Ludwigshafen
Schlongonges live: Comedienne Lisa-Marie Fritz im Kulturzentrum „Das Haus“
Absurde Alltagsgeschichten wie der fast dreitägige Geburtsvorgang mit ihrer Tochter, eine dank eines Stromzauns einer Ziegenweide reichlich angefasste Schwester, das Beziehungsgeflecht Vater-Tochter, Mutter-Tochter und mit ihrem „zukünftigen, geliebten Ex-Mann“: Mit ihrem ersten Programm „Themaverfehlung“ gastierte Lisa-Marie Fritz aka Schlongonges am Mittwoch im ausverkauften Dôme.
„Als ich nach Ludwigshafen noigefahre bin, ja da wusste ich: Ihr verschdeht mich – im Gegensatz zu annere Regione in Deutschland“: Mit diesen schwungvollen Worten holte Fritz am Anfang ihres begeistert gefeierten, dreistündigen Auftritts ihr überwiegend junges Publikum ab. Es war quasi ein Heimspiel für die aus dem unterfränkischen „Ascheberch“ (Aschaffenburg) angereiste Stand-Up-Comedienne, die bei Auftritten andernorts auch schon mal gerne als Pfälzerin angesprochen wird. Was nicht verwundert: Babbelt man in ihrer Heimat doch – dank der früheren Beziehungen der Kurmainzer Fürstbischöfe zur Stadt – Mainzer Dialekt.
„Wenn Männer nach dem Alter gefragt werden, stellen sie gerne Matheaufgaben“, stellt sie fest, nachdem sie sich zwei ältere Herren aus dem Publikum herausgepickt hatte, die ihr genaues Alter nicht gleich verraten wollen. Im Laufe des Abends sollten die beiden noch mehrmals virtuos in die Show miteingebunden werden. Wie auch das gesamte Publikum: „Klatsche, wenn euch das auch schon mal bassierd is“, forderte Fritz zum Mitmachen auf. Und tatsächlich klatschten schon bei der ersten Frage, „Wer ist an einem Tag zweimal geblitzt wor'n?“, ein paar Leute. Was Schlongonges noch dadurch toppen kann, dass sie fast zur selben Uhrzeit zweimal geblitzt wurde. Sie habe was zu Hause vergessen, sei gleich umgedreht und habe dann auch wieder den Blitzer vergessen.
Ihren Künstlernamen verdanke sie einer Freundin, die bei einem Besuch die Nase über ihre unordentliche Wohnung rümpfte, sie aufforderte, den „Schlembembes und Schlongonges“ mal wegzuräumen. Anfangs habe sie unter diesem Namen im Raum Miltenberg-Aschaffenburg in Fußgängerzonen und Büchereien gespielt, nichtsahnend, was die Dialektbezeichnung „Schlong“ eigentlich bedeutet – bis sie darüber aufgeklärt wurde. „Ich bin zwei Jahre lang mit einem Peniskünstlernamen aufgetreten“, gestand sie fassungslos.
2025 wurde bei ihr ADHS diagnostiziert. Ihre Mutter wusste das schon viel früher, habe jedoch nie was gesagt. Hennarote Haare habe ihre esoterische Mutter früher gehabt: „Des sah aus, als ob de Kopp brennt.“ Ein besonders bizarres Bild wurde ihr als Kind geboten, als ihre Mutter morgens direkt nach dem Aufstehen im Blümchennachthemd und mit wilden Haaren vom Küchenfenster aus den Kater, der gerade eine Blindschleiche im Maul trug, mit seinem Namen „Warsteiner!“ anbrüllte. Was im kleinen Dorf dank der Dachdecker auf dem Nachbarhaus gleich die Runde machte: eine Frau, die nach ihrem Morgenbier ruft. Ihre Mutter zog es später nach Mallorca. Was die Tochter freute: „Ein Umzug, wo du nicht helfen musst.“ Sie habe ihre Mutter besucht, um zu sehen, ob sie sich – auch sprachlich – eingelebt hat. „Meine Mudder hat sich im Supermarkt mit ,Arrivederci’ verabschiedet ...“ An ihren „Babba“ kann sie sich aber hilfesuchend immer wenden. Als in ihrem Opel Astra die „Aladin-Lampe“ auf dem Display anging, sei er gleich mit seiner Ölkanne gekommen.
Bei Newcomern taucht natürlich immer die Frage auf, ob es um ein One-Hit-Wonder handelt. Bei Lisa-Marie Fritz, die am 27. Februar 2027 mit ihrem neuen Programm „Venushügel“ ins Mannheimer Capitol kommt, stellt sie sich nicht.