Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Klinik plant Adipositaszentrum

Immer mehr junge Menschen leiden nach einer Langzeitstudie bereits an Übergewicht.
Immer mehr junge Menschen leiden nach einer Langzeitstudie bereits an Übergewicht.

Jeder fünfte Mensch in Deutschland ist inzwischen stark übergewichtig. Angesichts der Entwicklung will die Stadtklinik gegensteuern und ein Adipositas-Zentrum etablieren.

Wann spricht man von Übergewicht, wann von Fettleibigkeit? Gradmesser ist der Body-Mass-Index (BMI), bei dem das Körpergewicht durch die ins Quadrat gesetzte Körpergröße in Metern geteilt wird. Danach ist ein Mensch ab einem BMI von 25 übergewichtig, ab einem Wert von 30 wird die erste Stufe von Adipositas erreicht.

Nach einer aktuellen Statistik des Robert Koch-Instituts (RKI) haben 46,6 Prozent der Frauen und 60,5 Prozent der Männer ab 18 Jahren ein Körpergewicht im Bereich von Übergewicht oder Adipositas. Lag der Anteil fettleibiger Erwachsener vor 20 Jahren noch bei 12,2 Prozent, so hat er inzwischen 19,7 Prozent erreicht. Vor allem junge Menschen werden immer dicker. Laut der RKI-Langzeitstudie sind in Deutschland 15,4 Prozent der Kinder und Jugendlichen von Übergewicht betroffen, 5,9 Prozent haben Adipositas.

Alarmierende Zahlen

Das sind alarmierende Zahlen, die die Stadtklinik mit Blick auf die erheblichen gesundheitlichen, sozialen und volkswirtschaftlichen Folgen dieser chronischen Erkrankung zum Anlass nimmt, ein spezialisiertes und interdisziplinäres Behandlungsangebot für Patienten mit Adipositas in der Region aufzubauen und damit auch einen Sensibilisierungsprozess in Gang zu bringen. Wie die Pläne im Einzelnen aussehen, erläutern Chirurgie-Chefarzt Yann Asbeck und seine Oberärztin Nadine Haacke im Gespräch mit der RHEINPFALZ.

Ausgehend von einem hohen Bedarf an strukturierten und medizinisch fundierten Therapieangeboten verfolgt die Stadtklinik mit dem Adipositaszentrum das Ziel einer ganzheitlichen Versorgung der Patienten. Das Behandlungskonzept basiere auf einer engen Zusammenarbeit der verschiedenen Fachbereiche wie Chirurgie, Innere Medizin, Ernährungsmedizin, Psychologie und Bewegungstherapie, hebt Yann Asbeck hervor. Ihm kommen einschlägige Erfahrungen zugute, hat er doch an seiner früheren beruflichen Wirkungsstätte, dem Hetzelstift in Neustadt, ein solches Zentrum aufgebaut.

Die medizinischen Fortschritte auf diesem Gebiet sind enorm. Von einem Magenband als „Essbremse“ ist man inzwischen fast ganz abgekommen. Es sei zwar chirurgisch gesehen eine sehr einfache Methode, sie bringe aber auf Dauer nicht den gewünschten Erfolg, weil sie keine hormonelle Veränderung bewirke, erklären die beiden Klinikärzte. Mittlerweile gibt es außer konservativen Therapieansätzen auch moderne bariatrische (Adipositas betreffende) Operationsverfahren, die allerdings medizinisch indiziert sein müssen und in der Regel erst nach einer mehrmonatigen Ernährungs- und Bewegungstherapie in Betracht kommen.

Wann ist ein operativer Eingriff sinnvoll?

Wann wird sinnvollerweise zu einem operativen Eingriff geraten? „Bei einem BMI von mindestens 50“, informiert Yann Asbeck. Mit zwei anerkannten Verfahren will er in der Stadtklinik arbeiten: der Schlauchmagen-OP und dem Magen-Bypass. Operiert wird minimalinvasiv (Schlüssellochtechnik) mit sehr kleinen Schnitten. Die Komplikationsrate sei äußerst gering, erklären die Chirurgen. Meist könne spätestens nach fünf Tagen die Klinik verlassen werden. Allerdings bedarf es einer strukturierten Nachsorge, für die fünf Jahre eingeplant werden müssten.

Wie unterscheiden sich die beiden Verfahren? Bei der Schlauchmagen-Operation wird ein großer Teil des Magens dauerhaft entfernt und dadurch das Fassungsvermögen für die Nahrung deutlich reduziert, sodass schneller ein Sättigungsgefühl eintritt. Dies entsteht hauptsächlich durch eine veränderte hormonelle Regulation. Im Unterschied dazu bleibt bei der Bypass-OP der Magen erhalten, aber vom Speiseweg ausgeschlossen. Es wird ein kleiner Teil des Magens abgetrennt, eine Tasche gebildet und diese direkt mit einem tieferliegenden Dünndarmabschnitt verbunden. Dadurch gelingt es, die Nahrung am Großteil des Magens und oberen Dünndarms vorbeizuleiten.

Umbau nach Umzug der Gynäkologie

Es wird noch ein Weilchen dauern, bis das Adipositas-Zentrum in der Stadtklinik seinen Betrieb aufnehmen kann. Das Raumproblem ist bereits gelöst. Nach dem für Mai geplanten Umzug der Gynäkologie in den Neubau wird eine Station im vierten Obergeschoss hergerichtet, was insbesondere für Bäder und Toiletten gilt. Gestartet werden soll mit vier Betten. Chefarzt Yann Asbeck strebt mit seinem Team mittelfristig eine Zertifizierung des Zentrums an. Eine der Voraussetzungen sind hundert Adipositas-Operationen pro Jahr.

Welche Operationsverfahren es bei Adipositas gibt, zeigen Chirurgie-Chefarzt Yann Asbeck und seine Oberärztin Nadine Haacke am B
Welche Operationsverfahren es bei Adipositas gibt, zeigen Chirurgie-Chefarzt Yann Asbeck und seine Oberärztin Nadine Haacke am Bildschirm auf.
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