Mannheim
Lachen und Staunen: Der Kindertheater-Dauerbrenner „Die Welt ist rund“ im Jungen Nationaltheater
Vom kleinsten Molekül bis zum Erdball, vom Mini-Pünktchen bis zum größten Himmelskörper: es gibt eine Form, die wie ein Code des Universums wirkt, wie der Kern, der unser Leben im Innersten zusammenhält. Mit der Wiederaufnahme von „Die Welt ist rund“ versetzt das Junge Nationaltheater Mannheim (NTM) nicht nur Kinder ins Staunen. Mit Bällen und Kreisen, mit Licht und Schatten, wird ein poetisches Märchen über die Kraft der Bewegung erzählt, bei dem die kleinen Gäste sich auch mal vor Lachen kugeln können.
Der Junge ist aufgeregt. Neugierig schaut er hinter den Vorhang, erblickt einen abgedunkelten Raum voller roter Sitzkissen und einer weißen Leinwand. Und will sofort hinein. „Mal gucken!?“, fragt der zweijährige Knirps, der voll in das Altersformat des Stücks (2+) passt, obwohl er bei der Uraufführung 2018 noch nicht ansatzweise geboren war. Seitdem taucht der 30-Minüter immer mal wieder im Spielplan des Jungen NTM auf, wird die Bühne im Studio der Alten Feuerwache zur quietschgelben Spielfläche, so rund wie die Sonne.
Nach dem aufgeregten Anfangskichern aber wird es mucksmäuschenstill. Selbst die allerjüngsten Besucher (plusminus 1) verfallen bei der ausverkauften Inszenierung in ein neugieriges Schweigen. Im abgedunkelten Raum tapsen die beiden Schauspielerinnen Soyi Cho und Hanna Valentina Röhrich in goldenen Ballettschuhen umher, mit Taschenlampen malen sie Kreise auf den Boden. Mal ganz große, dann wieder ganz klein. Mal verschmelzen die Lichtkegel, dann teilen sie sich wieder und bringen Kinderaugen zum Leuchten.
„Häh!? Was machen die?“, fragt der Kleine und lacht wie die anderen drauflos. Vor allem, als das Licht angeht, Röhrich in ihrem graumelierten Blazer verschwindet („Mal die suchen?!“) , dafür aber weiße Tischtennisbälle hinter der runden Leinwand hervorspringen. Erst einzeln, tock!, dann wie ein hagelnder Regen. Cho kann sich vor lauter Zelluloidkugeln kaum retten, sie springt umher, kickt, wirft, spielt mit den runden Objekten, und die Baby-Kids würden es ihr gerne gleichtun, sie laufen und krabbeln mit den Eltern im Rücken schon los. „Ich will auch!“, sagt mein Kleiner.
Doch die Bälle werden immer größer. Und haben ihr Eigenleben. Sie rollen davon, scheinen sich zu entziehen. Röhrich kommt wie aus dem Nichts auf einem Gummiflummi angehüpft. Wie eine Schubkarre vor sich herschiebend, lässt Cho zwei Dopsbälle übereinander rotieren, tanzt mit einem bunten Schneemann im Duett, erhält wieder die Kontrolle, während ihre Kollegin artistisch auf einem gigantischen Springball balanciert und Purzelbäume schlägt. Das Stück beginnt humorvoll, mal verwandeln sich die Kugeln in Gesichter, in Köpfe, und es wird philosophisch- ernst.
Die mit den Taschenlampen angestrahlten Körper scheinen plötzlich durch die Luft zu schweben, sich um sich selbst zu drehen. Statt Lachen beherrscht nun stilles Staunen die Atmosphäre. Der Kleine kämpft mit der Konzentration, er wird etwas nervös, aber die überall im (Welten-)Raum ausgehängten Kugeln, die rot, grün oder gelb leuchten, beruhigen ihn wieder. Ohne, dass er es genauer weiß, wird er zum Sterngucker und blickt auf sich selbst, auf die blaue Kugel namens Erde, die in der Mitte kreist. Ein großer Applaus kommt da aus den kleinen Menschen.
„Ich liebe die Reaktionen der Kinder, sie sind immer etwas anders, unberechenbar“, sagt Hanna Röhrich nach der Vorstellung. Im Spiel erlange sie einen fast schon meditativen Modus. „Es geht um Traumwelten, um Astronomie und Sterne. Es ist abstrakt und doch ganz konkret, ganz nah an der Lebenswelt der Kinder“, sagt sie. Und die Konzentrationsspanne des kleinen Publikums wird nicht ausgereizt. Nach dem Stück dürfen auch sie – endlich! - die Bühne erobern und mit den Bällen spielen. Ein Spaß, der sich zuhause weiterdreht, auch da geht es sehr rund zur Sache.
Info
Weitere Termine von „Die Welt ist rund“ sind am 11. und 12. März, jeweils um 9.30 Uhr im Studio der Alten Feuerwache.