Frankenthal Liebeserklärung an die Kurpfalz

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Mit einer bemerkenswerten Bandbreite künstlerischer Ausdrucksformen präsentierte Anna Krämer am Mittwoch im Frankenthaler Theater Alte Werkstatt ihr neues Soloprogramm. Die charmante Entertainerin verzauberte mit gefühlvoll interpretierten Songs und gab auch Kostproben ihres komödiantisch-kabarettistischen Talents.

Mit den rund 80 Besuchern ging die „Schöne Mannheims“ gleich zu Beginn auf Tuchfühlung, bahnte sich einen Weg durch die Sitzreihen und schmeichelte sich mit „Ihr seid die Crème de là Creme“ ein wenig ein. Wer wollte ihr schon das Bekenntnis abnehmen, dass sie vor Lampenfieber „gleich aus der Bux springt“? Auch das selbstironische Kokettieren mit dem Alter gehört bei der 46-Jährigen zum Geschäft, wenn sie scherzhaft von „Google maps auf den Beinen“ spricht. Doch ihre Kernkompetenz ist ohne Zweifel der ausdrucksstarke Gesang, wenngleich die musikalische Begleitung diesmal aus der Konserve kam. Anna Krämers plausible Erklärung: „Ich habe alle Pianisten rund gemacht, sie wurden auf CD gepresst.“ Sanfte Töne schlug sie bei „My Baby Just Cares For Me“ von Nina Simone an, um dann beim „Duft von Freiheit“ in Melancholie zu verfallen, hat sie das Lied doch jenen Jugendlichen gewidmet, die auf der Schattenseite stehen und das Spiel des Lebens verloren zu haben scheinen. Der „Spatz von Paris“ und der legendäre Ohrwurm „La vie en rose“ durften nicht fehlen. Schließlich war Krämer vor einigen Jahren mit großem Erfolg in die Rolle der Edith Piaf geschlüpft. Auch bei aktuellen Songs wie „Hoffnungslos Hoffnungsvoll“ von Joris stellte sie ihre stimmliche Modulationsfähigkeit unter Beweis. Einen Gruß himmelwärts zu dem unvergessenen Udo Jürgens schickte sie mit der nachdenklich stimmenden Ballade vom gekauften Drachen, der nicht einmal halb so weit fliegt wie ein selbstgebauter. Dass Anna Krämer dem Volk – speziell dem mit dem Kurpfälzer Zungenschlag – aufs Maul schaut, war bei ihren mitten aus dem Leben gegriffenen, mitunter deftigen Texten nicht zu überhören. Urkomisch ihr Telefonat mit Harry Hase vom Kaninchenzuchtverein, der sie „als Professionelle“ für einen eher provinziellen Auftritt engagieren wollte. Auch der Dialog im Wartezimmer eines Arztes, bei dem ein harmloser Husten als lebensbedrohlich dramatisiert wurde, hatte durchaus Realitätsbezug. Die Szene als Testkäuferin bei Subway gab der Künstlerin die Möglichkeit, ihre schauspielerischen und parodistischen Qualitäten voll auszukosten. Das Publikum lachte Tränen. So gar nicht zum Weinen waren ihre musikalischen Ratschläge zur biologischen Gartenpflege, den Buchsbaumzünsler inbegriffen. „Unkraut gibt es nicht, das ist Spontanvegetation“, lautete die alternative Botschaft. In dem steten Bemühen, jung und dynamisch zu bleiben, hatte sich Anna Krämer auch neue Begriffe einverleibt. Da wurde aus Piercing ein Blechpickel und aus dem USB-Stick ein Datenzipfel. Passend dazu die Mundart-Rocknummer „Isch hab kee Luscht mehr uff des Gedöns“. Vom romantischen „Magic in Your Eyes“ und dem aufmunternden „Setz’ die Segel jetzt, bevor der Wind sich dreht“ schlug Krämer den Bogen zu einer Liebeserklärung an Mannheim, die sie – ganz Profi – in einigen Versen auf das reizende Frankenthal umtextete. Und bei der Zugabe, bei der sie sich zusammen mit dem als Kellner fungierenden TAW-Chef Jürgen Hellmann getreu dem Motto „Der letzte Schluck war zuviel“ den Abend und das Publikum schöntrank, entpuppte sich die Krämer als wahre Ulknudel. Wiedersehen macht Freude.

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