Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Kampf gegen Drüsenameise: Heißes Wasser bleibt Mittel der Wahl

In Bobenheim-Roxheim geht der Kampf gegen die Ameisenart Tapinoma magnum in die zweite Runde.
In Bobenheim-Roxheim geht der Kampf gegen die Ameisenart Tapinoma magnum in die zweite Runde.

Im vergangenen Sommer wurden in Bobenheim-Roxheim Superkolonien der Ameisenart Tapinoma magnum nachgewiesen. Die Gemeinde hat schnell reagiert. Wie geht es weiter?

Bewohner des Viertels nördlich des Südrings hatten vor ziemlich genau einem Jahr Alarm geschlagen, weil sie schon ein, zwei Jahre zuvor das ungewöhnlich intensive Krabbeln bemerkt hatten und sich Sorgen machten. Sie hatten Recht: Tapinoma magnum, die eingewanderte Große Drüsenameise, ist dabei, sich Bobenheim-Roxheim zu erobern, Wege und Plätze zu unterhöhlen, in Garagen und Häuser vorzudringen und heimische Ameisenarten zu verdrängen.

Inzwischen melden viele Kommunen im Südwesten Probleme mit dieser Art, die wohl hauptsächlich durch Pflanzenimporte hierhergelangt ist. Im Leiningerland gehen die Stadt Grünstadt sowie die Ortsgemeinden Dirmstein und Bissersheim davon aus, dass Flächen in ihrem Gebiet befallen sind.

Die Bobenheim-Roxheimer Verwaltung beauftragte zur Eindämmung des Befalls auf öffentlichem Grund eine Fachfirma und wählte vor allem die Heißwassermethode zur Zerstörung von Nestern. Der Bobenheim-Roxheimer Biologe Manfred Alban Pfeifer, der sich privat schon mit der Tapinoma magnum beschäftigt hatte, wurde zum Ansprechpartner für Rat suchende Bürger ernannt. Er hat für das Magazin des Naturschutzvereins Pollichia einen Artikel über die Große Drüsenameise verfasst und berichtet der RHEINPFALZ über seine Beratungstätigkeit in Bobenheim-Roxheim.

Biologe Pfeifer berichtet

Demnach ist Pfeifer im vergangenen Sommer von rund 50 Bürgern kontaktiert worden. Dabei sei es vor allem um die Bestimmung der Ameisenart gegangen. „Ein recht großer Anteil der Leute hatte andere Ameisen auf dem Grundstück“, sagt Pfeifer und ist froh, dass er Menschen beruhigen und das unnötige Ausbringen von Gift verhindern konnte. Er weist darauf hin, dass jeder die Tapinoma magnum selbst identifizieren kann. Beim Zerquetschen oder Andrücken einer Ameise zwischen den Fingern entfalte sich ein spezieller Geruch. Manche Menschen erinnere er an ranzige Butter, andere an Zitrone oder das Lösungsmittel Aceton. „Leider weigerte sich etwa die Hälfte der Personen, denen ich in der Gemeinde die Ameise zeigte, den Geruchstest durchzuführen“, berichtet er.

Einen Überblick über die Lage in Bobenheim-Roxheim hat Pfeifer nur wegen seines privaten Interesses, er ist nicht in die Bekämpfungsmaßnahmen der Gemeinde eingebunden. Betroffenen Einwohnern empfiehlt er ebenfalls die Heißwassermethode: „Wenn man mehrmals wöchentlich heißes Wasser in die Löcher gießt, verschwinden die Ameisen erst einmal, aber das muss man wirklich kontinuierlich machen.“ Profi-Bekämpfer haben dafür Geräte, die mit einer Art Lanze tiefer in den Boden vordringen. Sie dürfen im Gegensatz zu Privatleuten auch genehmigungspflichtige Gifte benutzen.

Es mangelt an Koordination

Pfeifer meint, die Summe aller Methoden könne zur Eindämmung der Großen Drüsenameise beitragen, die Ausrottung sei wohl nicht mehr möglich. In den meisten Orten scheitere die Bekämpfung an der mangelnden Koordination der Privatgrundbesitzer untereinander sowie mit der Kommune, die nur auf öffentlichem Grund aktiv wird. Er teilt die Meinung der Bobenheim-Roxheimer Verwaltung, dass eine überörtliche Stelle die Sache in die Hand nehmen sollte – so wie in der Schweiz, wo Tapinoma magnum als invasive Art anerkannt und damit ein Fall für übergeordnete Behörden sei.

Fachbereichsleiter Frank Unvericht informiert auf Anfrage über die aktuelle Problemlage in Bobenheim-Roxheim. Die angekündigte vollständige Rodung betroffener Grundflächen sei leider nicht erfolgt, „weil wir hierfür nicht die naturschutzrechtliche Erlaubnis in Aussicht gestellt bekommen haben“. Tapinoma magnum gelte in Rheinland-Pfalz eben nicht als invasive Art, die übermäßige Eingriffe in die Natur rechtfertige. „Der Betriebshof hat aber bestmöglich einen Rückschnitt vorgenommen, damit ein Großteil der Nester an den Lärmschutzwällen Südring und Gerhart-Hauptmann-Straße aufgespürt werden kann.“

Gemeinde will eigenes Gerät anschaffen

Die Bekämpfung der Nester mit einem Heißwassergemisch sei wieder angelaufen, weil die Ameisen schon sehr aktiv seien, sagt Unvericht. Die momentane Pause sei dem Umstand geschuldet, dass das Gerät der beauftragten Firma repariert werden müsse. Die Gemeinde werde sich bis zum Frühsommer ein eigenes Gerät kaufen, damit der Betriebshof an der Bekämpfung mitwirken kann.

Biologe Pfeifer hat noch ein paar Tipps: Den Insekten sollte der Zugang zu Nahrung zumindest erschwert werden. Auch den Weg in die Mülltonnen können Bürger den Insekten versperren: indem sie die Abfallbehälter in Schalen stellen, die mit Wasser gefüllt sind. Aber: „Von Zeit zu Zeit muss das Wasser gewechselt werden, damit sich darin keine Schnaken oder Tigermücken entwickeln können.“ Weil die Ameisen Blattläuse melken, sollten befallene Bäume mit Raupenleim-Ringen umwickelt werden.

Die Wurzel des Übels scheint der Handel mit mediterranen Pflanzen zu sein. Deshalb sollten die Verbraucher nach Ansicht von Pfeifer schon im Gartencenter schauen, ob sie dort Ameisen sehen, und der Topfballen sollte daheim genau untersucht werden.

Kontakt

Bewohner von Bobenheim-Roxheim können bei Tapinoma-magnum-Verdachtsfällen an die E-Mail-Adresse ameisen@bobenheim-roxheim.de schreiben. Dann wird geprüft, ob es sich tatsächlich um die Große Drüsenameise handelt und ob Maßnahmen erforderlich sind.

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