Landtagswahl RHEINPFALZ Plus Artikel Mit Baldauf lernt Schnieder die Frankenthaler im Schnelldurchlauf kennen

Ziehen für die CDU im Wahlkampf an einem Strang: Christian Baldauf (links) und Gordon Schnieder, hier im „Little Italy“ in Frank
Ziehen für die CDU im Wahlkampf an einem Strang: Christian Baldauf (links) und Gordon Schnieder, hier im »Little Italy« in Frankenthal.

Ein Händedruck, ein Foto, ein Lächeln: Spitzenkandidat Gordon Schnieder wirbt in Frankenthal um Stimmen für die CDU. Unterstützung gibt’s von Lokalmatador Christian Baldauf.

Ja, wo ist er denn, der Spitzenkandidat? Am Wahlkampfstand der CDU am Rand des Rathausplatzes in Frankenthal jedenfalls nicht. Es ist kurz nach halb eins, Mittagszeit in der Fußgängerzone, strahlender Sonnenschein. Auf die Nachfrage der RHEINPFALZ wandern die Blicke der Wahlkämpfer in Richtung Speyerer Straße. Da irgendwo im Getümmel muss er sein, schon längst im Einsatz und auf Betriebstemperatur: Gordon Schnieder, Landeschef der rheinland-pfälzischen CDU, der Alexander Schweitzer (SPD) als Ministerpräsidenten ablösen will.

An diesem Mittwoch sind es noch 18 Tage bis zur Landtagswahl am 22. März. Schnieder ist in Frankenthal unterwegs – nicht allein, sondern im Doppelpack mit Christian Baldauf, CDU-Direktkandidat im Wahlkreis 35, der seinen Sitz im Landtag verteidigen möchte. Baldauf war 2021 selbst Spitzenkandidat und Parteichef, 2024 übernahm Schnieder dann von ihm den CDU-Vorsitz. Zwei, die jetzt zeigen wollen, dass die Union geschlossen auftritt. Vergangenheit ade.

Wahlkampf in der Fußgängerzone

Es dauert, bis Schnieder und Baldauf am Rathausplatz ankommen. An fast jeder Ecke bleiben sie stehen und suchen das Gespräch. Baldauf stellt den Frankenthalern seinen Parteikollegen vor. An seiner Seite lernt Schnieder die Stadt im Eiltempo kennen. Ein Händedruck, ein Lächeln, ein Foto, ein Flyer.

Gordon Schnieder (blauer Anzug) beim Wahlkampf in der Frankenthaler Fußgängerzone.
Gordon Schnieder (blauer Anzug) beim Wahlkampf in der Frankenthaler Fußgängerzone.
CDU-Spitzenkandidat Gordon Schnieder im Gespräch mit Passanten.
CDU-Spitzenkandidat Gordon Schnieder im Gespräch mit Passanten.
Auch das gehört zum Wahlkampf dazu: der Bollerwagen mit Flyern, Stiften und Co.
Auch das gehört zum Wahlkampf dazu: der Bollerwagen mit Flyern, Stiften und Co.
Demonstrieren Geschlossenheit: CDU-Direktkandidat Christian Baldauf (links) und CDU-Spitzenkandidat Gordon Schnieder im "Little
Demonstrieren Geschlossenheit: CDU-Direktkandidat Christian Baldauf (links) und CDU-Spitzenkandidat Gordon Schnieder im „Little Italy“ in Frankenthal.

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Alles, was wichtig ist, damit sich die Menschen einen Eindruck machen können, wer Gordon Schnieder ist. Und alles, was wichtig ist, damit er ihnen erklären kann, was er besser machen will, wenn die CDU tatsächlich die Landtagswahl gewinnen sollte. „Bis vor ein paar Tagen kannte ich den Herrn gar nicht, nur den Christian“, sagt eine ältere Frankenthalerin, die nicht namentlich genannt werden möchte.

Schnieder: „Tolle Gespräche in Frankenthal“

Blauer Anzug, weißes Hemd, keine Krawatte. Ohren und Wangen sind leicht gerötet, aber Schnieder wirkt nicht gehetzt, als er den Wahlstand am Rathausplatz erreicht. Lange bleibt er nicht. Carmen Noppenberger zeigt ihm ihr Geschäft „Mode am Rathausplatz“. Und wieder macht der 50-Jährige die Runde. Der RHEINPFALZ wird er später von „tollen Gesprächen“ berichten. Zurückhaltend gibt er sich, bodenständig, hemdsärmelig.

Schließlich zieht der Tross weiter ins „Little Italy“. „Die Stimmung hier in Frankenthal ist toll, damit gehen wir in die nächsten 18 Tage und wuppen das“, sagt Gordon Schnieder im Lokal. Hier ist er von Tisch zu Tisch gegangen, stellt sich vor. Er und Baldauf sprechen zu ihren Unterstützern und den Mittagstischgästen. Letzterer hat im Land eine „Wechselstimmung“ ausgemacht. Und Schnieder betont: „Wir liegen immer noch stabil vorn.“

Kandidatenpflicht: Zuversicht verbreiten

Umfragen zeichneten zuletzt mal das Bild eines Kopf-an-Kopf-Rennens zwischen CDU und SPD, mal sehen sie die Union knapp in Front. Aber egal, ob die Genossen jetzt deutlich aufgeholt haben oder nicht – hier im „Little Italy“ ist man sich sicher, dass es nur einen Sieger geben kann: Schnieder und die CDU im Land, Baldauf in Frankenthal. So kurz vor einer Wahl ist es die oberste Kandidatenpflicht, Zuversicht zu verbreiten – und über Themen zu sprechen, die gut ankommen.

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Als Schnieder KI-gestützte Videoüberwachung in Städten fordert, um das subjektive Sicherheitsgefühl zu stärken, gibt es Applaus. Er sagt: „Messerkriminalität ist keine deutsche Kriminalität, sie ist eine zugewanderte Kriminalität.“ Und wieder wird geklatscht. Viel Beifall bekommt der Mann aus der Vulkaneifel auch, als er über die Bildung spricht. Rheinland-Pfalz sei ein „Abstiegsland“, er fordert ein verpflichtendes letztes Kita-Jahr.

Kritik an Fördertöpfen des Landes

Und dann ist da noch dieses eine Thema, das vermutlich schon vielen Kommunalpolitikern schlaflose Nächte bereitet hat: die Finanzausstattung der mittlerweile chronisch darbenden Kommunen. Martin Schuff, CDU-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat, fragt kritisch nach der Vielzahl der Fördertöpfe und Programme des Landes.

Schnieder antwortet mit einem Bild, das hängen bleibt: „Wir müssen aus dem süßen Gift raus.“ Will heißen: Es gebe für die Landesregierung „weniger Hochglanzfotos“ bei den Übergabeterminen. Fördergelder für Dorfbrunnen? Braucht man nicht. Was man dagegen brauche, sei eine Bevorratung von Gewerbeflächen.

Spätestens um 14.15 Uhr müsse Schnieder weg, heißt es vom Wahlkampfteam. Es ist dann 14.30 Uhr, als er durch die Tür des „Little Italy“ geht. Ja, wo ist er denn, der Spitzenkandidat? Auf zum nächsten Termin.

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