Landtagswahl RHEINPFALZ Plus Artikel Nach Baldaufs Süßigkeiten-Aktion: Das sagen Wahlhelfer dazu

Wahlhelfer am Abend der Landtagswahl in der Friedenshalle in Großniedesheim.
Wahlhelfer am Abend der Landtagswahl in der Friedenshalle in Großniedesheim.

Eine Wahl wäre ohne Helfer nicht durchführbar. Allein in Frankenthal waren 400 Personen im Einsatz. Warum sie sich engagieren – und ob sie zwischendurch Süßes naschen.

Nicht alle der 400 Wahlhelfer, die bei der Landtagswahl am vergangenen Sonntag in Wahllokalen in Frankenthal und dem Umland im Einsatz waren, sind Ehrenamtliche gewesen. Doch ohne diejenigen, die sich freiwillig gemeldet haben, wäre es unmöglich, eine derartige Wahl über die Bühne zu bringen. Einen Mangel an Bereitschaft für dieses Amt gibt es im Stadtgebiet offenbar nicht.

„Die Bereitschaft aus der Bürgerschaft, ein Ehrenamt bei den Wahlen auszuüben, ist vorhanden“, sagt eine Sprecherin der Stadt. Es meldeten sich immer genug Freiwillige, um die Besetzung der Wahllokale sicherzustellen. Auch kurzfristige Ausfälle könne man so kompensieren. Die Stadt sieht das als „eindrucksvolles und wichtiges Zeichen für das Einstehen demokratischer Werte“.

Hat Süßigkeiten an Wahlhelfer verteilt: Frankenthals Landtagsabgeordneter Christian Baldauf (CDU).
Hat Süßigkeiten an Wahlhelfer verteilt: Frankenthals Landtagsabgeordneter Christian Baldauf (CDU).

Die Kritik an Christian Baldaufs (CDU) Aktion, am Wahltag Süßes an Wahlhelfern in den Wahllokalen zu verteilen, brachte auch viele Reaktionen aus dem Umfeld von Wahlhelfern hervor. „Ich bin seit vielen Jahren Wahlhelferin und habe mit Verwunderung die Kritik mehrerer SPD-Bürgermeister zur Kenntnis genommen, wonach das Verteilen von Süßigkeiten am Wahltag eine unzulässige Beeinflussung von Wählerinnen und Wählern darstellen soll“, schreibt Ingrid Weißmann in einer Reaktion an die RHEINPFALZ. Weißmann ist in der Kommunalpolitik aktiv, sitzt für die FWG etwa im Studernheimer Ortsbeirat, im Wahlbüro hat sie aber als Bürgerin gesessen.

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Weißmann: Ausdruck der Wertschätzung

Kleine Gesten, wie das Verteilen von Süßem, seien „in erster Linie ein Ausdruck der Wertschätzung gegenüber uns engagierten Menschen“. Sie glaube nicht, dass Bürger eine Wahlentscheidung aufgrund einer solchen Aufmerksamkeit träfen. „Unsere Demokratie lebt von Vertrauen in die Urteilsfähigkeit der Menschen – dies sollte nicht durch überzogene Vorwürfe infrage gestellt werden“, erklärt Weißmann.

Ähnlich kommentierten RHEINPFALZ-Leser in den sozialen Medien. Einer von ihnen, der angibt, jahrzehntelang Wahlhelfer gewesen zu sein, schreibt, es sei immer jemand vorbeigekommen, um Verpflegung vorbeizubringen. Viele empfinden es als Wertschätzung für die freiwillig aufgebrachte Zeit, für einen reibungslosen Ablauf der Wahl zu sorgen. Doch was motiviert Menschen, Wahlhelfer zu werden?

Neu dabei: „Die Wahl war super organisiert“

„Ich engagiere mich gerne ehrenamtlich, das mache ich bereits etwa beim Schulförderverein oder im Elternbeirat“, sagt Hans-Jürgen Reinholz. „Mir macht das Spaß, sich für die Gesellschaft zu engagieren“, begründet der 42-Jährige seine Motivation. Bei der Landtagswahl am Sonntag war er zum ersten Mal Helfer. „Wir leben in einer Demokratie und sollten das unterstützen, in vielen anderen Ländern ist das nicht möglich“, sagt Reinholz.

Aus Interesse an der Aufgabe hat er sich bei der Stadt angemeldet, kurz vor der Wahl an der Schulung teilgenommen und wurde im Wahllokal Flomersheim auch direkt als Wahlvorsteher eingesetzt. „Die Wahl war super organisiert von der Stadt“, sagt er. 7.30 Uhr sei bereits alles aufgebaut gewesen. Der ganze Ablauf bis hin zur Auszählung habe reibungslos funktioniert.

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Kaffee und Kuchen für Wahlhelfer

Über die Wertschätzung von Bürgern hat sich Reinholz gefreut. Verpflegung wurde für ihn nicht gestellt. Kaffee hat er sich selbst mitgebracht, eine andere Wahlhelferin hatte Kuchen dabei. Alle Helfer bekamen eine zweistündige Pause, in der sie zu Mittag essen konnten. Christian Baldauf sei kurz vorbeigekommen, habe Hallo gesagt und sei schnell wieder weg gewesen. Auch Wahlleiter Bernd Knöppel (CDU) habe kurz vorbeigeschaut. „Ich habe das als Wertschätzung für das Ehrenamt wahrgenommen“, sagt Reinholz. Bei der nächsten Wahl möchte er wieder mitmachen.

Eine Premiere war es auch für Johanna Orth und Yannik Scherf. Beide sitzen im Großniedesheimer Ortsgemeinderat, in dem die SPD die einzig verbliebene Fraktion stellt. „Ich wollte das schon immer mal machen“, erzählt die 25-jährige Orth. Als Kind sei sie immer mit ihrem Vater, dem früheren Ratsmitglied Michael Orth (ehemalige FWG), zur Beobachtung der Stimmenauszählung gegangen.

Wahlhelfer Scherf: „Dienst an der Demokratie“

Als anstrengend empfand Orth vor allem das Öffnen der Briefwahlunterlagen. „Ich glaube, ich habe 1200 Briefe geöffnet“, berichtet sie. Dass es im Wahllokal jede Menge erfahrene Leute gab, habe ihr den ersten Einsatz als Wahlhelferin erleichtert. Zum Thema Wertschätzung sagt sie: „Auf dem Dorf kennt man alle Leute. Die freuen sich, einen zu sehen, das ist besser, als etwas Süßes zu kriegen.“

Für Orths Freund, Yannik Scherf, der aus dem Ruhrgebiet stammt, war das Auftauchen von Christian Baldauf zunächst „irritierend“, er empfand es letztlich aber nicht als schlimm. Auch, weil zu dem Zeitpunkt kaum jemand im Wahllokal gewesen sei. Versorgt waren die Freiwilligen in Großniedesheim gut: Es habe Würstchen, Frikadellen und Brezeln gegeben. Nach getaner Arbeit wurde allen Pizza spendiert.

Scherf würde wieder als Wahlhelfer einspringen. Auch, weil Gemeinden bei Personalmangel Hauptamtliche abberufen müssen. „Ich finde, das ist neben dem eigentlichen Wählen ein wichtiger Dienst an der Demokratie: Das Möglichmachen des Demokratievorgangs“, sagt Scherf, der Politikwissenschaft studiert hat. Das sei ihm durch die Hilfe am Wahlabend bewusst geworden.

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