Lambsheim RHEINPFALZ Plus Artikel Milde Strafen nach brutaler Attacke – Angeklagte schlagen auf der Straße zu

Prozess wegen Schlägerei in Lambsheim: Die Angeklagten (außen) mit ihren Anwälten (von links) Felix Theobald und Falco Hoffmann.
Prozess wegen Schlägerei in Lambsheim: Die Angeklagten (außen) mit ihren Anwälten (von links) Felix Theobald und Falco Hoffmann.

Ein Mann wurde im März 2025 in Lambsheim auf offener Straße krankenhausreif geschlagen und getreten. Zwei Männer kommen vor dem Amtsgericht trotzdem mit Verwarnungen davon.

Der Prozess vor dem Frankenthaler Amtsgericht ist erst wenige Minuten alt, da geht einer der beiden Angeklagten in die Offensive. Der 19-Jährige gesteht deutlich: „Es war nicht richtig, zu einhundert Prozent, es war ein Scheißverhalten.“ Was er damit meint, hat Staatsanwältin Nicole Johannböke kurz zuvor in ihrer Anklage geschildert. Danach war der 19-Jährige am 2. März 2025 nachts mit seinem ein Jahr älteren Kumpel in Lambsheim unterwegs. Gegen 1 Uhr hätten die beiden randaliert, ein Gartentor beschädigt und seien weggelaufen. Als der Hausbewohner die jungen Männer verfolgte und zur Rede stellen wollte, hätten die beiden den Mann geschlagen, zu Fall gebracht und ihn getreten, als er am Boden lag. Auch einem Mann, der dem Opfer zu Hilfe kommen wollte, hätten die Angeklagten ins Gesicht geschlagen. Dem Älteren wird noch Widerstand und Beleidigung gegen Polizeibeamte vorgeworfen.

Tritte überallhin

Die Opfer treten vor Gericht als Nebenkläger auf. Der Hausbewohner erinnert sich noch gut an die Geschehnisse in der Nacht auf den Fasnachtssonntag 2025. Die Angeklagten hätten mit einem Stock gegen das Hausfenster geschlagen und gefragt: „Hast du mal 50 Euro?“ Der 49-Jährige habe sie verscheucht, dann hätten die beiden randaliert. „Ich bin ohne Schuhe auf die Straße gelaufen und habe gefragt, ob sie nichts Besseres zu tun haben“, schildert der Lambsheimer. Dann wurde er angegriffen: „Faustschläge und Tritte überallhin“, habe er erlitten, schildert er. Er habe Angst gehabt und um Hilfe geschrien.

29-Jähriger reagiert schnell

Ein 29-Jähriger war gerade mit dem Taxi von der Frankenthaler Straßenfastnacht auf dem Rückweg nach Hause, als er sah, wie ein Mann am Boden lag, berichtet er als Zeuge. Zunächst vermutete er ein Problem durch Alkohol, doch dann habe er gesehen, wie der Mann am Boden erneut von den Angeklagten attackiert wurde. Einer der Männer habe dann auch ihn geschlagen. Dann seien die Angreifer geflüchtet, weil sie dachten, dass die Polizei kommt. Der 29-Jährige brachte das stark blutende Opfer ins Haus und alarmierte Krankenwagen und Polizei, die wenig später die Täter festnehmen konnte.

Der zur Hilfe geeilte Mann erlitt eine Verletzung an der Augenbraue, die genäht werden musste. Schlimmer erwischte es das erste Opfer. Der 49-Jährige hatte schwere Prellungen am ganzen Körper. An der Augenhöhle musste ein Knochenbruch operiert werden. Die Schmerzen dauerten wochenlang, doch immerhin: „Ich habe keine Folgeschäden“, sagt er vor Gericht.

Angeklagten mit grben Erinnerungen

Die Angeklagten haben nur grobe Erinnerungen an die Tat. Bei dem 20-Jährigen stellte die Polizei zwei Promille Alkohol im Blut, bei dem 19-Jährigen knapp 1,6 Promille fest. Bei dem Jüngeren fanden sich außerdem Spuren von Cannabis- und Kokainkonsum. Drogen nehme er nun keine mehr, beteuert er vor Gericht. Für seine Tat entschuldigt er sich: „Das war ekelhaftes Verhalten, ich sollte mich schämen, so sind wir nicht.“ Mit einem Handschlag bittet er in einer Gerichtspause die Opfern um Entschuldigung. Der ältere Angeklagte räumt die Tat ebenfalls ein, auch den ihm zur Last gelegten Widerstand gegen Polizeibeamte. „Wir waren sehr alkoholisiert“, ergänzt er.

Polizei und Justiz hatten mit den Angeklagten bereits mehrfach zu tun, meist wegen Körperverletzungen. „Bisher wurde er immer wieder rückfällig“, sagt Staatsanwältin Nicole Johannböke mit Blick auf den 19-Jährigen und fordert für ihn sechs Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung. Für den 20-Jährigen reiche eine Verwarnung aus, weil er nach einem Anti-Gewalt-Kurs nicht mehr negativ aufgefallen sei. Der Anwalt der Nebenklage spricht von „erschreckender Brutalität“ und schließt sich der Staatsanwältin an. Die Verteidiger, Felix Theobald und Falco Hoffmann, sehen die Geständnisse ihrer Mandanten als Argument für milde Strafen.

Richterin: Nicht „rumgeeiert“

Richterin Alena Dincher sagt, dass trotz gefährlicher Körperverletzung für die Angeklagten Verwarnungen ausgesprochen werden. „Sie kriegen nochmal eine Chance“, meint die Richterin, findet aber auch klare Worte: „Die Tat war absolut verachtenswert, zu zweit eine Person anzugreifen, ist der absolute Gipfel.“ Beide Angeklagten hätten aber bei den Geständnissen nicht „rumgeeiert“. Sie müssen Schmerzensgeld zahlen. Vom 20-jährigen erhält das Opfer 1500, vom 19-jährigen 1000 Euro. Der zu Hilfe geeilte Mann bekommt einmal 200 und einmal 100 Euro. Rechtskräftig ist das Urteil noch nicht.

Überraschend ergreift zum Schluss der 19-Jährige das Wort: „Ich bedanke mich bei euch allen“, ruft er und ist offenbar dankbar für das milde Urteil der Richterin.

Mehr zum Thema
x