Hochdorf-Assenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Spannend wie bei Hitchcock: Der Sprecher und Schauspieler Jens Wawrczeck verwandelt Daphne de Mauriers Horror-Erzählung „Die Vögel“ in ein Hörspiel

Was hat Alfred Hitchcock zu seinen filmischen Meisterwerken inspiriert? Diese Frage beschäftigt Jens Wawrczeck schon lange.
Was hat Alfred Hitchcock zu seinen filmischen Meisterwerken inspiriert? Diese Frage beschäftigt Jens Wawrczeck schon lange.

Wie bei vielen Hitchcocks ist auch hier die Vorlage weit weniger bekannt als der Film.

„Wie bei Hitchcock!“ heißt es, über 60 Jahre nachdem sein Klassiker in den Kinos lief, noch immer, wenn ein besonders großer Vogelschwarm auftaucht. Sein Film „Die Vögel“ geht auf eine noch ältere Erzählung zurück, die der Sprecher und Schauspieler Jens Wawrczeck nun im Historischen Rathaus in Hochdorf-Assenheim vortrug. Spannend wie bei Hitchcock.

Zwei Romane der Londoner Schriftstellerin Daphne du Maurier, „Jamaica Inn“ und „Rebecca“, hatte der britisch-amerikanische Erfolgsregisseur bereits verfilmt, als 1952 ihre Kurzgeschichte „Die Vögel“ im Frauenmagazin „Good Housekeeping“ veröffentlicht wurde. Eine phantastische Tierhorror-Story, wie man sie damals ebenso wenig von du Maurier wie in einer Frauenzeitschrift erwartet hätte. Bereits im Erscheinungsjahr sicherte sich Hitchcock die Rechte, um seine noch heute berühmte Verfilmung elf Jahre darauf in die Kinos zu bringen. 1963, in seinem Geburtsjahr, wie Jens Wawrczeck anmerkt, der in Assenheim seine Verehrung für Alfred Hitchcocks Filme gesteht.

„Für mich gibt es kaum einen Filmemacher, der auf so unvergleichliche Weise seine Sehnsüchte und seine Ängste, seine Träume und seine Albträume und seinen schwarzen, britischen Humor in legendäre Filmszenen verwandelt hat.“ Was ihn darüber hinaus beschäftige, so Wawrczeck: „Was hat den großen ,Master of Suspense’ zu seinen Meisterwerken inspiriert?“ Die allermeisten seiner Werke, „Die 39 Stufen“, „Bei Anruf Mord“ oder „Vertigo“, gingen auf literarische Vorlagen, Romane, Dramen und Erzählungen zurück, mit denen der Regisseur, auch bei namhaften Autoren, freilich „sehr vogelfrei“ umgegangen sei. „Am Ende sah man auf der Leinwand immer einen echten, typischen Hitchcock-Film.“

Du Mauriers grausige, dichte Erzählung um eine schlichte, britische Bauernfamilie, die wie letztlich das ganze Land von Vögeln aller Art heimgesucht, ja, attackiert wird, spielt in der großen Hollywood-Verfilmung nicht mehr im verregneten Cornwall, sondern im sonnendurchfluteten Kalifornien. Aus den einfachen Farmern werden ein smarter Anwalt und eine kühle Blondine, verkörpert von Rod Taylor und einer blendend aussehenden Tippi Hedren am Anfang ihrer Karriere.

Gleichermaßen Haussperlinge, Saatkrähen oder Seemöwen, Vögel aller Art eben, sind es im Buch wie im Film, die sich zusammentun und die Menschen augenscheinlich aus dem Nichts heraus angreifen. „Als hätte sie mit dem Ostwind der Wahnsinn gepackt“, liest Wawrczeck von den Vögeln, die in derartig großen Formationen über einer Farm auftauchen, dass sie den ganzen Himmel bedecken, von der Kraft, die in ihren scharfen und spitzen Schnäbeln steckt, sowie von Nat Hocken, seiner Frau und den Kindern Johnny und Jill, die sich verbarrikadieren, um sich zu erwehren.

Unter den schweren Deckenbalken des Historischen Rathauses scheint es, als kämpfte der Sprecher selbst gegen die grundlos gefährlichen Vögel an. So sehr spricht der 62-jährige Hamburger, der besonders als „zweiter“ Detektiv Peter Shaw bei den „Drei ???“ bekannt wurde, „Die Vögel“ nicht nur, sondern spielt regelrecht die Geschichte und schlüpft dabei hörens- und erlebenswert in die unterschiedlichen Charaktere. Die Kinder- und Frauenstimmen gelingen ihm mindestens ebenso gut wie die männlichen.

Unterstützung oder mehr als das erfährt er dabei von dem ebenfalls hanseatischen Musiker Jan-Peter Pflug, der am Theremin und am Mikrofon vergleichbare Soundeffekte erzeugt wie einst Oskar Sala für den Film am Trautonium. So entsteht kein Film, aber ein Hörspiel, ob die Besucher ihre Augen nun offen oder geschlossen halten, das ebenso mitreißend ist wie der Kinoklassiker. In seiner Hörbuchreihe „Verfilmt von Hitchcock“ veröffentlicht Wawrczeck regelmäßig die literarischen Vorlagen der oftmals berühmteren filmischen Thriller. Zuletzt hat er für sein Hörbuchlabel Audoba „Psycho“ von Robert Bloch eingelesen.

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