Frankenthal „Riesling schmeckt dem Hai im See“

Freunde und Familie haben David Hällmeyer (Mitte, sitzend) und Stefan Scholz (rechts) für den Dreh am Silbersee mobilisiert. Kam
Freunde und Familie haben David Hällmeyer (Mitte, sitzend) und Stefan Scholz (rechts) für den Dreh am Silbersee mobilisiert. Kameramann ist Daniel Lindenschmitt.

Die beiden Frühsportler im neongrünen Partnerlook trauen ihren Augen nicht: Im Silbersee schwimmt ein etwa drei Meter großer Hai mit breitem Grinsen im Gesicht. Das aufblasbare Wassertier ist das wichtigste Requisit bei den Dreharbeiten zu einem Musikvideo des Akustik-Rock-Duos „Horsch mol hi“ an diesem Sonntagmorgen in Bobenheim-Roxheim.

Die zwei Jogger sind die Musikerkollegen Stephan Scholz und David Hällmeyer von „Horsch mol hi“. Mit Markus Merkler und Daniel Lindenschmitt vom Offenen Kanal (OK) Weinstraße, Studio Haßloch, produzieren sie derzeit ihr erstes Musikvideo. Titel des Stücks: „Hai-Alarm“. Seit der offiziellen Gründung und dem ersten großen Auftritt auf der Beindersheimer Kerwe im August 2015 geht es für das Duo stetig voran. Mit Gitarre, Cajon und frechem Gesang in „Pälzer Sprooch“ sorgen Scholz und Hällmeyer auf Festen in der Region inzwischen regelmäßig für gute Laune. Ein Höhepunkt dieses Jahres war der Auftritt auf dem Frankenthaler Strohhutfest. Anfang 2017 veröffentlichten die Musiker „Mer Zwo, vun do“, die erste Studio-CD mit zwölf Eigenkompositionen. „Hai-Alarm“ ist eine davon. In dem Song geht es um den Versuch eines Joggers, einen Hai fürs Beweisfoto anzulocken. Denn bis der Sportler die Kamera gezückt hat, ist der Raubfisch natürlich verschwunden. Die ultimative Lösung: In der Pfalz lockt man selbst Haie mit Riesling an. Die Idee zum Lied entstand beim Joggen um den See, erzählt das Duo. Das Drehbuch zum Video entwickelten die Musiker selbst. Tipps gab es für die Musiker aus Bobenheim-Roxheim wohl auch am Arbeitsplatz: Merkler vom OK und Scholz sind Kollegen bei Abbvie in Ludwigshafen. Um 9 Uhr in der Früh ist der Drehort an diesem Sonntag bereits mit rotem Baustellenband abgesperrt. Er liegt in einer Bucht „mit der besten Aussicht auf den See“, wie Gitarrist Scholz schwärmt. Hinter dem Absperrband liegen Weinkisten, Dubbegläser, ein Hai, Hai-Alarm-Schilder, Gitarre und Cajon verteilt. Merkler und Lindenschmitt vom Offenen Kanal schaffen die Technik für den Dreh heran. Für „Hai-Alarm“ stehen sie als Freunde mit Erfahrung im Produzieren von Filmen auch hinter der Kamera und geben Regieanweisungen. Um 10 Uhr geht’s dann los. Nicht nur die ersten Schlückchen Rieslingschorle sorgen für eine gute Stimmung am Set. Man kennt sich und versteht sich seit vielen Jahren. Nicole Berg, die Frau für Maske und Management, ist die Freundin des Gitarristen, Michael Scholz, Bruder des Gitarristen, fungiert als Hai-Betreuer, und Papa Scholz übernimmt die Fernsteuerung des Raubfischs. „Wir starten mit szenischen Drehs“, gibt Merkler durch. Alles muss im Kasten sein, bevor die Badegäste den See einnehmen. Kameras werden positioniert, Weißabgleich gemacht, Einsatz Hai. Auf das Kommando „Hai kann los“ schwimmt der Hauptdarsteller mit dem weißen Maul auf die Bucht zu, dreht ungeplante Linkskurven, darf eine Zeit lang treiben, wird vom Wind ins Ufergestrüpp geweht. Gelächter. Das kleine ferngesteuerte Boot, das dem Plastikhai um den Bauch geschnallt wurde, um ihn über die Wasseroberfläche zu bugsieren, kommt nicht immer gegen den Wind an. Michael Scholz, der den Rettungsschwimmer in Gold hat, kommt zum Einsatz, um den Hai unter den staunenden Blicken der Jogger Scholz und Hällmeyer durchs kühle Nass zu führen. Nach einer Aufnahme aus der Hai-Perspektive, die Andreas Kapper aus dem Freundeskreis mit der wasserdichten Kamera aufnimmt, ist es schon 13 Uhr. In einer Stunde soll die Abschlussszene des Films gedreht werden. Jetzt wird’s Zeit, die fröhlich musizierende Band am See und die Jogger, die den Hai mit Riesling am Ufer begrüßen, zu filmen. Richtig voll in der Badebucht wird es zur Abschlussszene um 14 Uhr. 20 junge Leute hat das Duo eingeladen, um eine ausgelassene Strandparty am Silbersee zu inszenieren. Gefeiert und getanzt wird jetzt auch ganz real. Das Pfälzer Duo sitzt musizierend davor und singt Zeilen wie „Riesling schmeckt dem Hai im See, unserm Hai im Silwersee...“. Auf Facebook postet das Duo am Sonntagabend, dass nach einem „fantastischen Drehtag“ am Silbersee das Musikvideo „fast komplett im Kasten“ sei. In sechs bis acht Wochen soll der Film geschnitten und mit Ton unterlegt sein. Dann ist er nach Aussage der Verantwortlichen beim Offenen Kanal und auf Youtube zu sehen.

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