Leichtathletik
Starter beim Strohhutfestlauf wie Olympiasieger gefeiert
„Links Schorle, rechts Wasser“ – die Qual der Wahl hatten die Starter beim Strohhutfestlauf beim Passieren der Stände der Tanzschule Tif. Dort befüllten Vasco, Nemo, Alishia, Tulip, Samia und Mounia eine Stunde vor dem Hauptlauf unzählige kleine Pappbecher mit Schorle oder Wasser. Einen alkoholischen Stimmungsbooster hätte an diesem Sonntagvormittag allerdings keiner gebraucht, egal ob auf, oder neben der Strecke, wobei die Starter bei Bambini- und später beim Schülerlauf natürlich außen vor waren.
Die Stimmung war ausgelassen und fröhlich, die Zuschauer feuerten jeden der insgesamt rund 800 Gestarteten mit derselben Begeisterung an – Balsam für die, die am Limit waren. „Weiter, weiter“ riefen die Zuschauer des Öfteren während des Schülerlaufs. Das war allerdings mehr informativ als anfeuernd gemeint, denn mancher der Läufer wähnte sich fälschlicherweise schon beim erneuten Überqueren der Startlinie im Ziel, was wertvolle Sekunden kostete. Allzu verbissen sahen das allerdings die wenigsten der gestarteten Läuferinnen und Läufer. Beim Hauptlauf war ohnehin kein Tempobolzen möglich, da die Führenden schon während der zweiten Runde das Ende des Startfeldes erreichten und sich von nun an im Stil eines Slalomläufers durch die Menge schlängeln mussten.
Schwetzinger ganz vorn
Am schnellsten gelang das Cedric Sikorski, der für das Team Landgericht & Friends Frankenthal am Start war. Er erreichte nach 16:40,3 Minuten das Ziel und verwies damit Linus Ersoy (Box-Club Frankenthal) in 17:30,6 und Eliah Krüger (Ludwigshafener SV 07) in 17:32,3 Minuten auf die Plätze. „Ich laufe normalerweise für die LG Kurpfalz, aber eine Freundin Natalie Engbarth hat das Team zusammengestellt und ich fand’s toll, dabei zu sein“, erzählte der in Schwetzingen wohnende Sikorski, der vom Strohhutfest richtig begeistert war.
„Es hat einfach mega Spaß gemacht, die Stimmung war auch brutal. Durch die Überrundungen war überall auf der Strecke was los. Es ist dadurch zwar nicht die schnellste Strecke, aber wenn du von der Seite die Weinschorle gereicht bekommst und Leute dich abfeiern, also ob du gerade den Olympiasieg holst, das ist ja das Geilste, was es gibt“, sprudelte es aus ihm heraus .
Wasser statt Schorle
Beim Passieren der Tanzschule Tif habe er aber stets zum Wasser gegriffen, betont er. „Während des Rennens war’s auch zu hektisch, um was greifen zu können, aber das war ja auch ein Spaßwettkampf“, sagte der 23-Jährige, der übrigens mit seiner Mannschaft in der Teamwertung den siebten Platz belegte. Rang eins ging an den Box-Club Frankenthal, für den neben Linus Ersoy noch Leonard und Manuel Piller, Ahmed Dabbagh und Arjon Yildiz am Start waren. Zweiter wurde die TG Frankenthal, Rang drei ging an die Landfrauen Lambsheim.
„Wir sind heute gut drauf, der Lauf hat Spaß gemacht. Ich bin Zweiter geworden, das war wirklich geiles Erlebnis“, freute sich Linus Ersoy, der eigentlich kein Läufer ist. Aber zum Boxtraining gehöre es auch, vier- fünfmal pro Woche zu laufen, erklärt der 18-Jährige aus Heßheim. „Wir stehen alle auf dem gleichen Level. Wir pushen uns gegenseitig. Auch wenn wir alleine laufen, wenn wir die Leistung alleine abrufen, ist es trotzdem geil, hier Kollegen an seiner Seite zu haben“, schwärmte Linus Ersoy. Schnellste Frau war die 31 Jahre alte Tanja Willersinn vom Team Riesling Recovery Run. Sie verwies in 20:17,1 Minuten Anna Schultz-Coulon von der TSG Heidelberg (20:33,8) und Anna Kulick vom Team Nomads (20:51,8) auf die Plätze.
Als Siegerin überlebt
Tanja Willersinn ist Sportwissenschaftlerin und lebt in Freiburg, aber sie stammt aus Frankenthal und so hat der jährliche Besuch der Eltern anlässlich des Fests der Feste Tradition. Befragt nach ihrer sportlichen Ambition, sagt sie „Überleben“ und lacht. „Es wurde gestern doch etwas spät und deswegen war ich nicht sicher, was heute drin ist. Deshalb habe ich mir heute nichts vorgenommen und hab’ einfach geguckt, was geht“, erzählte sie. Auf der Bühne wurden auch Antonia von Opel (RC Hofgut Petersau) als schnellste Läuferin und Hezekiah König als schnellster Läufer im Bambinilauf sowie Caroline Dörr (TG Frankenthal) und Mika Fath (Ludwigshafener SV 07) als Sieger des Schülerlaufs geehrt. Geehrt wurden auch die älteste Läuferin und der älteste Läufer: Gertrud Windhaber (Jahrgang 1947) vom TSG Maxdorf und Hans-Jürgen Bentz (Jahrgang 1946) vom LT Rheinhessen.
Eine Ehrenurkunde hatte sich Sarah Prugovic von Bushido Frankenthal verdient, die einen gestürzten Läufer erstversorgte und deshalb ihren Lauf nicht beenden konnte.