Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Kadebostany im Kulturzentrum das Haus: Knallhart und skurril

Eine der Sängerinnen namens Poseidona.
Eine der Sängerinnen namens Poseidona.

Der wichtigste Kulturexport aus Kadebostan beglückte das Publikum im Kulturzentrum das Haus mit folkloristischen und sehr modernen Klängen.

Und sogar der Präsident der Republik Kadebostan stand selbst im Hintergrund auf der Bühne. Es war einmal ein ganz kleines, ziemlich verstecktes Land zwischen Osteuropa und Kleinasien, dessen Präsident beschloss, das reiche kulturelle Erbe seiner Nation hinaus in die Welt zu tragen. Denn bis vor 15 Jahren hätten die meisten Schüler beim Blättern im Weltatlas das kleine Land eher für einen Krümel vom Pausenbrot gehalten, der zufällig auf die Seite gefallen ist. Gleichermaßen betrübt über den Mangel an Bekanntheit und stolz auf die musikalische Tradition seines Volkes, beschloss Präsident Guillaume de Kadebostany, ein Ensemble zu gründen und damit hinaus in die Welt zu ziehen. „Kadebostany“ sollte das Orchester heißen.

Mit seiner Truppe hat der Präsident keine Länder, sondern Chartplatzierungen erobert. In drei Kategorien war das Ensemble für den Swiss Music Award 2014 nominiert, im gleichen Jahr trat die Gruppe auf der Hauptbühne des Festivals in Lausanne auf. Auf der Bühne im Kolosseum, dem Großen Saal des Kulturzentrums Das Haus begann das Konzert mit akustischen Klängen im Kerzenlicht. Was für jeden Fotografen eine Nervenprobe ist, wirkte auf die Zuhörer jedoch recht entspannend. Im Dreivierteldunkel erklangen wehmütige Melodien, schöne Frauenstimmen, etwas von orientalischer Weltmusik klingt mit. Das war allerdings nur der erste Akt. Dann nämlich springen alle von ihren Stühlen auf, die Bühne wird blitzschnell umgebaut und dann: Buchstäblich Blitz und Donner, als die volle Ladung Strobo-Flackern, Basstrommel-Stampfen und eine brettharte E-Gitarre dem Publikum den Scheitel ziehen. Ab da geht es richtig zur Sache und es ist auch gut, dass der Saal nicht bestuhlt ist. Vor der Bühne wird gezappelt und selbst die coolen Leute ganz hinten nicken zumindest im Takt.

Ein Gesamtkunstwerk

Wer nun denkt, das ist alles zu schön, um wahr zu sein – hat recht. Nach knallharter Investigativrecherche lässt sich herausfinden, dass das angebliche Kadebostan von „Landesvater“ Guillaume Bozonnet, einem Schweizer DJ und Musiker, erfunden wurde. Der hatte schon einige Hits, darunter sein Remix von Beyoncés „Crazy in Love“, das in der Verfilmung von „Fifty Shades of Grey“ zu hören war. Er hatte die Idee, seine Ideen live auf die Bühne zu bringen, und daraus eine Art Gesamtkunstwerk zu machen. Dazu erfand er die Republik Kadebostan und entwickelte auch Kostüme und Bühnenbild. Optisch gibt es viele Anspielungen auf autokratische Herrscher, mit uniformähnlichem Outfit, Sonnenbrillen, Armbinden mit Abzeichen und Staatswappen. Natürlich geht es um die Freiheit des kadebostanischen Volkes, das mehr oder minder komplett auf der Bühne steht, nämlich als Musiker seiner Band. Der Präsident selber hält sich aber weitgehend im Hintergrund (im Gegensatz zu echten Autokraten) dreht an seinen Turntables, groovt mit der Band und fragt mal, „Ludwigshafen, seid ihr gut drauf?“

Die skurrile Geschichte hat der DJ Jahre lang ziemlich konsequent durchgezogen, trat in seiner Bühnenrolle auch in Interviews auf und war damit Kulturbotschafter seines Fantasie-Staates. Inzwischen hat Kadebostany (die Band) zehn Top Ten Hits in 30 Ländern gehabt, in Griechenland sogar mal Pop-Queen Rihanna vom Thron des ersten Platzes geschubst. Live hat die bunte Truppe in den vergangenen 15 Jahren über 500 Konzerte gespielt. Bozonnet ist in Frankreich aufgewachsen, sein Vater war Techniker für verschiedene Underground-Radiosender. Schon als Kind habe er seinen Vater in die Studios begleitet, erzählt Bozonnet in einem Interview. Deshalb fühle er sich in Studios so zuhause. Seine „Staatsgründung“ helfe ihm, musikalisch und konzeptionell einen roten Faden zu haben und gleichzeitig einen besonderen Stil, akustisch und visuell, zu entwickeln. Und der kommt bestens an, wie das Publikum im Haus eindeutig zeigte.

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