Ludwigshafen
Milan Peschel als hanseatischer Columbo
Milan Peschel ist gewiss auch ein Kandidat für den Preis für Schauspielkunst. Ein Star, der das Publikum nicht nur zu unterhalten und zu belustigen, sondern unbedingt auch zu berühren versteht und vor den Bildschirm wie ins Kino zu holen vermag, ist er längst – das wurde auf dem Ludwigshafener Festival des deutschen Films offenbar.
Wie sich das Star-Dasein auf dem gerade an den Wochenenden übervollen Festivalareal auf der Parkinsel gestaltet, beschrieb der erfolgreiche Berliner Schauspieler vor Ort mit einer gewissen Freude daran, die Veranstaltung spaßeshalber ein wenig durch den Kakao zu ziehen.
Ganze zehn Minuten, überschlug er großzügig, habe die Autofahrt vom südlichen Ende des umzäunten Geländes bis zum doch nur wenige 100 Meter entfernten roten Teppich in Anspruch genommen. „Das scheint normal zu sein, dass hier so die Käfige durchgefahren werden“, so Peschel über den Antransport der prominenten Festivalgäste durch die Menge der Besucher. „Ich war froh, dass es nicht geruckelt hat, denn das heißt, dass wir niemanden überfahren haben.“
Den von zahlreichen Autogrammsammlern, Fans und Schaulustigen umringten roten Teppich erreichte er zusammen mit Isabell Polak, seiner Schauspielpartnerin im neuen ZDF-Krimi „Danowski: Neunauge“. „Das war echt toll, wie die Leute sich da gefreut haben, als wir ausgestiegen sind, und Fotos machen wollten und immer ,Huhu’ geschrien haben. Wie in der Geisterbahn, so ein bisschen. Es ist ein schönes Publikumsfestival, das merkt man. Fehlen nur noch die Karussells und die Buden, wo man einen Teddy schießen kann.“ Dass auf der Parkinsel kein Popcorn verkauft wird, schätzte der 57-Jährige, der das cineastische und kulinarische Angebot des Ludwigshafener Festivals knapp mit „Film und Flammkuchen“ zusammenfasste.
Mit einem großen Publikum im Rücken steigerte sich auch Peschels Vergnügen, sich selbst auf der Leinwand zu betrachten. „Das hat richtig Spaß gemacht, das mit so vielen Leuten zusammen zu gucken, die alle so viel Freude daran hatten, den Film zu sehen“, urteilte er nach der Vorstellung. Er war nicht zum ersten Mal auf dem Festival, aber sein letzter Besuch liegt Jahre zurück. „Es ist schön, wieder hier zu sein. Ich habe schon alles von Ludwigshafen gesehen, was ich letztes Mal gesehen hab.“
Auch mit im Boot: der Star der Eberhofer-Krimis
Jahre her ist auch der TV-Krimi „Blutapfel“, die erste Verfilmung eines „Danowski“-Romans von Till Raether. Damals wie heute zum Drehbuch umgeschrieben und produziert von ein und derselben Frau, die im Vorspann unter zwei verschiedenen Namen gelistet ist: in der einen Funktion als Annette Reeker und als Autorin unter ihrem Pseudonym Anna Tebbe. Und damals wie heute mit Peschel in der Titelrolle des hypersensiblen Hamburger Kommissars Adam Danowski, der im neuen Fall als „absoluter Eigenbrötler“ beschrieben wird. So urteilt jedenfalls Sebastian Bezzel, der Star der „Eberhofer“-Krimis, als bayerischer Profiler in der Hansestadt.
Assoziationen zu Inspektor Columbo, die dieser stets zerstreut und tollpatschig wirkende, eigensinnige Danowski weckt, kommen nicht von ungefähr, bestätigte Milan Peschel in Ludwigshafen. Er habe eine ganze DVD-Box mit der US- Krimiserie, die längst Klassikerstatus erreicht hat, zu Hause. „Und das Tolle ist, Columbo und Danowski werden immer unterschätzt. Da fühle ich mich irgendwie zu Hause“, lacht der Schauspieler auf der Parkinsel und erntet Gelächter. Columbos legendärer zerknitterter Trenchcoat findet sich in der neuen Folge als Adam Danowskis zerknitterter Leinenanzug wieder, zu dem Milan Peschels knautschig bewegliche Mimik ausnehmend gut passt.
Bezzel, der Kollege aus Bayern, ist für ihn nur „der Bazi“. Aber gerade in fruchtbarer Zusammenarbeit mit ihm, vermag er das Rätsel um drei mumifizierte Leichen und das fischähnliche lebende Fossil „Neunauge“ zu lösen, das dem Film wie Till Raethers zugrundeliegenden Roman den Titel gibt. Insgesamt sechs weitere Danowski-Krimis hat der gebürtige Koblenzer bislang veröffentlicht. Genug Stoff also für weitere Fernsehkrimis mit Peschel.
Termine
Zu sehen ist „Danowski: Neunauge“ auf dem Festival Dienstag, 2. September, 13 Uhr, und Donnerstag, 4. September, 21 Uhr.