Frankenthal Loops und Beats

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Elektronischen Dreampop gab es am Dienstagabend im Frankenthaler Kulturzentrum Gleis 4 zu hören. Auch wenn das Berliner Duo Mental Bend nur gut 25 Zuhörer anlockte, muss man den Veranstaltern zu ihren Mut gratulieren. Vergleichbares wird sonst nur in weitaus größeren Städten geboten.

Das verrät schon ein Blick auf den Tourplan der Band. Am Montagabend stand ein Auftritt in Köln auf dem Programm, gestern spielten Franziska „Sissi“ Plückhan und Hendrik Havekost in Stuttgart. In der von Schorlerock und Coverbands geprägten Musiklandschaft Frankenthals wirken die beiden wie ein musikalisches Ufo. Statt Schlagzeug und Gitarren stehen ein Midi-Pad-Controller, ein Laptop und ein Keyboard auf der Bühne. Vertrauter ist da schon der Bass, den sich Plückhan umhängt, als sie ihren Platz an den Tasten einnimmt. Während auf einer Leinwand hinter der Bühne Filmaufnahmen von Wäldern und New Yorker Wolkenkratzern flimmern, startet der Trip. Der Sound der Berliner erinnert an die Hamburger Band Hundreds: Stimme, Bass und Klangflächen werden in Loops und Beats eingebettet und verweben sich zu Songs, die – unterstützt vom hauchenden Gesang Plückhans – meist zerbrechlich erscheinen. Während Havekost über seinen Midi-Controller Drummuster spielt, Effekte steuert und Samples startet, sorgt Plückhan für die Melodien und Harmonien. Die Texte, die hauptsächlich aus der Feder von Plückhan stammen, treten da fast in den Hintergrund. Sechs Titel umfasst die im April erschienene Debüt-EP, die bei Konzerten auch als CD verkauft wird. Die Songs, die live gespielt beinahe nahtlos ineinander übergehen, brechen zwar nicht mit bekannten Hörgewohnheiten, erfordern aber trotzdem ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit, um sich festzusetzen. Und so ist es kein Wunder, dass das handverlesene Publikum konzentriert zuhört. Jeder scheint für die Dauer des Konzerts in seine eigene Traumwelt versunken zu sein. Nach einer knappen Stunde und einer kleinen Zugabe entlassen die beiden die Frankenthaler, die sich mit langanhaltendem Applaus bedanken, in die Wirklichkeit. Ganz unbekannt sind die Musiker in der Region nicht. Franziska Plückhan, die in den USA geboren und auf drei Kontinenten aufgewachsen ist, und Hendrik Havekost haben sich beim Studium in Mannheim kennengelernt und sind auch privat ein Paar. Beide spielen zusammen in der Indie-Band Teleidoscope. Bei einem Auftritt der Gruppe hat Beate Vogel vom Gleis 4 die Beiden kennengelernt. Wie Plückhan erzählt, haben sie sich Anfang 2013 dazu entschlossen, als Gruppe Mental Bend ihrer Vorliebe für elektronische und experimentelle Musik Raum zu geben. Parallel zu den Konzerten arbeitet das Duo, das inzwischen nach Berlin umgezogen ist, am ersten „richtigen“ Studioalbum, das Anfang 2015 erscheinen soll. „Mannheim war mit seiner musikalischen und kreativen Infrastruktur ein sehr guter Startpunkt für uns“, sagt Plückhan. „Allerdings kommen wir beide nicht aus der Gegend. Im Vergleich zu Mannheim hat Berlin dann doch noch einiges mehr an ungeöffneten Türen zu bieten.“ Während man dem Duo auf seinem weiteren Weg nur viel Erfolg wünschen kann, ist zu hoffen, dass das Kulturzentrum Gleis 4 mit steigender Bekanntheit junge Menschen aus den umliegenden Unistädten anlockt. In Frankenthal scheint es noch an Menschen zu fehlen, die sich auch mal unter der Woche ein Konzert wie das von Mental Bend anhören können.

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