Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Ritual bei den Stauffers: Glühweintrinken für den guten Zweck

Stimmungsvoll: der jährliche Glühweinabend bei Michael Brauch-Stauffer.
Stimmungsvoll: der jährliche Glühweinabend bei Michael Brauch-Stauffer.

Michael Brauch-Stauffer spricht eine private Einladung auf eine Tasse Glühwein aus – und mehr als 200 Besucher kommen nach Eppstein. Nicht nur sie macht er damit glücklich.

Solch einen Freundeskreis muss man erst mal auf einem Fleck zusammenbekommen. Um die 200 Menschen wollten Anfang des Jahres mit Michael Brauch-Stauffer und seiner Mutter Helga in Eppstein einen Glühwein trinken. Was vor 20 Jahren als eine spontane private Spendensammlung für die Opfer der Tsunami-Katastrophe in Südostasien gestartet war, ist heute ein fester Eintrag im Eppsteiner Terminkalender. Dann wird in nachweihnachtlicher Kulisse, die Michael Brauch-Stauffer alljährlich im elterlichen Hof in der Weidstraße einrichtet, ein wärmendes Getränk ausgeschenkt, und Peter Clemens gibt an seinem legendären Grillfahrrad Bratwürste aus.

Der Erlös des fröhlichen Abends geht nicht mehr in den fernen Osten. Seit 15 Jahren fährt eine Eppsteiner Delegation auf den Kleinsägmühlerhof, wo die Bad Dürkheimer Lebenshilfe ein inklusives Lebens- und Arbeitsprojekt lebt. 3141,51 Euro standen diesmal auf dem Scheck, den die Stauffers vor Ostern übergeben haben. Dokumentiert sind mittlerweile über 17.300 Euro, die die Glühweinabende erlöst haben. Die Gesamtsumme liegt deutlich darüber, Buch wird systematisch erst seit der Halbzeit geführt.

Michael Brauch-Stauffer (links) und seine Mutter Helga bei der jüngsten Scheckübergabe an Maria und Richard Danner auf dem Klein
Michael Brauch-Stauffer (links) und seine Mutter Helga bei der jüngsten Scheckübergabe an Maria und Richard Danner auf dem Kleinsägmühlerhof.

Eine gute Sache zu bedenken, ist ein schöner Nebeneffekt der geselligen Abende im Hof und in der Scheune der Stauffers. „In erster Linie geht es um die Atmosphäre, um einen schönen Abend für die Besucher und die Helfer“, erklärt Brauch-Stauffer. Um die 20 sind es, die dem 57-Jährigen mittlerweile zur Hand gehen. Mutter Helga (87) hatte heuer erstmals frei gehabt – auch wenn es ihr schwer fiel, sich einfach nur unter die Gäste zu mischen.

Einst Wellfleisch, heute Glühwein

Zu sehr ist sie es gewohnt, mit anzupacken und eine stattliche Gästeschar zu bewirten. Denn bei Stauffers ist seit jeher ein beliebter Treffpunkt in Eppstein. Früher waren es die Schlachtfeste, für die der mittlerweile verstorbene Vater Werner nicht nur seinen Sangesbrüdern von der Concordia den Hof öffnete. Er war es auch, der die nahegelegene Lebenshilfe vor 15 Jahren als Empfänger für den Erlös empfahl. Viele Jahre hatte er ehrenamtlich Fahrdienste für die beeinträchtigten Mitarbeiter im Hofladen, der Molkerei oder der Bäckerei geleistet, daraus sind bleibende Kontakte entstanden.

Peter Clemens steuert auf seinem Grillfahrrad die Bratwürste bei.
Peter Clemens steuert auf seinem Grillfahrrad die Bratwürste bei.

In der Spitze stießen mehr als 300 Freunde und Gäste aus Eppstein, Flomersheim und darüber hinaus vor der illuminierten Weihnachtsbudenkulisse mit einer Tasse Glühwein auf den wohltätigen Zweck an. An diesem kalten und stürmischen Januarabend waren es zwar einige weniger. Aber Rekorde aufzustellen, ist ohnedies nicht Brauch-Stauffers Ziel. „Es geht um das Gemeinschaftsgefühl, den Zusammenhalt“, wünscht er sich.

Und der funktioniert in der Weidstraße seit 20 Jahren. „Ohne große Worte“ bereite der Helferstab das Ambiente vor, baue Bänke auf, spüle Tassen, fülle Glühwein auf, räume die Stehtische ab. Mit auf viele Schultern verteiltem Aufwand wird seit 20 Jahren so eine beachtliche Wirkung erzielt – und die Lebenshilfe kann Jahr für Jahr mit einem Zuschuss zu den Betriebskosten rechnen.

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