Frankenthaler Umland
Landfrauen: Was sie leisten und was sie bewegt
Waltraud Gögel wirkt ein wenig überrascht, dass die RHEINPFALZ wissen will, wie es den Heuchelheimer Landfrauen so geht und was sie beschäftigt. Sie denkt eine Weile nach und hat dann recht viel zu berichten. Da ist zunächst einmal das bevorstehende Jubiläum. „Wir feiern am 26. April unser 75-jähriges Bestehen“, sagt Gögel. „Das heißt: Wir waren eine der ersten zum Landfrauenverband gehörenden Ortsgruppen.“ Die Gruppen heißen inzwischen Ortsvereine. In der Pfalz gibt es davon rund 200.
Die Heuchelheimer Vorsitzende zählt die Jahresaktivitäten ihres Vereins auf: Koch- und Bastelkurse, Ausflüge, Info- und Spieleabende, Radtouren, Wanderungen, Theaterbesuche. In diesem Jahr geplant sind unter anderem eine Führung durchs RHEINPFALZ-Druckzentrum in Oggersheim und ein Besuch der ESA Darmstadt, des Kontrollzentrums der Europäischen Weltraumorganisation. Die Beispiele zeigen: Bei den Landfrauen bekommt man ein vielseitiges Freizeit- und Bildungsangebot. Und die Kochkurse, die fälschlicherweise noch oft als Hauptzweck der Landfrauen angesehen werden, beschäftigen sich nicht nur mit Dampfnudeln und Kartoffelrezepten, sondern auch mal mit der Küche exotischer Länder wie Indien.
Gruppe wird älter und älter
„So ein Jahresprogramm ist viel Arbeit“, sagt Waltraud Gögel, „aber wenn in der Regel zwischen 25 und 30 Leute kommen und man dann immer in fröhliche Gesichter blickt, ist das sehr schön.“ Gögel hadert damit, dass die Heuchelheimer Gruppe mit aktuell 59 Mitgliedern immer älter wird. Aber dagegen will der siebenköpfige Vorstand jetzt etwas mehr tun als bisher: „Wir wollen unsere Homepage überarbeiten und uns auf Facebook und Instagram präsentieren. Drei Frauen machen sich dafür gerade fit.“ Gögel weiß, warum es früher mehr junge Frauen in den Landfrauenvereinen gab: „Früher sind Mütter nicht so oft arbeiten gegangen.“ Trotzdem spürt sie in ihrer Gruppe einen neuen Schwung. „Wir sind auf gutem Weg nach oben.“
Anders in Beindersheim. Da fürchtet der fünfköpfige Vorstand um Inge Mecke, dass dem nur noch 38 Mitglieder angehörenden Verein mit einem Altersdurchschnitt von 67 Jahren über kurz oder lang die Auflösung droht. So wie es in den letzten 15 Jahren einigen Landfrauenvereinen in der Region beschieden war, zuletzt dem in Großkarlbach. Die 40 Jahre alte Beindersheimer Gruppe, der auch zwei Männer angehören, ist nicht im Internet präsent, musste ihre Teilnahme an der Kerwe einstellen und wünscht sich mehr jüngere Mitglieder und Gäste bei den Aktivitäten, zu denen regelmäßige Frühstückstreffen in der Seniorenstube gehören. „Unsere Krimilesung im vergangenen Jahr wurde auch gut angenommen“, erinnert sich Mecke.
Aufgaben werden gut verteilt
Im „mittleren Rentenalter“ sind laut Hede Wahl auch die 72 Gerolsheimer Landfrauen. „Mit Nachwuchs sieht es schlecht aus“, sagt Wahl, die ihr Führungsamt 2021 von der langjährigen Vorsitzenden Helma Weyer übernommen hat, denn „eine muss halt den Kopf hinhalten“ bei so einem Verein. Immerhin hat sie Hilfe von acht weiteren Frauen. Nach ihrem Prinzip, die Aufgaben im Vorstand gut und verbindlich zu verteilen, verfahren auch die anderen Ortsgruppen.
Vorträge und Bastelkurse seien in Gerolsheim nicht so gefragt, meint Wahl, „aber wenn’s ums Essen geht, werden die Angebote gut angenommen“. Das betrifft nicht nur Kurse, sondern auch Bewirtungen. Die meisten Landfrauenvereine sind zur Stelle, wenn im Dorf Schnittchen oder Kaffee und Kuchen gebraucht werden, „auf die kann man sich verlassen, heißt es oft“, berichtet Wahl. Weitgehend zurückgezogen haben sich viele Gruppen hingegen von der Teilnahme an Festumzügen, und auch drei oder vier Tage lang einen Kerwestand zu betreiben, gelingt den meisten nicht mehr.
Vortrag über K.o.-Tropfen
Am Kerwemontag mehrere Hundert Dampfnudeln zu backen, das ist bei den Bobenheim-Roxheimer Landfrauen allerdings noch Tradition. Teamchefin Gudrun Hiller erzählt, dass dann Vereinsmitglied und Bürgermeister Michael Müller (SPD) kommt und etliche Dampfnudeln für die Gemeindeverwaltung abholt. Hiller sieht das zwölfköpfige Vorstandsteam gut ausgelastet mit dem Jahresprogramm für 105 Mitglieder und all die Gäste, die mitkochen, mitwandern oder sich einen Vortrag anhören wollen.
„Im Schnitt haben wir 25 Teilnehmer“, berichtet Hiller und kündigt drei Stuhl-Yoga-Kurse und eine Infoveranstaltung des Opferverbands Weißer Ring an. Da gehe es unter anderem um K.o.-Tropfen, weshalb man auf jugendliche Gäste hoffe. Bei den Bobenheim-Roxheimer Pfadfindern und Realschülern soll Werbung für den Vortrag gemacht werden. Hiller: „Vielleicht kommen auch Eltern, und es bleibt jemand als Mitglied bei uns hängen.“
Auf diesen Effekt hofft auch immer wieder der Vorstand (sechs Personen) des mit 45 Mitgliedern eher kleinen Dirmsteiner Landfrauenvereins, der seit über 65 Jahren existiert. „Wir könnten Verstärkung gebrauchen“, sagt Ellenruth Schultz, die den Schwerpunkt der Vereinsarbeit neben Kreativkursen und Ausflügen vor allem beim Thema Kochen und Ernährung sieht. Die mehr als 30 Kurse im Jahr hätten inzwischen viel Zulauf, auch von Jüngeren und Männern. „Ich würde mich freuen, wenn aus manchen begeisterten Gästen Mitglieder würden“, sagt Schultz und kündigt Einblicke in die russische und peruanische Küche an. Zu schaffen macht ihr, dass der Internetauftritt der Dirmsteiner Landfrauen neu aufgebaut werden muss. Sie hat dafür an einer Online-Schulung teilgenommen und meint seufzend: „Man kämpft sich so durch.“
Junge ziehen Junge nach
Digitalisiert und versiert im Bespielen der Sozialen Medien sind die 1983 gegründeten Lambsheimer Landfrauen, sie machen rund 60 Freizeit- und Bildungsangebote in diesem Jahr, darunter 13 für Kinder und Jugendliche. Die Kennzahlen dort: 288 Mitglieder und elf Führungskräfte. Die Vereinsgröße habe sich in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt, berichtet Vorsitzende Silke Wilhelm. Und mit dem stark verjüngten Vorstand spreche man nun auch viel mehr junge Frauen an. Mit unter anderem einem Stammtisch und einer abendlichen Laufgruppe werde auch den berufstätigen Frauen etwas geboten. Die Lambsheimer Landfrauen, berühmt für ihr originelles „Fingerfood“-Büfett, kooperieren gern mit anderen Vereinen und sind bei etlichen Anlässen im Dorf sichtbar, von der Kerwe über das Stabausfest bis zum Martinsumzug.