Frankenthal Silberheller Klang in Strophe drei

Dieser Stern an der Orgel in Roxheim dreht sich, wenn der Organist das Glockenspiel im Innern in Gang setzt.
Dieser Stern an der Orgel in Roxheim dreht sich, wenn der Organist das Glockenspiel im Innern in Gang setzt.

Wenn man im Festgottesdienst an Weihnachten genau hinhört, mischt sich in einigen Kirchen spätestens bei der dritten Strophe von „Oh du Fröhliche“ ein silberheller Klang in die Orgeltöne. Dann hat der Organist das Register gezogen, an dem „Zimbelstern“ oder „Cymbelstern“ steht, und die feierliche Musik wird gekrönt vom Klang eines Instruments, das selten zum Einsatz kommt. In den protestantischen Kirchen in Großkarlbach und Bobenheim-Roxheim gibt es solche Glockenspiele.

Zimbeln werden schon im Alten Testament an einigen Stellen erwähnt, wobei es damals wahrscheinlich noch kleine Becken waren, die zusammengeschlagen wurden. Die in Orgeln eingebauten Zimbeln sind normalerweise Glöckchen, manchmal auch Metallstäbchen oder Klangschalen, die mit kleinen Hämmern angeschlagen werden. Als die Ausstattung der Orgeln in der Renaissancezeit und vor allem im Barock üppiger und verspielter wurde, wurden Effektregister wie Kuckucksruf, Nachtigallenschlag oder eben der Zimbelstern eingebaut. „Stern“ heißt er deshalb, weil sich an der Schauseite der Orgel, dem Prospekt, meist ein Stern, manchmal eine Sonne dreht, wenn das Glockenspiel in Gang gesetzt wird. Er dreht sich, weil er über eine Achse mit der Schlagmechanik in Verbindung steht. Befindet sich das Glockenspiel ebenfalls am Prospekt, sind die vier bis sechs Glöckchen so angebracht, dass der sich drehende Stern sie über darauf montierte Hämmerchen anschlägt. Gero Kaleschke, der Orgelsachverständige der evangelischen Landeskirche, der der RHEINPFALZ die Funktionsweise des Zimbelsterns erklärt hat, betont, dass es nur wenige Gemeindelieder gebe, die standardmäßig vom Geläut des Instruments untermalt würden. Beispielsweise am Ewigkeitssonntag, dem Ende des einen und Beginn des nächsten Kirchenjahres sei die dritte Strophe von „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ prädestiniert für den Einsatz des Zimbelsterns, so Kaleschke. „Da gehen bei den Kindern die Augen doppelt so groß auf“, beschreibt er die Reaktion auf den besonderen Effekt, speziell zu Weihnachten. Weil der Zimbelstern vor allem zu dieser Gelegenheit zum Einsatz kommt, wird er von Organisten hin und wieder auch scherzhaft „Zimtstern“ genannt. In der Großkarlbacher Kirche sind die Glöckchen im Inneren der Orgel angebracht, klingeln hell und fein, wenn man das Register zieht. Ein Schaustück am Prospekt gibt es dort nicht. In Bobenheim-Roxheim „schwebt“ der Stern als höchster Punkt über den Orgelpfeifen und dreht sich, wenn die sechs Glöckchen im Inneren der in den 60er-Jahren erbauten Orgel in der Naturtonreihe ertönen. Unsere RHEINPFALZ-Fotografin Lena Furtwengler freut sich sehr auf das Orgelspiel beim Weihnachtsgottesdienst in der Kirche in Bobenheim-Roxheim. Sie hat den Zimbelstern dort schon oft gehört und findet, dass er das „Tüpfelchen auf dem I“ für die feierliche Stimmung an Weihnachten ist. Serie Kling, Glöckchen, klingelingeling – sie gehören zu Weihnachten wie Christbaum und Lichterglanz: Glocken. Die RHEINPFALZ-Lokalredaktion hat sich in und um Frankenthal auf die Suche nach ihnen begeben. Und ganz viele spannende Exemplare entdeckt.

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