Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Sperrstunde auf dem Frankenthaler Strohhutfest: FWG regt Aufweichung an

Strohhutfest in Frankenthal: Bereits jetzt wird nach 22 Uhr hier und da ein Auge zugedrückt.
Strohhutfest in Frankenthal: Bereits jetzt wird nach 22 Uhr hier und da ein Auge zugedrückt.

Weil es sich so schön feiert: Könnte es nicht ein Stündchen länger sein auf dem Strohhutfest? Das wünscht sich die FWG-Ratsfraktion. Die Verwaltung hat da einige Bedenken.

Es ist das Fest der Feste, für die Frankenthaler auf jeden Fall, aber auch für Tausende Besucher aus der Region. Warum das Strohhutfest also nicht ein bisschen länger feiern als gesetzlich grundsätzlich zulässig? Das fragt sich die FWG-Stadtratsfraktion. Nicht illegal, nicht ausufernd, aber doch als Zugeständnis an die Partystimmung am langen Juniwochenende, die nicht abrupt um 22 Uhr abgewürgt werden müsste.

Bereits jetzt, so argumentiert Fraktionsvorsitzende Tanja Mester, könne ausnahmsweise in Frankenthal hier und da eine Stunde länger ausgeschenkt und musiziert werden. Warum also nicht diese punktuellen Verlängerungen systematisch ausweiten, ein XL-Strohhutfest gewissermaßen?

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Einen entsprechenden Prüfauftrag hat ihre Fraktion Anfang Mai in den Ausschuss für Finanzen, Personal und Sicherheit eingebracht. Das Ziel: eine flexible, differenzierte und zugleich wirtschaftlich tragfähige Genehmigungspraxis für die vier Abende, an denen Frankenthal ohnehin im Ausnahmezustand ist.

Wertschöpfung erhöhen

Damit könnte das Strohhutfest behutsam weiterentwickelt, wirtschaftlich gestärkt und zugleich langfristig zukunftsfest aufgestellt werden, zählt Mester die Vorteile der Zugabe mit Augenmaß auf. Davon profitierten in der Folge Gastronomie, Schausteller, Vereine und der innerstädtische Einzelhandel. „Eine Verlängerung der Aufenthaltsdauer der Besucher trägt erfahrungsgemäß zu einer höheren Wertschöpfung bei und stärkt zugleich die Attraktivität des Festes im regionalen Wettbewerb“, fasst sie zusammen.

Erfahrungen mit punktuellen Ausnahmeregelungen bis gegen 23 Uhr hätten in der Vergangenheit gezeigt, dass praktikable und differenzierte Lösungen machbar seien, die auch den nachvollziehbaren Interessen der Anwohner entgegenkämen. „An diese Erfahrungen sollte angeknüpft werden.“ Ein gemeinsam getragenes Konzept könne durchaus beides leisten: den Wirtschaftsfaktor Strohhutfest stärken und die Belastungen für die Nicht-Feiernden berücksichtigen.

Wer soll Überstunden machen?

Die Stadtverwaltung reagiert zurückhaltend auf eine Ausdehnung der Strukturen. Aus verlängerten Veranstaltungszeiten resultieren für das Rathaus nicht zwangsläufig zusätzliche wirtschaftliche Impulse. Die Umsätze könnten sich auch einfach zeitlich strecken, gibt die Verwaltung zu bedenken. Und die Gastronomie habe bereits in der Vergangenheit in Innenräumen Überstunden machen können.

Jenseits potenzieller Umsatzsteigerungen sieht der Veranstalter aber ein grundsätzlicheres Problem: Wer soll die Gäste an den Ausschänken noch länger bedienen? Die Außengastronomie wird wesentlich von Vereinen und Ehrenamtlichen geschultert. Für die aktuelle Auflage ab Fronleichnam haben diese jetzt schon abgewunken. „Sie stehen einer Verlängerung der Ausschankzeiten ablehnend gegenüber und haben dies nicht befürwortet“, berichtet die Verwaltung aus ihren Sondierungen.

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Eine Verlängerung des Strohhutfestes würde auch an einer anderen Stelle einen erhöhten Personaleinsatz auslösen: bei der Absicherung und der Sicherheit. Mehr Alkoholkonsum bedeute mehr Bedarf an Aufsicht und Ordnungskräften. „Dies kann den Charakter des Festes nachhaltig verändern und steht dem bisherigen Leitbild entgegen“, wird das Rathaus grundsätzlich. Dienstpläne für Polizei, Rettungskräfte und Sicherheitsdienste müssten ausgeweitet werden, die Kosten stiegen. „Gleichzeitig ist mit einer Zunahme von Verschmutzungen, ordnungsrechtlichen Verstößen und Beschwerden zu rechnen.“

Das Riesenrad in knalligen Farben auf dem Strohhutfest: Das ist das Motiv für den neuen Button.
Das Riesenrad in knalligen Farben auf dem Strohhutfest: Das ist das Motiv für den neuen Button.

Noch bleibt alles beim Alten

Ob nach 22 Uhr noch draußen gefeiert oder musiziert werden darf, entscheidet letztlich nicht die Stadt. Lärmausnahmegenehmigungen erteilt die übergeordnete Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd. Für das bevorstehende Strohhutfest geht schon mal nichts mehr. Dafür sind nicht nur die Dienstpläne und Einsatzzeiten der vielen Begleiter aus der Blaulichtfamilie bereits festgezurrt, dafür steht auch schon längst das gesetzlich vorgegebene Sicherheitskonzept. In der Kürze der Zeit ist dieses Gerüst nicht mehr umzugestalten.

Das war auch nicht das Ansinnen der FWG. Sie will vielmehr das Optimum aus einer Veranstaltung herausholen, die wie keine andere für Frankenthal steht und ein Juwel für das Stadtmarketing ist. „Die Stadtverwaltung wird die Anregungen für eine Ausweitung der Ausschankzeiten und längere Zeiten für die Musikdarbietungen für das Strohhutfest 2027 in die Diskussion einspeisen und mit allen Beteiligten besprechen“, sicherte Frankenthals Bürgermeister Bernd Knöppel (CDU) in der Ausschusssitzung zu.

Dann werden die Karten vielleicht neu gemischt – wenn es die personelle und organisatorische Belastung derer erlaubt, die anderen noch mehr Spaß auf dem Strohhutfest ermöglichen sollen.

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