Frankenthal Klares Konzept gegen böse Buben
Gekippte oder sogar offen stehende Fenster, in Abwesenheit der Bewohner überquellende Briefkästen – was viele Menschen ohne kriminelle Energie vermutlich kaum wahrnehmen, nennt die Polizei in ihrem Jargon „Tatgelegenheiten“. Gemeint ist damit, dass derlei Nachlässigkeiten auf Einbrecher große Anziehungskraft ausüben, weil sie schnellen Zugang zur bevorzugten Beute – Bargeld, Schmuck, hochwertige Elektrik – versprechen. „Gelänge es, all diese Fälle zu vermeiden, in denen solche Gelegenheiten geboten wurden, sähe unsere Kriminalstatistik bei den Einbruchsdelikten vermutlich um einiges besser aus“, sagt Florian Buchheit. Er verstärkt seit September für ein halbes Jahr die Führungsspitze der Polizeiinspektion Frankenthal. Die Realität ist eine andere: Nach 149 Einbruchsdelikten 2014 sind Täter im Zuständigkeitsbereich der Inspektion – Frankenthal, die Verbandsgemeinden Lambsheim-Heßheim und Maxdorf sowie Bobenheim-Roxheim – allein in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres bereits 158 Mal in fremde Wohnungen oder Häuser eingestiegen. „Und die dunkle Jahreszeit bringt erfahrungsgemäß noch einmal mehr Fälle“, unterstreicht Buchheit. Das bestätigen allein die letzten beiden Tage seit Umstellung auf die Winterzeit: Am Montag und Dienstag dieser Woche gab es allein in Frankenthal acht Einbrüche (siehe Rubrik „Stadt-Nachrichten“). Inspektionsleiter Heiko Arnd weiß, dass seine Dienststelle im Vergleich zu anderen Regionen häufiger von Einbrechern heimgesucht wird. „Das hat unter anderem mit der sehr guten Verkehrsanbindung hier zu tun“, sagt der Polizeioberrat. Die schnelle Erreichbarkeit von Autobahnen sowie Bundes- und Landesstraßen – all das spiele beispielsweise überregional agierenden Tätergruppen in die Karten. Neben der eingehenden Analyse jedes einzelnen Falls im Hinblick auf Lage des betroffenen Objekts, Vorgehensweise der Täter und Wahl der Beute – klassisch operative Polizeiarbeit also – setzen Arnd und seine Mannschaft vor allem auf Prävention: Hausbesitzer werden mit plakativ gestalteten Flugblättern und Postkarten auf geöffnete Fenster und ähnliche „Einladungen“ für Einbrecher hingewiesen. Sonderstreifen sollen den Kontrolldruck und das Entdeckungsrisiko insbesondere für Täter aus der Region erhöhen. 2014 haben die Bezirksbeamten der Inspektion 177 Gespräche geführt, wie Haus und Hof effektiv gegen das Eindringen von Straftätern gesichert werden können. Das allein reicht Inspektionschef Arnd nicht: „Ich will herausfinden, ob diese Aktivitäten, die Zeit und Personal binden, auch etwas bringen.“ Die Wirkung polizeilicher Maßnahmen und Konzepte zu prüfen – das war ein Hinweis, den Studierende der Deutschen Hochschule der Frankenthaler Polizei gaben, nachdem sie deren Kriminalitätsstatistik und Arbeitsschwerpunkte analysiert hatten (wir berichteten). Konkret bedeutet das: Beamte der Inspektion werden mit einem gewissen zeitlichen Abstand zu von ihnen geführten Beratungsgesprächen wieder Kontakt mit den jeweiligen Bürger aufnehmen und nachhaken, ob diese Maßnahmen zum Schutz ihrer Häuser getroffen haben oder nicht. Ergäbe diese Evaluation, dass nur in wenigen Fällen dem Gespräch eine Reaktion folge, „muss man schon fragen, ob die Beamten in dieser Zeit nicht besser etwas anderes machen“, sagt Heiko Arnd. Aber auch die Effizienz des Streifendienstes haben er und Kollege Buchheit im Blick: Das Dienstgebiet der Inspektion wurde dazu in Segmente unterteilt, die Beamten halten genau fest, wann sie wo und wie lange unterwegs waren. Stelle man dem dann Tatzeitpunkte und -orte gegenüber, könne dies wichtige Hinweise geben – beispielsweise ob ein Verdrängungseffekt in andere Gebiete stattfinde. Das bisher praktizierte „Gießkannenprinzip“ hat Arnd zufolge vorerst ausgedient.