischen Grenzstein von 1757 im Mörscher Park neu zu setzen. „In der letzten gemeinsamen Sitzung des Ortsbeirates sowie des Stadtrates wurde einstimmig beschlossen, den kleinen südlichen Vorort dem bevölkerungsreichsten, flächenmäßig größten und schönsten Vorort Frankenthals einzugemeinden“, erklärt Lutz. Er dankt der Stadtverwaltung und dem Eigen- und Wirtschaftsbetrieb (EWF), die alles sehr zügig und unkompliziert umgesetzt hätten, selbst die Montage der Schilder.
Mehr aus Frankenthal
Fahrradparkturm am Bahnhof: So hoch wird er
Frankenthaler Frühjahrsmarkt startet bald: „Shake“ it
Früheres Real-Gelände in Frankenthal: Zwei Etappenziele erreicht
„Eingemeindungsfeier“ im September
Hat sich Simon Lutz von Donald Trump und dessen Ideen inspirieren lassen? Ist Studernheim sein Grönland? Man wundert sich, reibt sich die Augen und notiert sich im Kalender schon einmal den 18. September.
Da soll nämlich die Eingemeindungsfeier mit Frankenthals Oberbürgermeister Nicolas Meyer (FWG) und dem Stadtvorstand beginnen, die wegen des zu erwartenden besseren Wetters auf den Spätsommer gelegt wurde. Ganze drei Tage lang wird im Mörscher Park gefeiert, organisiert vom Verein „Wir für Mörsch“. Höhepunkt soll ein großer Festumzug am Samstagnachmittag mit mehr als 30 Zugnummern sein. Auch die Bürger aus Mörsch-Süd sind eingeladen. Wow, eine ordentliche Hausnummer! In Mörsch denken sie groß. Richtig groß.
Lutz und Batke: Nur ein Aprilscherz
Wirklich? Von dem, was Simon Lutz in den sozialen Medien schreibt, stimmt nichts. Auch die Bilder wurden offensichtlich mit künstlicher Intelligenz bearbeitet. Studernheim ist noch immer Studernheim, Mörsch-Süd ein Hirngespinst und Thomas Batke (FWG) weiterhin der Ortsvorsteher von Studernheim. „April, April“, kommentieren dann auch schon die Ersten die Posts von Simon Lutz. Auch die RHEINPFALZ erfährt von Lutz: Der Mörscher hat sich einen Aprilscherz auf Kosten der Studernheimer erlaubt. Manche mögen auch sagen: Er hat Revanche genommen.
Lutz erinnert die Mörscherinnen und Mörscher an Halloween und „die öffentliche Diffamierung unseres Vororts durch den Studernheimer Ortsvorsteher Thomas Batke“. Noch am selben Abend habe er die notwendigen Schritte eingeleitet, um Studernheim zu annektieren.
Batke: „Mörsch gruseligster Ort in Frankenthal“
Was war passiert? Damals war auch Batke in den sozialen Medien unterwegs. „Als Ortsvorsteher von Studernheim ist es meine Pflicht, die Bürger zu informieren. Pünktlich zu Halloween brennt nun dieser leuchtende Kürbis vor unserer Ortsverwaltung und trägt den Namen des gruseligsten Ortes in ganz Frankenthal: MÖRSCH“, schrieb er an Halloween, der Beitrag unterlegt vom Grusel-Song „Alone in the Haunted Forest“ von Noah Loi.
Mörsch sei amtlich bestätigt der Tiefpunkt der Pfalz, und wer wisse schon, „welche unheimlichen Dinge aus diesem feuchten, tief gelegenen Abgrund aufsteigen, wenn die Dämmerung kommt“, schob Batke nach. Das konnte und wollte Batkes Amtskollege Lutz nicht auf sich sitzen lassen. Am 1. April folgte nun der Konter, und die öffentlich ausgetragene „Fehde“ der beiden erreichte einen neuen Höhepunkt.
Ortsvorsteher: „Freundschaftlicher Wettbewerb“
Doch bevor sich die Frankenthaler fragen, woher dieser ganze Hass zwischen den beiden Ortsvorstehern herrührt, sei festgestellt: Simon Lutz und Thomas Batke verstehen sich eigentlich ziemlich prächtig. Oder wie der Studernheimer an Halloween schon gepostet hat: „Mein lieber Kollege, Ortsvorsteher Simon Lutz, keine Sorge: Das ist natürlich nur unser Beitrag zum freundschaftlichen Wettbewerb.“ Ob Halloween oder 1. April, ihre Kreativität haben die beiden auf jeden Fall schon einmal unter Beweis gestellt.