Frankenthal
Parksünder: Supermärkte setzen auf Technik
Verbraucherfalle, Abzocke, Wegelagerei: Diese Stichworte fallen häufig, seit Firmen bundesweit zunehmend Parkplätze von Supermärkten kontrollieren. Sie handeln im Auftrag der Betreiber, die den Parkraum für ihre Kunden freihalten wollen. Das ist auch in Frankenthal ein Thema. Die Edeka-Märkte Scholz und Stiegler beispielsweise arbeiten mit dem Münchener Unternehmen Parkdepot zusammen.
Schon 2015 – kurz nach der Neueröffnung seines Markts am Foltzring – hatte Sven Stiegler das Problem, dass häufig bereits morgens um acht der Parkplatz mit seinen 90 Stellplätzen halb voll war – mit Autos von Menschen mit dem Ziel Innenstadt. Bis 2017 Zunächst kümmerte sich ein Abschleppdienst um Fremdparker. „Alle fünf Stunden kam der Abschleppwagen“, erinnert sich Stieglers Vertriebs- und Einkaufsleiter Selahattin Göde.
„Wollen niemanden ärgern“
Bis vor zwei Jahren war das Parkplatzmanagement an ein Stuttgarter Unternehmen delegiert. Das habe Kontrolleure geschickt, die sofort Bußgelder verhängten, wenn die zulässigen zwei Stunden überschritten wurden, und laut Göde „extrem aggressiv“ agierten. Später habe die Firma dann auf Bodensensoren umgestellt, die per magnetischer Induktionsfeldmessung die Zeiten auf das Tablet der Kontrolleure übertrugen – ein System, das Göde im Nachhinein als „unzuverlässig und fehlerhaft“ bezeichnet.
Seit 2020 fahre man mit einem neuen Dienstleister, der Münchener Parkdepot GmbH, sehr gut. Wenn ein Kunde nachvollziehbare Gründe für die überzogene Parkzeit nennt, könne der Markt den Eintrag bei Parkdepot sofort löschen. Die Kunden seien zufrieden, sagt Göde. Er berichtet, dass die Firma die Auslastung der Stellplätze analysiert habe. Demnach könnten 60 Prozent vermietet werden. „Aber wir haben abgelehnt. Wir wollen mit der Parkraumüberwachung niemanden ärgern oder Geld verdienen, sondern für unsere Kunden Parkräume freihalten. Das Kerngeschäft ist der Edeka“, betont Vertriebsleiter Göde.
Kamera scannt Kennzeichen
Das System von Parkdepot erläutert dessen Sprecher Felix Stöhr so: Eine Kamera scannt die Kennzeichen der Fahrzeuge bei der Ein- und Ausfahrt. Im Falle einer eingehaltenen Parkzeit würden die Daten binnen 48 Stunden gelöscht – gemäß der europäischen Datenschutz-Grundverordnung. Dieses Verfahren habe auch die Dekra als datenschutzkonform zertifiziert. Wenn ein Fahrer die Parkzeit überziehe und als Falschparker identifiziert sei, würden Daten innerhalb der gesetzlichen Fristen aufbewahrt. Stöhr betont, dass dies ein kundenfreundliches System sei, das ohne Kontrolleure, Parkzettel, Schranken oder Parkscheiben auskomme. Letztere würden erfahrungsgemäß von mehr als der Hälfte der Kunden zu 60 Prozent nicht ausgelegt. Nach Stöhrs Angaben ist das 2019 gegründete Start-up-Unternehmen bundesweit in 200 Städten aktiv.
Nun hat auch Andreas Scholz vom Edeka-Markt in Flomersheim die Parkdepot GmbH engagiert – nachdem er zwei Jahrzehnte erfolglos gegen Dauerparker vorgegangen war. „Das Problem sind nicht die Pendler vom Haltepunkt nebenan, sondern mehr die Anwohner“, meint er. Er habe mit den Betreffenden das Gespräch gesucht, Zettel an die Windschutzscheiben gehängt und Verwarnungen geschrieben. „Ich bin nicht kleinlich. Aber ich zahle für den Parkplatz Pacht. Und die Kunden, die zunehmend älter werden, sind auf kurze Wege zum Markt angewiesen.“
Mieten möglich
Scholz, der in der Region drei weitere Märkte betreibt, hat den professionellen Überwacher zunächst vor einem Jahr in der Ludwigshafener Saarlandstraße ins Boot geholt. Der Test „lief reibungslos“, sagt er. Seit Mitte April ist Parkdepot auch in Flomersheim aktiv. Laut Scholz ist seitdem Schluss mit dem willkürlichen Fremdparken. Das Unternehmen hat wie im Fall Stiegler die Auslastung der Parkfläche analysiert. Einen kleinen Teil können Nachbarn nun direkt bei Parkdepot mieten – für rund 50 Euro im Monat. Scholz: „Das Angebot wird angenommen. Damit ist jedem geholfen.“
