Frankenthal
Radweg nach Frankenthal: Länger, dreckiger, riskanter
Radfahren macht nicht immer Spaß. Vor allem nicht bei herbstlich-stürmischem Schietwinter und stundenlanger Dunkelheit. Da ist man um jeden Meter froh, den man sich ersparen kann. So mancher, der auf diesem Weg aus Richtung Bobenheim-Roxheim in die Stadt kommen muss, beißt bei der Vorstellung von kurzen Wegen vor Verzweiflung in die Lenkstange. Denn selbst wer sportlich unterwegs ist, wird mindestens eine Viertelstunde länger brauchen im Vergleich zur bislang schnurgeraden Verbindung über die L523. Nicht nur neuerdings, sondern für die nächsten Monate.
Der Grund: Die Autobahn GmbH hat für die Dauer ihrer Bauarbeiten den direkten Weg gekappt, der bislang unter der Unterquerung der A6 in Richtung Wormser Straße geführt hat. Abenteuerliche, mitunter gefährliche Schlingerkurse von Rad- oder E-Scooter-Fahrern durch die Dauerbaustelle dort habe den Bauherrn gezwungen, die Notbremse zu ziehen, erläuterte ein Sprecher der Bundesgesellschaft auf Anfrage. Etliche Radfahrer hätten klare Beschilderungen vor dem abgesicherten Baustellenbereich ignoriert. Anstatt abzusteigen und ihr Rad durch den engen Durchgang zu schieben, hätten sie ungebremst in die Pedale getreten oder seien sogar unvermittelt auf die L523 ausgewichen. „Auch die später aufgestellten Umlaufsperren konnten an diesem unverantwortlichen, sich und andere gefährdenden Verhalten nichts ändern“, so der Sprecher.
Mitten durchs Baufeld
Als die Landesstraße im Spätsommer für Abrissarbeiten einige Tage lang gesperrt wurde, sind die Harakiri-Fahrten für die Projektverantwortlichen inakzeptabel geworden. Einzelne Radfahrer und Fußgänger seien an den Sperren vorbei mitten durchs Baufeld gefahren oder gelaufen – bei bröckelndem und herabrieselndem Beton ringsum. Seitdem ist die Autobahn GmbH nicht mehr bereit, das Unfallrisiko zu tragen. Bis zum Ende der Verbreiterung der Unterführung – avisiert im Frühjahr 2027 – geht ihr Verkehrssicherheit vor Bequemlichkeit.
Eine Alternativroute für Radfahrer ist mittlerweile ausgewiesen. Die ist allerdings so kurvenreich, langgezogen und mitunter verwirrend, dass sie allenfalls für diese schicksalsergebenen Verkehrsteilnehmer in Frage kommen dürfte, für Fußgänger dauert sie gefühlt eine Ewigkeit. Sie beginnt bereits im Süden von Bobenheim-Roxheim, wo Radler die letzte Chance haben, auf Höhe der Berliner Straße einigermaßen auf die andere Seite der L523 zu gelangen. Weil an dieser Kreuzung der östliche Parallelradweg aber noch nicht beginnt, geht es zunächst ums Karree Uhland- und Schillerstraße, ehe endlich auf diesen eingebogen werden kann.
Nächste Extraschleife
Das wäre dann die erste Extraschleife, die Schüler, Pendler und andere Radfahrer neuerdings – und für die nächsten Monate – drehen müssen. Denn auf dieser östliche Seite führt sie nur bis in Sichtweite der Unterführung unter der A6. Gute 200 Meter davor geht es seit jeher nicht geradeaus weiter, sondern in weitem Bogen parallel zur Autobahn in Richtung Mörsch. Erst dort besteht über den Pappelweg und die verlängerte Wilhelm-Hauff-Straße die Möglichkeit, sich dem Norden Frankenthals wieder zu nähern.
Nicht nur die zusätzlichen Kilometer bringen die Radfahrer auf Touren, sondern auch der Zustand des Wirtschaftswegs. Die obere Asphaltschicht ist auf so manchen Abschnitten großflächig abgeplatzt, Pfützen nach dem üppigen Niederschlag in diesem Herbst und Erdschollen von den Reifen der landwirtschaftlichen Traktoren tun ihr Übriges zum allgemeinen Verdruss. Die Radfahrt gleicht einem Slalom, die Hosenbeine einigermaßen sauber zu halten von dem braunen Spritzwasser bleibt eine tägliche Herausforderung.
Beleuchtung vorgesehen
Die Stadt hat wenigstens auf diese Bedürfnisse reagiert. Auch wenn sie für diese Wege eigentlich nicht zuständig ist, hat sie veranlasst, die Abläufe im Bereich der Unterführung unter der A6 bei Mörsch zu reinigen und die Leitungen zu spülen. Zur Sicherung der Böschung wurden Betonquader gesetzt, um zu verhindern, dass bei starken Niederschlägen Erdreich auf die Fahrbahn rutscht, informierte eine Sprecherin auf Anfrage weiter. Die unebene Oberfläche vor der Unterführung soll ausgebessert werden.
Auch in den bevorstehenden Wintermonaten will der Eigen- und Wirtschaftsbetrieb die Ausweichstrecke im Blick behalten. „Die Stadt steht in engem Austausch mit den betroffenen Landwirten, auch wenn die Zuordnung von Verschmutzungen im Einzelfall schwierig sein kann.“ Die Autobahn GmbH beteilige sich an den nicht näher bezifferten Kosten der bisherigen Maßnahmen und habe darüber hinaus angekündigt, entlang der Strecke eine Beleuchtung zu installieren, um die Sicherheit insbesondere in der dunklen Jahreszeit weiter zu erhöhen.
Gedränge auf dem Feldweg
Zusätzliche Geschwindigkeitsreduzierungen oder bauliche Querungshilfen sind an der Strecke laut Stadt nicht vorgesehen. Diese kämen an einer Stelle in Betracht, die Radfahrer aus dem Norden eigentlich gar nicht mehr erreichen sollten, wenn sie sich an die Umleitung weiter oben hielten: auf Höhe des AMC-Motocross-Geländes. Wer diese ignoriert, kommt in die Bredouille. Denn so weit südlich bleibt am Ende nur, die kerzengerade L523 zu kreuzen, wo noch Tempo 80 gilt – oder das ganze Stück zurückzuradeln. Erschwerend kommt hinzu, dass der Wirtschaftsweg in Richtung Mörsch auch bei manchem Autofahrer eine beliebte Abkürzung ist, was den verdreckten und holprigen Verkehrsweg noch enger und gefährlicher macht.
Mit den ersten Entschärfungen, um Radfahrern den beträchtlichen Umweg ein wenig zu erleichtern, ist auch ein Teil der Bedenken des Bobenheim-Roxheimer Beigeordneten Jens Becker (SPD) genommen. Er behält die Hoffnung, dass die Autobahn GmbH die durchgehende Sperrung bis 2027 noch einmal überdenkt und aktiv nach alternativen Lösungen sucht. „Der zusätzliche Umweg von rund 2,7 Kilometern ist für alle Radfahrer eine deutliche Belastung – insbesondere, wenn die Wege weiterhin verschmutzt bleiben“, formuliert er die Erwartungen politisch-diplomatisch. Und verweist auf die nächsten Anliegen: „Die aktuelle Sperrung des Wirtschaftsweges mittels Absperrgitter in Richtung Frankenthal kann nicht dauerhaft bestehen bleiben“, erklärt Becker. „Unsere Landwirtinnen und Landwirte müssen diese Wege spätestens im Frühjahr wieder uneingeschränkt nutzen können.“

